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Sol-Camp in Madrid mobilisiert gegen einen namenlosen Faschismus
Am Samstag, den 3. Oktober, gibt es in Madrid zwei konkurrierende Termine: das antifaschistische Camp an der Puerta del Sol und eine Kundgebung in der Alcalá 21 unter dem Motto bezahlbarer Wohnraum.
Das Sol-Camp: Antifaschismus mit iPhone und ein Rechtsensrecht-Termin am 3.10.
Am Samstag, den 3. Oktober, hat Madrid zwei sich kreuzende Termine. An der Puerta del Sol präsentiert sich eine Kundgebung als Antwort auf den Faschismus, und der Slogan „Madrid wird das Grab des Faschismus sein" macht in den sozialen Medien die Runde, begleitet von Lob für die jungen Menschen, die den Platz füllen. Eine weitere Veranstaltung ist für 20:00 Uhr in der Calle Alcalá 21 angesetzt, mit Treffpunkt um 19:30 Uhr am U-Bahn-Ausgang Banco de España. Das verstörende Detail: Niemand sagt, gegen welchen Faschismus die erste Veranstaltung gerichtet ist.
Gegen welchen Faschismus demonstriert das Sol-Camp?
Gegen keinen, den die verbreiteten Botschaften benennen. Die Aufrufe nennen kein Gesetz, keine Partei, keine konkrete Maßnahme: Sie sprechen von einem generischen Feind, dem Faschismus, und von der Jugend als erster Linie. Parallel dazu kursieren Erklärungen, die nichts mit dem Camp zu tun haben, aber den Rahmen verstärken. Die Journalistin Àngels Barceló sagt, sie würde es lieben, berichten zu können, dass es Spanien gelungen sei, den Faschismus aufzuhalten, in Äußerungen, die elDiario.es aufgegriffen hat. Der Schauspieler Óscar Jaenada erklärt, er lebe im Baskenland, weil er dort eine Ablehnung des Faschismus gefunden habe, die er anderswo vermisst habe. Und eine Madrider Jugendorganisation stellt die arbeitende Jugend in die erste Linie gegen diejenigen, die, so ihre Behauptung, die Drecksarbeit von Bourgeoisie und Rentnern erledigen wollen, indem sie das Camp angreifen.
Die Kundgebung, die tatsächlich Uhrzeit, Adresse und ein Wohnungs-Motto hatte
Hier liegt das unbequeme Detail. Die Veranstaltung, die als Gegenstück zum Camp dargestellt wird, ist kein Gerücht: Democracia Nacional und Núcleo Nacional (spanische rechtsensrecht Gruppen) veröffentlichen Aufrufe mit Ort und Zeit; die erste fordert, Spanien zu verteidigen, die zweite bezahlbaren Wohnraum für Spanier. Die Paradoxe erklärt sich von selbst. Die Wohnungs-Parole, die im gesammelten antifaschistischen Diskurs nicht vorkommt, dient der Gegenseite als Fahne. Die einen gehen gegen einen Faschismus ohne Zusatz auf die Straße; die andere Veranstaltung macht Wohnraum zu ihrem Transparent.
Die Erwiderung: iPhones und ein Karatefilm
Ein großer Teil der Reaktion tut die Demonstranten als Kinder ab, die mit dem Handy in der Hand Revolution spielen und am Ende doch wieder zu ihren Eltern zurückkehren werden. Eine der Botschaften greift auf Erinnerungen zurück und vergleicht die Szene mit den Kino-Nachmittagen im Dorf: Wenn der Karatefilm aus war, gingen die Kinder auf die Straße und machten Karate-Tritte. Der Spott hat seinen Charme, aber auch seine Grenzen, denn der am häufigsten wiederholte Vorwurf lautet, diese jungen Leute hätten noch nie einen Faschisten gesehen, nicht einmal auf einem Foto. An anderer Stelle gerät der Austausch vom Thema ab: Es taucht ein verschwörungstheoretischer Verweis auf angebliche verborgene Mächte auf, ohne jeden Beleg, den der Rest der Debatte ignoriert.
Das Szenario, das niemand zu Ende denken will
Die Diskussion spitzt sich zu, wenn man die Konfrontation durchspielt. Manche behaupten, wenn echte faschistische Schlägertrupps bis nach Sol vordringen würden, gäbe es eine schwere Tragödie; die Gegenwette lautet, dass es keine geben würde, weil die Demonstranten Reißaus nehmen würden. Und dazwischen der Verdacht, dass der beschworene Faschismus längst nicht mehr existiert und dass sich jeder, der sich dazu bekäme, einen gehörigen Schrecken einhandeln würde, sobald er auf die Straße ginge.
Beide Veranstaltungen standen, mit Uhrzeit und Adresse, für denselben Samstag fest. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion gibt es keinen Hinweis auf einen Ausgang nach 20:00 Uhr. An dieser Stelle bleibt die Analyse stecken: ein Feind ohne Namen auf der einen Seite, ein Wohnungs-Transparent auf der anderen, und kein Beweis dafür, wer eigentlich auftauchen wollte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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