Scholz wird in China vom Vizebürgermeister empfangen

Scholz beginnt seine China-Reise in Chongqing und wird vom Vizebürgermeister empfangen. Die Stadt hat 33,9 Millionen Einwohner und ein BIP von 362,5 Milliarden Dollar.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Scholz wird in China vom Vizebürgermeister empfangen
Scholz landet in China und wird von einem Vizebürgermeister empfangen

Wie viel Rang ist nötig, um einen Bundeskanzler zu empfangen? Olaf Scholz landete in Chongqing, um eine dreitägige Reise nach China zu beginnen, und wer ihn am Flughafen erwartete, war der Vizebürgermeister der Stadt, kein Beamter der Zentralregierung oder eine Autorität auf Staatsebene. Das Bild verbreitete sich in den sozialen Medien und wurde ohne Spielraum interpretiert: Protokoll in Peking ist eine Sprache mit eigener Grammatik. Dass der erste offizielle Gruß vom Vizebürgermeister der Stadt kam, wurde als Herabstufung des Gastes gelesen.

Was die China-Reise von Scholz umfasst

Die Reise erstreckt sich über drei Tage. Die erste Station ist Chongqing, wo der deutsche Bundeskanzler eine Fabrik mit deutschem Kapital besuchen soll. Danach setzt sich die Route in Peking fort, wo er von Xi Jinping und Ministerpräsident Li Qiang empfangen werden soll. Für die Teilnehmer der Debatte folgt diese Sequenz nicht dem üblichen Skript des diplomatischen Protokolls, bei dem der Empfang in der Hauptstadt normalerweise einem Beamten der Zentralregierung zukommt.

Daher spaltete sich das Thema im Online-Diskurs in zwei Lesarten. Eine behauptet, es handle sich um eine bewusste Höflichkeitsverletzung, eine Art, den deutschen Partner in eine untergeordnete Rolle zu drängen. Die andere entgegnet, dass die Reise nicht in Peking beginnt, weil die deutsche Delegation dies so geplant hat, und der Empfang lediglich eine Folge dieser Reihenfolge ist. Bislang hat niemand offiziell geklärt, welche der beiden Versionen den Fakten entspricht.

Chongqing: 33,9 Millionen Einwohner und ein BIP von 362,5 Milliarden

Zur Größenordnung gehört ein weiterer Datenpunkt. Chongqing ist keine mittelgroße Stadt, in die man einen Provinzbeamten geschickt hätte: Sie hat eine Fläche von 82.400 km², eine Bevölkerung von 33.972.337 Einwohnern und ein nominales BIP von 362,5 Milliarden Dollar. Mit diesen Zahlen würde sie weltweit auf Platz 44 beim Bruttoinlandsprodukt liegen, zwischen Kolumbien und Rumänien; auf Platz 49 bei der Bevölkerung, zwischen Malaysia und Nepal; und auf Platz 115 bei der Fläche, zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Tschechien.

In Kontext gesetzt ändert sich die Größe des angeblichen Affronts. Der lokale Gastgeber war kein unwichtiges Amt: Er regierte ein Gebiet mit 33,9 Millionen Menschen und einer Wirtschaft, die mit der von Kolumbien oder Rumänien vergleichbar ist, laut den Berechnungen, die im Umlauf sind. Das löst nicht die Frage, ob die Geste ein Affront oder Routineverwaltung war, aber es widerlegt die einfache Lesart, dass Scholz vom ersten Angestellten empfangen wurde, der gerade vorbeikam.

Warum beginnt die Reise in Chongqing und nicht in Peking?

Der Grund für die Festlegung der ersten Etappe dort ist nicht bekannt geworden. Wer die chinesische Diplomatie wie verschlüsselten Text liest, deutet in dieselbe Richtung: Nichts wird dem Zufall überlassen. Einen Bundeskanzler mit dem Vizebürgermeister einer Industriestadt zu empfangen, vor dem Treffen mit der Führung in der Hauptstadt, wird als Warnung über den Zustand der bilateralen Beziehungen und die untergeordnete Rolle interpretiert, die Peking Berlin auf dem Schachbrett zuweist.

Es gibt eine zweite, prosaischere Erklärung: Es ist Logistik. Die Fabriken mit deutschem Kapital, die die Delegation interessieren, befinden sich dort, nicht in Peking, und die Reihenfolge der Besuche folgt oft der Unternehmensagenda. Beides passt in denselben Flug. Keines davon kann anhand dessen bestätigt werden, was bisher veröffentlicht wurde.

Das Präzedenzurteil, das die Erzählung umkehrt: Drei Tage, um Xi zu empfangen

Der Vergleich, der in umgekehrter Richtung verwendet wird, lautet: Als Xi Jinping Deutschland besuchte, brauchte der Bundeskanzler drei Tage, um ihn zu empfangen, laut einem Teilnehmer des Threads. Dieser Datenpunkt wurde genutzt, um den Ton der Angelegenheit abzuschwächen: Wenn der Affront in eine Richtung ging, relativiert die Rückreise ihn. Es ist die klassische Abrechnung diplomatischer Kränkungen, bei der jede Partei ihre Rechnung und ihre eigene Liste der Wartezeiten führt.

Die Menü-Anekdote: Das Gericht, das serviert wird, um zu sehen, wer nachgibt

Unter den Geschichten, die solche Besuche begleiten, wiederholt sich eine: Westliche Gäste bekommen wenig schmackhafte Gerichte serviert, ohne Garnitur oder Beilage, um zu prüfen, ob sie sich Mühe geben, sie zu essen. Wer vor dem Teller kapituliert, so heißt es, kapituliert vor allem anderen. Die Geschichte erzählt ein Teilnehmer, der einen Gast kennt, dem ganze Tintenfische mit Tentakeln gegrillt wurden; beim dritten Gang verstand der Gastgeber, dass es keine gastronomische Kapitulation geben würde.

Es ist Folklore nach dem Essen, kein Handbuch der Außenpolitik, aber es erklärt, warum jedes Detail dieser Besuche – der Rang des Empfängers, die Reihenfolge der Zwischenstopps, das Menü – unter der Lupe betrachtet wird. In der Diplomatie ist auch die Verpackung die Nachricht.

Vielleicht war Chongqing nur der logische Stopp einer Geschäftsreise und der Vizebürgermeister der verfügbare Beamte an diesem Tag. Möglich. Was nicht zu erfahren ist, ob die deutsche Delegation den Rang des Begrüßungskomitees vor oder nach dem Abflug erfuhr.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (122 Antworten).

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