Schopenhauer hatte recht: Einsamkeit ist nicht für jeden etwas

Schopenhauer, Nietzsche und die Debatte darüber, ob Einsamkeit Elend oder Größe ist. Realismus oder Pessimismus? Eine Analyse der existenzialistischen Strömungen, die…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Paradox der Einsamkeit: Elend oder Größe?

Arthur Schopenhauer schrieb: «Erst in der Einsamkeit fühlt der Elende sein ganzes Elend und der große Geist seine ganze Größe». Ein Satz, der fast zwei Jahrhunderte später noch immer für Kontroversen sorgt: Für die einen ist er klarer Realismus, für die anderen eine Rechtfertigung der Isolation, die von zeitgenössischen existenzialistischen und pessimistischen Strömungen übernommen wurde.

Der deutsche Philosoph, der vom 45. Lebensjahr bis zu seinem Tod mit 72 zurückgezogen lebte, war nicht der Einzige, der diese These auf die Spitze trieb. Friedrich Nietzsche, Albert Camus und Emil Cioran steigern den Pessimismus noch weiter – so sehr, dass manche Leser beim Lesen «Suizidgedanken» bekommen sollen. Doch manche halten diese Diagnose nicht für Depression, sondern für Klarheit.

Die Debatte zwischen Realismus und zeitgenössischem Pessimismus

Eine Analyseströmung vertritt die Auffassung, dass das, was die Gesellschaft Pessimismus nennt, nichts anderes als Realismus ohne Beschönigung ist. «Die Welt betrachtet Realismus als den Pessimismus der Gegenwart», wird von dieser Seite argumentiert. Einsamkeit ist in dieser Sichtweise kein zu lösendes Problem, sondern ein Zustand, der dem «großen Geist» erlaubt, sein Potenzial zu entfalten. Die Gegenseite wendet jedoch ein, dass alle, die nie unfreiwillige Einsamkeit erlitten haben – erzwungene soziale Isolation –, aus einer Position des Privilegs sprechen. «Jeder sozial Isolierte weiß eine Million Mal mehr über Einsamkeit als all diese Schwätzer», lautet die Erwiderung aus direkter Erfahrung.

Die Verschwörung gegen das Menschengeschlecht und andere verwandte Lektüren

Die Debatte über die Einsamkeit speist sich aus so düsteren literarischen Quellen wie Die Verschwörung gegen das Menschengeschlecht von Thomas Ligotti, einem Essay, der die größte Herausforderung an «die intellektuelle Erpressung, auf ewig dankbar für ein Geschenk zu sein, das wir nie erbeten haben: das Leben» darstellt. Ligotti, Erbe von Poe und Lovecraft, bekräftigt die Vorstellung, dass die Existenz eine Last ist, deren Symptom die Einsamkeit nur ist.

Hat Einsamkeit einen intrinsischen Wert?

Die offene Frage lautet, ob Einsamkeit ein Raum des Wachstums oder ein Verdammnisurteil ist. Schopenhauers Erfahrung – 27 Jahre Rückzug – deutet darauf hin, dass sie beides sein kann. Aber wie unterscheidet man dann den Elenden vom Genie? Vielleicht liegt die Antwort nicht in Büchern, sondern darin, ob die Einsamkeit gewählt oder auferlegt wird.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver