RT warnt vor „unvermeidlichem“ Atomschlag: Der Alltag geht weiter
Margarita Simonián, Chefredakteurin des russischen Senders RT, erklärte am vergangenen Mittwoch im Staatsfernsehen ihres Landes, ein Atomschlag sei nicht nur möglich, sondern das „wahrscheinlichste“ Ergebnis. Sie sprach mit „großer Bestürzung“, behielt aber die Fassung. Die Warnung löste keine kollektive Panik aus, sondern eine Mischung aus Spott und Resignation: In demselben Thread, in dem über das Ende der Menschheit diskutiert wurde, schrieb jemand, dass wenigstens „die Arbeitslosigkeit vorbei wäre“.
Die Sequenz hat zwei Teile. Erstens Simonián: „Oder wir verlieren in der Ukraine, oder der Dritte Weltkrieg beginnt.“ Zweitens die Zuspitzung: Für sie ist die Vorstellung, dass alles mit einem Atomschlag endet, „unvermeidlich“. Im selben Programm schlug ein Analyst den Einsatz der Sarmat-Raketen – mit nuklearer Kapazität – vor, mit einem Satz, der haften bleiben sollte: „Eine Sarmat-Rakete und fertig, es gibt keine britischen Inseln mehr.“
Die Sarmat-Rakete und die Idee, die britischen Inseln zu löschen
Der Austausch zeigt das Ausmaß der Aussagen. Der Analyst unterbreitete seinen Vorschlag „sehr ernsthaft“; der Moderator bremste ihn sofort ab: „Verstehst du, dass niemand das überleben würde? Niemand auf diesem Planeten.“ Die Antwort ließ keinen Spielraum: „Wir würden auf einer leeren Seite enden.“ Die Sarmat ist eine Rakete mit nuklearer Kapazität, und ihre Erwähnung verwandelt eine Talkshow-Meinung in ein sehr konkretes Szenario, in dem ein ganzes Land in einer einzigen Zeile verschwindet.
Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass RT, der Sender, den Simonián leitet, in der Europäischen Union verboten ist. Das hindert seine Botschaften jedoch nicht daran, sich rasend schnell in der öffentlichen Debatte in Spanien zu verbreiten. Die Warnung ist ausgesprochen; nun muss entschieden werden, ob man ihr Glauben schenkt.
„RT ist ein Meme“: Warum viele die Warnung verwerfen
Ein Großteil der Reaktionen stimmt in einem Punkt überein: Das Medium, das die Warnung ausspricht, ist laut mehreren Kommentaren im Thread dasselbe, das alle paar Monate das Weltende ankündigt. „Alle zwei oder drei Monate bringen sie etwas Apokalyptisches über den Yellowstone-Vulkan. Alles basierend auf Fake News“, fasst eine der meistzitierten Zeilen zusammen. Ein anderer dreht es mit Humor: Wenn RT die Bombe vorhersagt, ist es fast eine Garantie, dass sie nicht fallen wird. Und ein Dritter bringt, ohne Beweise, das Haus Rothschild ins Spiel, überzeugt davon, dass der Finger am Abzug nicht dort sitzt, wo behauptet wird.
Der Verdacht der Propaganda wiegt schwer wie die Bedrohung selbst. Aber Verwechslung von Misstrauen und Gleichgültigkeit: Dieselbe Nachricht, die mit einem Witz abgetan wird, führt dazu, dass andere Leute ihren Keller überprüfen.
Der Bunker „in 40 Jahren“ und die Angst, die ernst genommen wird
Nicht alle lachen. Manche sehen es als persönlichen Countdown: der geplante Schutzraum in 40 Jahren, das noch halb bezahlte Autokredit, die Jahre für Beamtenprüfungen umsonst investiert. „Man kann euch das Leben in einer Sekunde nehmen.“ Diese Mischung aus Überdruss und Fatalismus durchzieht das ganze Thema: Wenn das Ende kommt, soll es kommen, aber zumindest muss niemand mehr zur Arbeit gehen.
