Schweizer Trainingsvideo von 1985 erklärt Hinterhalte besser als viele Kriegsfilme

1985 drehte die Schweizer Armee ein Ausbildungsvideo über Hinterhalte und Befestigungen, das heute mit der besten Kriegskino-Ware verglichen wird. Das Stgw 57 kostete…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Schweizer Trainingsvideo von 1985 erklärt Hinterhalte besser als viele Kriegsfilme
Schweizer Trainingsvideo von 1985 erklärt Hinterhalte besser als viele Kriegsfilme

1985, mitten im Kalten Krieg, drehte die Schweizer Armee ein Ausbildungsvideo über Infanterietaktiken, das heute im Internet kursiert und das laut einem Teilnehmer der Diskussion realistischer ist als ein Großteil des heutigen Kriegskinos. Das Material zeigt, wie man einen Hinterhalt aufbaut, einen Handstreich ausführt, Feldbefestigungen errichtet und Unterstützungsfeuer mit einer Präzision koordiniert, die Jahrzehnte später noch Aufsehen erregt. Das ist kein Historiendokument: Es ist militärisches Lehrmaterial, gedreht damit ein Schweizer Rekrut verstehen konnte, wie man ein Gelände verteidigt, das auf dem Papier seit der Napoleonischen Zeit niemand überfallen hat.

Die Diskussion, die dieses Video ausgelöst hat —zusammen mit den beiden darauffolgenden, eines von 1972 über das Lenken feindlicher Verbände und eines über Gegenangriffe— geht weit über Militärnostalgie hinaus. Es geht um die tatsächliche Tragfähigkeit der Schweizer Landesverteidigung, um die Rolle einer Milizarmee, um die Kosten der Bewaffnung und um die unbequeme Frage: Was nützt all diese Vorbereitung, wenn das Land sie nie einsetzen musste?

Was genau das Schweizer Ausbildungsvideo zeigt

Das Material, auf Deutsch gedreht mit Anweisungen, die für Frankophone wiederholt werden, beschreibt Infanterieverfahren, die 1985 als lebenswichtig galten, um eine hypothetische Invasion des Warschauer Pakts aufzuhalten. Das Video erklärt, wie Panzerverbände für das zentrale Mittelland reserviert würden, während in Gebirgsregionen luftverlegte Truppen und Fallschirmjäger eingesetzt würden. Die Schweizer Doktrin bestand also nicht darin, in jedem Tal Panzer zu postieren, sondern das Gelände zu nutzen, um den Gegner zu kanalisieren und dort zu treffen, wo es am meisten wehtut.

Auch die individuelle Bewaffnung kommt zur Sprache. Das Sturmgewehr Stgw 57, jahrzehntelang die Standardwaffe der Schweizer Armee, wird laut einem Kommentar im Thread mit einem Preis von rund 5.000 Euro pro Stück auf dem heutigen Markt genannt. Eine Summe, die für viele Fans erklärt, warum die Schweiz eine kleine, aber außergewöhnlich gut ausgestattete Armee unterhält. Den Vergleich mit einem High-End-Smartphone —1.300 Euro— zieht irgendein Kommentar mit einem Augenzwinkern, aber die nüchterne Tatsache ist: Schweizer Militärausrüstung war nie billig.

Der Mythos vom Bürger in Waffen: zwischen Athen und Sparta

Die Schweiz ist wahrscheinlich das einzige europäische Land, in dem der Militärdienst für alle männlichen Staatsbürger weiterhin obligatorisch ist und in dem die Reserve über Jahre aktiv bleibt. Diese Mischung aus direkter Demokratie und militärischer Disziplin hat dazu geführt, das Land als eine seltsame Kombination von Athen und Sparta zu beschreiben. Das Video verstärkt dieses Bild: Soldaten, die keine Berufssoldaten sind, aber bis ins Detail wissen, wie sie ihr Gelände verteidigen.

Allerdings kaufen nicht alle diese Erzählung. Manche halten dagegen, dass eine Milizarmee, so gut ausgebildet sie auch sein mag, gegen eine ernsthafte konventionelle Invasion kaum mehr als ein paar Monate durchhalten würde. Und manche gehen weiter: Wenn das Land seit Napoleon nie überfallen wurde, liegt das vielleicht nicht an der Wirksamkeit seiner Verteidigung, sondern daran, dass niemand Interesse daran hatte, Truppen in ein Gelände zu schicken, das buchstäblich eine Falle ist. Die Schweizer Neutralität war in diesem Sinne ebenso Außenpolitik wie strategische Kalkulation.

Was nützt all die Vorbereitung, wenn es nie Krieg gibt?

Diese Frage zieht sich durch die gesamte Diskussion. Die Schweiz hat sich seit der napoleonischen Invasion nicht an einem bewaffneten Konflikt beteiligt, und manche sehen in dieser Tatsache den Beweis, dass die Armee ausreichend abschreckt. Andere deuten es dagegen als Zeichen dafür, dass das Land sich bei Bedarf always den Interessen der Mächtigen angepasst hat. Die Tradition der Schweizer Söldner —die Schweizergarde des Vatikans ist das bekannteste Beispiel— zeigt, dass die Schweizer ihre militärische Fähigkeit zu verkaufen wussten, wenn es ihnen passte.

Was das Video nicht klärt, ist die Kernfrage: Wie misst man die Effektivität einer Armee, die nie gekämpft hat? Ausbildungsvorführungen, so gut sie auch gefilmt sein mögen, sind kein Krieg. Und die Militärgeschichte ist voller Beispiele von Ländern mit großen Armeen, die binnen Wochen fielen. Die Schweizer Verteidigung, mit ihren Bunkern unter jedem Haus und ihrem unmöglichen Gelände, könnte ein einzigartiger Fall sein. Oder ein Relikt des Kalten Krieges, das niemand laut in Frage zu stellen wagt.



Das Video von 1985 kursiert weiter, weil es etwas zeigt, das Kriegsfilme selten einfangen: Krieg als Verfahren, nicht als Epos. Darin liegt sein Wert. Und damit endet die Analyse, denn die Frage, ob die Schweiz einer echten Invasion standhalten würde, bleibt unbeantwortet. Niemand hat es je auf die Probe gestellt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (41 Antworten).

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