Junge Erwachsene in Spanien: 1.200 € Gehalt und unerreichbarer Wohnraum
Spanien ist kein armes Land, aber es hat arme junge Menschen. Der Vergleich mit dem Rest der Europäischen Union – und mit der Ersten Welt allgemein – ist der Ausgangspunkt eines Unbehagens, das nicht mehr leise diskutiert wird: Gehälter, die vor Monatsende aufgebraucht sind, Mieten, die das gesamte Einkommen verschlingen, und das Gefühl, dass der Arbeitsmarkt nur für andere funktioniert. Der klassische Auslöser bleibt die Anekdote: Jener Chef, der auf Beschwerden über prekäre Arbeitsbedingungen antwortete, man sei doch froh, nicht in Uganda zu sein. Sich mit dem schlechtesten Szenario vergleichen, damit das zweitbeste gut dasteht.
Die Zahlen des privaten Sektors laden zum Nachdenken ein. Ein Gehalt von 1.200 Euro ist zum Standard in weiten Teilen der Gastronomie, im Einzelhandel und im Dienstleistungssektor geworden, oft bei Zehn-Stunden-Tagen und körperlich zermürbender Arbeit. Mit diesem Betrag frisst die Miete einer kleinen Wohnung fast alles auf, und an einen Immobilienkauf ist gar nicht erst zu denken.
Wie viel verdient ein qualifizierter junger Mensch in Spanien wirklich?
Weniger, als die Erzählung vom wirtschaftlichen Aufschwung suggeriert. In einem detailliert beschriebenen Fall verdiente ein 45-jähriger Ingenieur, der um 2012/2013 als Qualitätsmanager eingestellt wurde, etwas mehr als 2.000 Euro; heute erreichen viele erfahrene Fachkräfte diese Summe nicht mehr. Die Gehaltsspanne hat sich seitdem kaum bewegt, die Inflation jedoch stark zugenommen.
Einige behaupten, 18.000 Euro netto pro Jahr ermöglichten ein angemessenes Leben bei guter Haushaltsführung, während andere entgegnen, dass man davon selbst am Stadtrand keine Wohnung kaufen kann. Beide Aussagen koexistieren, ohne dass eine die andere überzeugt. Laufende Ausgaben – drei Bier am Wochenende, ein Smartphone – erklären nicht die Preislücke, die sich in zwei Jahrzehnten aufgetan hat.
Das eigentliche Risiko besteht zudem nicht darin, den Job zu verlieren, sondern ihn nicht wiederzufinden. Es werden Fälle beschrieben, in denen Menschen nach einer Kündigung Jahre brauchen, um neu unterzukommen. Der spanische Arbeitsmarkt führt seit 47 Jahren die negativen OECD-Statistiken an, und zwar nicht nur bei der Jugendarbeitslosigkeit: Auch Über-45-Jährige, Über-55-Jährige und Unter-25-Jährige belegen die Spitzenplätze in europäischen Rankings, und die allgemeine Arbeitslosenquote bleibt die höchste in der OECD.
Die Wohnung in Móstoles, die heute undenkbar wäre
Die Erinnerung an die Preise ist gnadenlos. Im Jahr 2000 kostete eine neue Wohnung mit Garage in Móstoles 20 Millionen Pesetas, was damals auch nicht billig erschien. Das damalige Kleinwagenmodell, vergleichbar mit dem alten SEAT Málaga, würde heute etwa 30.000 Euro kosten. Die Maßstäbe haben sich geändert, ohne dass sich das Gehalt entsprechend angepasst hätte.
Das Argument der Anstrengung hat seine moderne Variante: Jahrelang konnte man in Provinzhauptstädten außerhalb der angespannten Gebiete kaufen, und vor fünf Jahren noch zu extrem niedrigen Preisen. Wer jetzt spät auf diesen Markt kommt, findet etwas anderes vor. Dem wird die These des Opfers entgegengehalten: Man habe schon immer Freizeit und Ausgaben einsparen müssen, um ein Haus zu bezahlen. Die übliche Antwort lautet gleichbleibend: Aufgehen zu verzichten deckt nicht die Differenz zwischen dem damaligen und dem heutigen Wohnungspreis ab.
Ausländische Praktikanten mit Wohnung, Spanier 3.000 Kilometer entfernt
Der internationale Vergleich ist der Punkt, der am meisten stört. Ein deutscher Praktikant kam mit einem Vertrag seiner Zentrale nach Spanien und mietete sich in einer Hauptstadtstadt ein, vermutlich mit familiärer Unterstützung. Die Szene wiederholt sich: Wer von außen kommt, bringt die Bedingungen seines Herkunftslandes mit, während Einheimische den Markt von unten betrachten.
