Von x10-Renditeversprechen zu Kursen für 20 Euro
Laut der ersten Nachricht im Thread sammelten sie 2023 eine Million Euro ein, mit dem Versprechen, Investitionen in Hierba-Plantagen zu verzehnfachen. Ende 2024, so die gesammelten Aussagen, baten sie um Spenden für Rechnungen und boten ihr eigenes Schulungsmaterial für 20 Euro an, nachdem sie dafür zuvor 150 verlangt hatten. Der Absturz der Streamer Simón und Silvia, der seit über zwei Jahren untersucht und seziert wird, ist die Chronik einer Flucht nach vorn, bei der das Produkt nie existierte und das Marketing alles war.
Das Muster wiederholt sich mit fast bürokratischer Monotonie: ein Versprechen unmöglicher Renditen, Kapitalbeschaffung über Kryptowährungen, Schweigen, wenn es an die Prüfung geht, und eine Community, die die Zeche zahlt. Was als Unterhaltung und Finanzen begann, endete als Fall mit mutmaßlichem Betrug, Doxxing und Drohungen gegen ehemalige Moderatoren, so die gesammelten Aussagen.
Neotecalia, der Token und die Million aus dem Hierba
Die Geschichte beginnt 2017, als Simón und seine Partner die Bücher eines Unternehmens gefälscht haben sollen, um Gewinne vorzutäuschen und **450.000 Euro** mit unerlaubt angebotenen Anlagediensten einzusammeln. 2022 kam **Neotecalia**, ein Projekt, bei dem Teilnehmer bis zu **10.000 Euro** zahlten, um Niederlassungen zu gründen, die gegen Provisionen Versicherungen anboten. Die Verantwortlichen verschwanden. Ein Betroffener berichtet, **mehr als 5.000 Euro** in eine Gesellschaft investiert zu haben, die angeblich Hypotheken für Privatpersonen vermitteln sollte und ihren Zweck nie erfüllte.
2023 die Eskalation: **1.000.000 Euro** eingenommen mit dem Versprechen von Renditen von **x3 bis x10** durch Hierba-Anbau, mit Vereinbarungen mit Pharmaunternehmen, die nie durch eine einzige Prüfung belegt wurden. Im September 2024 wurde ein Token verkauft, mit exklusiven Schulungen und Treffen; als Käufer nach Fortschritten fragten, war die Antwort Beleidigung, Ausschluss und Drohung. Bei einem späteren Treffen wurde mitgeteilt, die Liquidität des Tokens sei für Gehälter verwendet worden und es bräuchte mehr Geld oder neue Investoren, damit er einen Wert habe.
Kryptowährungen, Tumbler und ein nicht reguliertes Casino
Die Finanzarchitektur des Gebildes ist kein Zufall. Die Spenden laufen über Kryptowährungen, die durch Mixer – die sogenannten *Tumbler* – laufen, die eine Rückverfolgung erschweren. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass Zahlungen eines nicht regulierten Casinos entgegengenommen wurden, dessen Bedingungen Spielen aus Spanien verbieten. Das Ergebnis ist ein intransparenter Geldfluss, schwer zu prüfen und by design schwer zurückzuholen.
Die Reaktion auf Kritik hat ein eigenes Protokoll: Doxxing. Namen, Telefonnummern und Adressen von Abonnenten öffentlich gemacht, zusammen mit Nachrichten und Fotos der Häuser der Opfer. Mehreren ehemaligen Moderatoren, die sich beschwerten, gingen Sprachnachrichten zu, die ihnen das Leben und den Job ruinieren wollten. Die Firma **Panoramia**, von der sich Simón zu distanzieren versuchte, hat seine Mutter als Gesellschafterin, was diese Version in Frage stellt.
Das Kursgeschäft: 150 Euro, die später 20 wert waren
Der banalste Teil des Modells ist auch der aufschlussreichste. Kurse und exklusive Inhalte für **150 Euro**, deren Wertlosigkeit die Protagonisten später selbst zugaben. In Zeiten der Not dasselbe Material für **20 Euro**, zum Entsetzen derer, die den vollen Preis gezahlt hatten. In der Endphase des Falls wurde das Paket aus Diplomatenstatus, Telegram-Gruppe und Konzert auf dem Balkon für 20 Euro angeboten. Die Strategie, den Verkäufer in der Talfahrt abzuwarten, um billig zu kaufen, wurde damit selbst zur Spekulationsform.
Der Kanal dicht und der freie Fall
Die Schließung des Twitch-Kanals markierte eine Wende. Das Casino, das ihn exklusiv gesponsert hatte, verlor sein Schaufenster. Die Streams wanderten auf andere Plattformen, mit Episoden offensichtlicher körperlicher Verfallserscheinungen, Spenden ausdrücklich für den Konsum von Substanzen und einem Publikum, das die Show anfeuerte. Der Tod eines Anhängers bei einer Challenge mit dem Spiel Aviator, laut den verlinkten Berichten von den Mossos (katalanischer Polizeidienst) untersucht, verlieh der Sache eine juristische Dimension. Die Frage, wer strafrechtlich für einen Stream verantwortlich ist, der in einer Tragödie endet, bleibt offen.
Wer zahlt die Party
Der unbequemste Konsens zeigt auf die Anleger. Die Mindestinvestition von 10.000 Euro in die Plantage, die 5.000 für Neotecalia, die 150 für einen wertlosen Kurs: Die Liste der Geschädigten entsteht aus gutem Glauben und fehlender Sorgfaltspflicht. Manche meinen, wer einem Charakter Geld gibt, der seine Sucht nicht verbirgt, sei selbst schuld; dagegen steht das Argument, dass das Geld unter dem Deckmantel eines Unternehmensprojekts eingesammelt wurde und eine Community den Creator organisiert umgab.
Das Detail, das alles durcheinanderbringt, ist die Diskrepanz zwischen dem Umfang der Versprechen und der tatsächlichen Größe des Geschäfts. Eine Million Euro in Hierba mit Phantom-Pharmaabkommen existiert neben Mikrokrediten von 100 Euro bei 40 % Zinsen. Die Hausbuchhaltung passt nicht zur Investoren-Epik. Und genau in dieser Lücke bleibt die Analyse stecken: Es lässt sich nicht feststellen, ob das Geld in gescheiterten Projekten verloren ging oder ob es nie ein Projekt gab.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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