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Schweden ermittelt wegen mutmaßlichem Wahlbetrug, der der Linken einen Sitz brachte
In Schweden wird wegen mutmaßlichen Wahlbetrugs in Borlänge ermittelt, der der Vänsterpartei einen Sitz im Reichstag verschaffte. Die Opposition gewann mit nur einem Abgeordneten Vorsprung.
Schweden untersucht mutmaßlichen Betrug, der der Linken einen Sitz verschaffte
Kann ein einziger Sitz, entschieden durch einige hundert Stimmen, die Regierung eines Landes mit 10,6 Millionen Einwohnern verändern? Genau das wird derzeit in Schweden ausgefochten. Die Parlamentswahlen vom 13. September 2026 lieferten ein Zitterergebnis: Die Opposition aus Sozialdemokraten, Vänsterpartei, Grünen und Zentrum kam auf 49,6 Prozent der Stimmen und 176 Sitze, gegenüber 48,8 Prozent und 173 Sitzen für den bürgerlichen Block von Ministerpräsident Ulf Kristersson. Ein Abgeordneter Unterschied. Rund 40.000 Stimmzettel. Und zwei Wochen später ein Skandal um mutmaßlichen Wahlbetrug, der auf den Wahlkreis Borlänge in Dalarna verweist.
Im Fokus steht Mohamed Abdulkadir Ali, Kandidat der Vänsterpartei, geboren in Somalia und im Februar 2026 schwedischer Staatsbürger geworden, wie lokale Medien berichten. Er erhielt 648 persönliche Stimmen, davon 333 in seiner eigenen Gemeinde. Mit dieser Unterstützung zog er in den Reichstag ein. Die schwedische Polizei ermittelt über ihre Antikorruptionseinheit mit drei Verdächtigen, niemand ist jedoch angeklagt, und Ali weist alle Vorwürfe zurück. Die Partei hat ihm eine „Auszeit" nahegelegt; bis zum Abschluss der Ermittlungen wird er sein Mandat nicht ausüben, darauf aber nicht verzichtet.
Was in Borlänge und den Stockholmer Vororten untersucht wird
Nach Angaben von Dagens Nyheter und Sveriges Radio soll eine Gruppe von Männer gezielt Personen somalischer Herkunft angesprochen, ihnen bereits mit Alis Namen markierte Stimmzettel in die Hand gedrückt und sie zu den Wahllokalen begleitet haben. Schwedische Medien beschreiben das Phänomen als beispiellose „Clan-Stimmabgabe", mit besonderem Blick auf drei Gruppen: alleinstehende Frauen, junge Menschen, die eigentlich nicht wählen wollten, und Personen mit Suchterkrankungen oder ohne Wohnung. Die Polizei hat 60 Anzeigen wegen mutmaßlichen Wahlbetrugs erhalten, 17 im Bezirk Bergslagen und 11 in Stockholm und im Süden des Landes.
Die Berichte der Lokalpresse sind erstaunlich. In Järve mussten die Stimmzettel der Briefwahl stündlich kontrolliert werden, weil sie immer wieder verschoben oder versteckt auftauchten, und zwischen den leeren Zetteln tauchten wiederholt bereits ausgefüllte mit der Zahl acht auf. In Husby erschienen über hundert eritreische Frauen zum Wählen, begleitet von zwei Priestern, die ihnen sagten, wie sie zu wählen hatten. In mehreren Fällen baten Wähler das Wahllokalspersonal, die vorausgefüllten Stimmzettel zu vernichten, damit sie frei wählen konnten. Es sind Vorfälle, die von schwedischen Medien berichtet wurden und die die Ermittlung bestätigen oder ausräumen muss.
Die parlamentarische Arithmetik, die an einem Sitz hängt
Das Ergebnis ließ das Land in einem beinahe unmöglichen Gleichgewicht zurück. Kristersson kündigte seinen Rücktritt an, und die sozialdemokratische Vorsitzende Magdalena Andersson hat die Chance, erneut Ministerpräsidentin zu werden. Doch die Regierungsbildung steckt fest: Die Zentrumspartei will nicht mit der Vänsterpartei regieren, und die Differenzen betreffen Steuern, Krankengeldzuschüsse und die Kernenergie. 2022 dauerte die Regierungsbildung 37 Tage. Diesmal könnte es noch länger dauern.
Die Vorsitzende der Vänsterpartei, Nooshi Dadgostar, schwieg mehrere Tage lang und erklärte dann, die Vorwürfe seien ernst, es handele sich aber um eine „separate Angelegenheit", die die Verhandlungen nicht beeinträchtigen dürfe. Die Partei betont, Ali sei nicht verdächtig, und die Ermittlungen liefen weiter. Die Opposition beobachtet unterdessen jeden Schritt: Fiele Alis Sitz weg, wäre die Mehrheit, die Andersson trägt, dahin.
Was Schweden in diesem Fall auf dem Spiel steht
Der Skandal hat eine Debatte neu eröffnet, die über eine Handvoll Stimmen hinausgeht. Manche sehen im Fall den Beleg für die Zerbrechlichkeit eines Wahlsystems, das über hauchdünne Margen entschieden wird und strengere Kontrollen bei der Briefwahl und der begleiteten Stimmabgabe erfordert. Dem hält man entgegen, dass die Ermittlungen erst am Anfang stehen, dass es keine Anklage gibt und dass es ein Fehler wäre, aus einem Verdacht eine Verurteilung zu machen. Eine andere Analyserichtung weist darauf hin, dass gelenkte Stimmabgabe in Vierteln mit sehr eng verbundenen Gemeinschaften nichts Neues ist und das Problem nicht die Gemeinschaft sei, sondern das Fehlen von Instrumenten zu ihrer Erkennung.
Fest steht: Die schwedische Politik, gewohnt an Stabilität und Konsens, sieht sich mit einer beispiellosen Lage konfrontiert. Ein Sitz, 648 persönliche Stimmen und ein laufendes Ermittlungsverfahren. Der Unterschied zwischen Regieren und Opposition passt in eine Wahlurne in Borlänge. Und das ist, in einem Land mit 10,6 Millionen Einwohnern, weit mehr als eine Anekdote.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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