Spanien: 50 Stunden Arbeit für nur 1.000 Euro

Teilzeitkräfte im Ausland verdienen oft mehr als spanische Vollzeitkräfte mit 50 Wochenstunden. Ein Vergleich der Lohnlücken.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: 50 Stunden Arbeit für nur 1.000 Euro
Spaniens Lohndilemma: 1.000 Euro für 50 Stunden

Ein Teilzeitkraft in einem Industrieland verdient häufig mehr als viele spanische Arbeitnehmer, die 40 bis 60 Stunden pro Woche arbeiten. Dieser provokante Vergleich wirft eine unbequeme Frage auf: Wenn die Lebenshaltungskosten im Ausland nicht höher sind – und teils sogar niedriger –, was stützt dann eigentlich das spanische Lohnniveau?

Wie viel Arbeit für 1.000 Euro nötig ist

Die Rechnung hinter dem Ärger ist einfach: 1.000 Euro netto monatlich bei Schichten von 10 bis 12 Stunden, während Tarifverträge kaum steigen. Der einzige Weg, das Gehalt zu erhöhen, sind Überstunden, verbunden mit dem Risiko, in eine höhere Steuerstufe beim IRPF (spanische Einkommensteuer) zu rutschen – im genannten Beispiel von 19% auf 23% – und einen Teil der Mehrarbeit durch Steuern zu verlieren. Dies ist kein Einzelfall, sondern Standard in weiten Teilen des Handels und Dienstleistungssektors.

Der Blick ins Ausland schürt den Unmut. Es wird behauptet, dass in Deutschland, den Niederlanden oder Luxemburg 2.500 Euro für 40 Stunden keine Ausnahme sind und man dort mit weniger körperlicher Belastung gleich gut oder besser lebt. Die Gegenargumente betreffen die Wohnkosten: In London oder Dublin vervielfachen sich die Mieten, was dazu führt, dass man sich Wohnungen mit drei oder vier Personen teilen muss oder bis zu drei Stunden tägliche Pendelzeit in Kauf nimmt, um bezahlbaren Wohnraum zu finden. Der Rat, auszuwandern, hat also seine Tücken.

Anhebung des Mindestlohns und ihre Schattenseiten

Auf der anderen Seite steht die Erhöhung des SMI (Salario Mínimo Interprofesional), die mit 40% angegeben wird. Offiziell heißt es, dass Tarifverträge, die sich am Mindestlohn orientieren, pauschal angepasst wurden. Kritiker wenden ein, dass viele Betroffene weder vorher noch nachher den SMI verdienten: Die tatsächlichen Erhöhungen lagen bei 30 bis 50 Euro, Beträge, die vom Einkaufswagen sofort aufgefressen werden.

Ein administratives Detail empört mehr als die Zahl selbst: die zwei Sonderzahlungen (pagas extras). Sie werden oft als Geschenk des Arbeitgebers wahrgenommen, obwohl sie lediglich anteilig ausgezahltes Gehalt sind – ein buchhalterischer Paternalismus, der vertraglich zustehendes Geld als Bonus darstellt. Bei Stundenjobs wird es noch komplizierter: Reinigungskräfte unter 10 Euro pro Stunde zu finden, ist unmöglich; in manchen Gebieten müssen es bis zu 12 Euro sein.

Warum bleiben Spaniens Löhne so niedrig?

Hier spaltet sich die Debatte. Eine Strömung macht die chronische Arbeitslosigkeit über 15% und das Überangebot an Arbeitskräften verantwortlich dafür, dass das Lohnniveau stagniert: Mit vielen Bewerbern pro Stelle schwindet die Verhandlungsmacht, und der Wettbewerb unter Arbeitnehmern drückt die Löhne. Dagegen spricht, dass Arbeitslosigkeit bestimmte Sektoren nicht allein erklärt; Kritiker verweisen darauf, dass das Problem auch in Regionen mit niedriger Arbeitslosigkeit besteht.

Ein anderer Ansatz sieht das Problem in der Unternehmensstruktur. Beschrieben wird ein Industriegewebe mit veralteten Maschinen, lohnarmen Belegschaften und oben Managern, die mehr verdienen als ihre französischen, deutschen oder italienischen Kollegen. Die konkrete Berechnung – wie viel Produktivität nicht im Lohn ankommt und wohin er fließt – zeigt überraschende Unterschiede, die genau betrachtet werden sollten, bevor man einer der beiden Erklärungen folgt.

Lebenshaltungskosten als Ausrede und Falle

Nicht alles ist nominal. 500 Euro bei 300 Euro Ausgaben sind nicht dasselbe wie 1.200 Euro bei 1.100 Euro Ausgaben; dieses Sparpotenzial unterscheidet ein komfortables Leben vom Leben von der Hand in den Mund. Ab einem gewissen Alter wird der Auswanderungsrat hinfällig: Es gibt Immobilien, Familie, Freunde und Verwurzelung. Für Hausbesitzer mit Erbenerwartungen ist das „Mileurismo“ (Gehalt um 1.000 Euro) unangenehm; für Mieter ist es direkt eine Verurteilung.

Die Diskussion driftet oft ins Politische ab und verfängt sich dort. Manche geben der Resignation und mangelnder Ambition die Schuld; andere entgegnen, dass Spanien das Schlechteste beider Welten vereint – Steuern und Bürokratie eines Erstweltlandes, Wirtschaft eines Drittlandes – und dass ohne Mindestsicherung, Inflationsausgleich bei Renten und Hilfen die Lage deutlich schlechter wäre. Niemand bestreitet den Fachkräftemangel; gestritten wird über die Ursachen.

Und dabei bleibt es. Mit diesen Zahlen wäre eine massive Abwanderung qualifizierter Arbeiter logisch. Das geschieht jedoch weniger, als die Gehälter vermuten lassen. Noch niemand hat abschließend berechnet, wer wirklich von dieser Lohnlücke profitiert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (437 Antworten).

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