Europäische, amerikanische und kanadische Bekannte haben laut Beschreibung vernünftige Arbeitszeiten, klare Perspektiven, die Möglichkeit, den Job ohne Nachteile zu wechseln, und sogar ein Sabbatjahr, wenn sie Lust dazu haben. Die hier ausgebildete Generation sucht ihren Weg nach oben: Ingenieure und Neurowissenschaftler-Forscher betonen, dass sie in der Türkei absolut gesehen mehr verdienen als in Spanien. Die zitierten Berichte deuten auf 400.000 abgewanderte junge Menschen allein im Jahr 2023 hin. Die Frage ist, wie viele zurückkehren werden.
Beamter oder Emigrant: Die zwei verbleibenden Türen
Die Beamtenlaufbahn ist zum begehrtesten Rückzugsort geworden, nicht aus Berufung, sondern wegen der Sicherheit. Morgens arbeiten, freie Nachmittage, Freitag bis Mittag, Feiertage und Stabilität; der Auswahlprozess ist zudem professionalisiert und erschwert worden. Das Ergebnis ist ein jahrelanger Hindernisparcours, um Zugang zu etwas zu erhalten, das im Privatsektor unter vergleichbaren Bedingungen fast nicht existiert.
Die andere Tür ist der Flughafen. Befürworter der Auswanderung argumentieren, dass ein Ingenieur und eine Forscherin nicht wie Mönche leben sollten, um eine Hypothek abzuzahlen, und dass wer bleibt, einen Teil seines Lebens einem System schenkt, das ihm nichts zurückgibt. Dagegen spricht ein plausibles Argument: Auch im Ausland muss man konkurrieren, und in einigen Branchen lässt es sich gut leben, ohne Grenzen zu überschreiten.
Der Generationenkonflikt: „Harte Arbeit“ gegen die Diagnose der Prekarität
Keine Diskussion über die Lebensqualität Jugendlicher endet ohne gegenseitige Vorwürfe. Ein Teil der Analyse gibt den jungen Menschen selbst die Schuld: Trägheit, mangelnde Bildung, heruntergezogene Hosen, Handys, Videospiele und eine vermeintliche Faulheit, die das Bildungssystem geduldet habe. Die Gegenreaktion ist klar strukturiert: Die Unlust ist eine Folge, nicht die Ursache. Bei einem Vertrag über 1.000 Euro sind die realen Optionen eines jungen Menschen dieselben wie bei jemandem, der Sozialhilfe bezieht: lebenslanges WG-Leben, billige Freizeitgestaltung und wenig Hoffnung.
Der Vorwurf hat auch eine makroökonomische Version. Den Wählern der letzten Jahrzehnte wird vorgeworfen, industrielle Umstrukturierungen, Frühverrentungen und ein wachstumsorientiertes Modell basierend auf Bauwesen akzeptiert zu haben. Ihnen wird geantwortet, es habe nie silberne Tabletts gegeben und die aktuelle Generation habe die besten materiellen Bedingungen in der Geschichte des Landes gehabt. Beides kann wahr sein, und keines löst das Problem.
Was niemand bestreitet: Lebensqualität bemisst sich auch außerhalb des Gehalts
Zum Gehalt kommen weitere Nachteile hinzu: Zugang zu Wohnraum, Gründung einer Familie, Kultur, Unternehmertum und Kaufkraft. Die Löhne haben durch die Inflation an Kaufkraft eingebüßt, der Konsum leidet darunter; selbst wer verantwortungsvoll ausgibt, weiß, dass seine Anstrengung ihn nicht an denselben Ort führen wird wie seine Eltern.
Es gibt mehr Qualifikation und weniger Rendite darauf. Die Leiter des sozialen Aufstiegs ist zu einem Langstreckenlauf mit sich bewegendem Boden geworden.
Bei diesen Unterschieden bei Gehältern, Immobilienpreisen und Erwartungen sollte die qualifizierte Abwanderung in den nächsten Jahren weiter zunehmen, auch wenn niemand garantieren kann, dass die Aufnahmeländer ihre Nachfrage aufrechterhalten. Klar scheint jedoch: Ohne Änderungen bei Wohnraum, Löhnen und Produktivität wird sich die Diagnose nicht von selbst korrigieren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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