Der Vergleich mit der Pandemie drängt sich auf. Manche geben zu, dieselbe Angst wie bei Corona zu haben, und andere vermuten, ohne Beweise, dass dies wieder eine Inszenierung ist: Wenn alles eine Erzählung war, warum sollte ein Krieg keine sein? Die Strahlung, sagen sie, wird genauso weggewischt wie das Bicho. Was vorbereitet wird, ist kein Bunker gegen die Bombe, sondern gegen die Nachbarn, wenn die Flucht beginnt.
„Arbeitslosigkeit wäre vorbei“: Humor als Betäubungsmittel
Angesichts der ernsten Angst reagiert die andere Hälfte mit schwarzem Humor. Ob die Apokalypse als Nebeneffekt das Ende der Arbeitslosigkeit, das Verschwinden der PSOE oder erzwungene Ferien hätte. Jemand fragt nach dem Datum des Angriffs, nicht aus Angst, sondern „um zu sehen, ob ich noch Urlaub nehmen kann“. Ein anderer, der 6 Kilometer Luftlinie vom Militärstützpunkt Torrejón wohnt, will wissen, ob er einen Volltreffer abbekommt.
Man müsste sehen, wie viel von dieser Scherzerei Mut ist und wie viel der übliche Mechanismus: Lachen über das, was man nicht kontrollieren kann. Unter jedem Witz liegt die Akzeptanz, dass die Entscheidung nicht von dem abhängt, der sie erzählt, sondern von zwei oder drei geschlossenen Büros.
NATO, Ukraine und die ungelöste Schuldfrage
Hier spaltet sich die Analyse in zwei Lager. Eine Strömung argumentiert, dass die Atomwarnung nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche geboren wird: Vorbereitung der Bevölkerung auf eine Niederlage in der Ukraine und Schuldzuweisung an die Welt für das, was danach kommt. „Niemand bei klarem Verstand wird den Atomkrieg bevorzugen“, fasst diese Lesart zusammen.
Die andere Hälfte fokussiert auf die NATO. Es wird argumentiert, dass Russland seit 8 Jahren versucht, eine Vereinbarung über Neutralität und den Donbas zu erreichen, und seit 20 Jahren fordert, dass die Allianz nicht nach Osten expandiert. Dem gegenüber steht der Vorwurf, dass keine dieser Beschwerden eine Invasion rechtfertigt, und das Beispiel Kareliens – Gebiet, das in dieser Nachricht als von Russland geraubt dargestellt wird – als Erinnerung daran, was passiert, wenn ein ressourcenreiches Land lieber Waffen kauft als in sein eigenes Haus investiert.
Die Oligarchen, die in London urlauben
Das stärkste Argument gegen die Apokalypse ist nicht technisch, sondern immobilienbezogen. Die russische Elite besitzt Villen, Yachten und Geschäfte in genau dem Land, dem gedroht wird, es von der Landkarte zu tilgen. Werden sie dieses Vermögen für einen Krieg riskieren? Das ist die Frage, die die Logik der Sarmat entlarvt.
Auf der anderen Seite wird geantwortet, dass ihre Vermögenswerte im Westen bereits beschlagnahmt wurden, sodass der Anreiz zur Zurückhaltung gesunken ist. Kreuzfeuer ohne klaren Gewinner, denn niemand kann beweisen, was der andere mit dem Finger am Abzug tun würde.
Bleibt die ewige Ungewissheit. Mit der Sarmat auf dem Tisch und intaktem Alltag: Stehen wir vor einer Warnung, die ernst genommen werden muss, oder vor dem vorletzten Kapitel einer Apokalypse, die nie eintritt? Die Antwort kennt, wie fast alles, was hinter verschlossenen Türen entschieden wird, nicht der Bürger, der in seinen Keller hinabsteigt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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