Sofía Puente wegen Anwendung des Enkelgesetzes in Spanien angeklagt

Eine Madrider Richterin lässt die Klage von Hazte Oír gegen Sofía Puente wegen der Anwendung des Enkelgesetzes zu und erhebt wegen angeblicher Rechtsbeugung im Amt Anklage.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sofía Puente wegen Anwendung des Enkelgesetzes in Spanien angeklagt

Die Vorsitzende Richterin des Untersuchungsgerichts Nummer 35 in Madrid, María Inmaculada Lova, hat die Klage von Hazte Oír gegen Sofía Puente wegen ihrer Anwendung des Enkelgesetzes zur Verhandlung zugelassen. Die Richterin beschuldigt die Schwester des Verkehrsministers einer angeblichen Rechtsbeugung im Amt, hat sie jedoch noch nicht als Beschuldigte vernommen. Die Staatsanwaltschaft hatte sich gegen die Zulassung der Klage ausgesprochen und unterstützte Puentes eigene Position, die eine Einstellung wegen bereits erfolgter Rechtsprechung forderte.

Der Beschluss stellt fest, dass die Fakten „Merkmale aufweisen, die das mögliche Bestehen einer Rechtsbeugung im Amt vermuten lassen". Die Klage konzentriert sich auf die Anweisung, die Puente erließ, während sie im Justizministerium unter Félix Bolaños tätig war, und die nach Ansicht des Klägers die Anwendung des Demokratischen Gedächtnisgesetzes über das hinaus ausdehnte, was der Kongress gebilligt hatte. Das Gesetz beschränkte die spanische Staatsbürgerschaft auf Nachkommen der unter Franco Verbannten; die Anweisung dehnte sie auf alle aus, die zwischen 1936 und 1955 Spanien verlassen hatten.

Was die Anklage gegen Sofía Puente bedeutet

Die Zulassung des Verfahrens ist keine Verurteilung und entspricht keiner formellen Anklageerhebung. Richterin Lova ist der Ansicht, dass die Klage die Voraussetzungen für die Zulassung erfüllt, und verlangt von Hazte Oír eine Sicherheit von 1.000 Euro. Die vorläufigen Ermittlungen werden mit der klagenden Vereinigung abgestimmt, nachdem sich die Staatsanwaltschaft dagegen ausgesprochen hatte. Puentes Verteidigung argumentierte, dass zwei frühere Klagen, die von den Madrider Gerichten 21 und 25 behandelt wurden, bereits eingestellt worden seien, aber die Richterin forderte die Unterlagen beider Verfahren an und kam zu dem Schluss, dass sie weder mit der Anwendung des Enkelgesetzes noch mit den Argumenten von Hazte Oír übereinstimmen.

Der Fall kommt zu einem heiklen Zeitpunkt für die Regierung. Das Verfassungsgericht berät, ob die vom Obersten Gerichtshof verhängte vorläufige Aussetzung des Wahlrechts für die nach dem Enkelgesetz Eingebürgerten aufgehoben werden soll. Die Zentrale Wahlkommission kann nicht unterscheiden, welche Fälle unter das vom Kongress verabschiedete Gesetz fielen und welche die Staatsbürgerschaft durch Puentes Anweisung erhielten. Der Oberste Gerichtshof hat das Auslandswahlrecht aller ausgesetzt, die nicht individuell nachweisen können, dass ihr Fall dem Willen des Gesetzgebers entspricht.

Die Anweisung, die das Gesetz ausweitete: 1936 bis 1955

Der Kern des Konflikts liegt in einem Spielraum von fast zwei Jahrzehnten. Der Gesetzgeber hatte beschlossen, dass Nachkommen der unter Franco Verbannten von der Bestimmung des Demokratischen Gedächtnisgesetzes profitieren können. Nach Angaben des Klägers dehnte Sofía Puentes Anweisung dieses Recht auf alle Personen aus, die aus welchen Gründen auch immer zwischen 1936 und 1955 Spanien verlassen hatten. Diese Ausweitung ist es, die nach Ansicht des Klägers eine Rechtsbeugung im Amt darstellt: den Erlass einer willkürlichen Entscheidung in Kenntnis ihrer Rechtswidrigkeit.

Die praktische Folge ist laut Kläger eine Erweiterung des Wählerverzeichnisses. Der Oberste Gerichtshof kann nicht zwischen den auf gesetzlichem Weg und den auf Verwaltungsweg Eingebürgerten unterscheiden, weshalb er das Wahlrecht aller ausgesetzt hat, die nicht nachweisen können, dass sie unter das Gesetz fallen. Das Verfassungsgericht hat das letzte Wort, aber seine Entscheidung fällt, während Puentes Fall bereits vor den Gerichten liegt.

Wer ist Sofía Puente und warum ist ihr Name wichtig?

Sofía Puente ist von Beruf Staatsanwältin und Schwester des Verkehrsministers Óscar Puente. Sie bekleidete eine wichtige Position im von Félix Bolaños geführten Justizministerium, als die Anweisung erlassen wurde. Ihre Stellung als Schwester eines Ministers in Sánchez' Regierung hat den Fall zu einem politischen ebenso wie zu einem juristischen Thema gemacht. Die Klage von Hazte Oír wirft ihr Rechtsbeugung im Amt vor, ein Straftatbestand, der Behörden oder Beamte bestraft, die in Kenntnis ihrer Rechtswidrigkeit eine willkürliche Entscheidung in einer Verwaltungsangelegenheit treffen.

Die Anklage bedeutet nicht, dass sie verurteilt wird. Tatsächlich sind Anklagen wegen Rechtsbeugung vor Gericht oft schwer durchsetzbar, weil nachgewiesen werden muss, dass die Entscheidung in voller Kenntnis ihrer Rechtswidrigkeit getroffen wurde. Die Richterin sieht jedoch ausreichende Anhaltspunkte für eine Untersuchung. Der Beschluss lädt sie noch nicht vor, stuft sie aber verfahrensrechtlich als Beschuldigte ein.

Das Kräftemessen zwischen Staatsanwaltschaft, Richterin und Regierung

Die Staatsanwaltschaft schloss sich Puentes These an: bereits entschiedener Fall, Einstellung. Richterin Lova sah das anders und ließ die Klage zu. Ein solcher Dissens zwischen Staatsanwaltschaft und Justiz ist ungewöhnlich, zumal in einem Fall, der eine Person aus dem Umfeld des Ministers Bolaños direkt betrifft. Die Richterin forderte die Akten der Gerichte 21 und 25 an, um zu prüfen, ob Rechtskraft bestand, und kam zu dem Schluss, dass die Fakten nicht identisch waren.

Das Ergebnis ist eine offene Untersuchung einer Verwaltungsanweisung, die gewährte Staatsbürgerschaften betrifft. Die Frage, die über den Akten schwebt, ist, ob Puentes Anweisung eine vernünftige Auslegung des Gesetzes oder eine absichtliche Überschreitung ihrer Befugnisse war. Die Richterin glaubt, dass es Anhaltspunkte für eine Untersuchung gibt. Die Staatsanwaltschaft war gegenteiliger Ansicht. Das Verfassungsgericht entscheidet derweil, ob genau diese Eingebürgerten wählen dürfen.

Mit der bereits festgelegten Sicherheit von 1.000 Euro und den noch abzustimmenden vorläufigen Ermittlungen tritt der Fall in eine Ermittlungsphase ein, die Monate dauern kann. Niemand hat bisher bewiesen, dass Puente Rechtsbeugung beging. Aber die Anklage steht bereits in den Akten und der Name in den Schlagzeilen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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