Sánchez’ riskantes Wagnis auf Spaniens Wahl-Fenster

Die spanische PSOE setzt auf einen Sieg bei den Neuwahlen am 29. November durch Streik, Zwangsräumungs-Dekrete und das „Enkelgesetz“. Analyse der Wahlstrategie.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Pedro Sánchez hat die vorgezogenen Parlamentswahlen für den 29. November anberaumt und setzt dabei auf ein „Zeitfenster der Chance“, das einen Generalstreik am 11. November, zwei Dekrete gegen Zwangsräumungen sowie das sogenannte „Enkelgesetz“ umfasst. Die Opposition argumentiert, dass PP und Vox zusammen rund 200 Mandate erringen würden, was einen solchen Sieg erschweren könnte.

Die spanische Politik erlebt derzeit eine Sequenz von Ereignissen, die wie von einem Drehbuchautor mit zu viel Freizeit geschrieben wirkt. Der Tod von **Maricarmen Abascal**, einer 89-jährigen Frau, nach ihrer Zwangsräumung und der damit verbundenen politischen und sozialen Aufregung, ist in La Moncloa und im PSOE-Hauptquartier (Ferraz) zum Argument für jene geworden, die überzeugt sind – wenn auch nicht ganz –, dass **Pedro Sánchez** die Wahlen am **29. November** gewinnen wird. Oder zumindest, dass er die Macht mit Unterstützung seiner nationalistischen Verbündeten und des linken Randes sichern kann.

## Ein Generalstreik mitten im Vorwahlkampf

Die Gewerkschaften **UGT** und **CC.OO.** haben für den **11. November** einen Generalstreik ausgerufen, nur zwei Tage vor dem offiziellen Beginn des Wahlkampfs. Dieser Aufruf erfolgt, nachdem diese Organisationen in den letzten acht Jahren durchschnittlich **71 Millionen Euro an öffentlichen Zuschüssen** erhalten haben. Für die Regierung ist der Streik ein weiteres Mobilisierungsinstrument. Für ihre Kritiker bedeutet er, dass die Gewerkschaften ihre arbeitsrechtliche Funktion aufgeben und zu politischen Anhängseln und Wahlhelfern der PSOE werden.

Das Datum ist kein Zufall. Der **11. November** fällt mitten in die Phase des Vorwahlkampfs, wenn die Botschaften bereits abgestimmt sind und die Medien jede Erklärung wie eine Kundgebung behandeln. Die offene Frage lautet, was mit Streikposten geschehen wird, die versuchen, Nicht-Streikenden den Zugang zur Arbeit zu verwehren, und wie das **Innenministerium** unter Leitung von **Fernando Grande-Marlaska** dieses Recht garantieren wird.

## Dekrete, Renten und das politische Kissen

Die Regierung plant, im **Ständigen Ausschuss des Kongresses** zwei neue Dekrete gegen Zwangsräumungen zu verabschieden. Diese Maßnahme betrifft direkt die rund **zweieinhalb Millionen Vermieter** in Spanien. Die Exekutive stellt dies als Schutz für gefährdete Mieter dar. Eigentümer empfinden es als weiteren Angriff auf ihr Eigentumsrecht, und einige warnen bereits, dass sie entsprechend wählen werden.

Dieses Paket wird durch Verbesserungen beim **Mindestlohn** und bei den **niedrigsten Renten** ergänzt. Zusammen bilden sie ein politisches Kissen, mit dem Sánchez sicher durch das berühmte „Zeitfenster der Chance“ springen möchte. Der Ausdruck, der in sozialistischen Kreisen wiederholt verwendet wird, beschreibt den Moment, in dem die politischen Umstände eine vorgezogene Wahl mit Vorteil ermöglichen.

## Das „Enkelgesetz“ und die Stimmen der Eingebürgerten

Die Regierung möchte, dass der **Oberste Gerichtshof** das sogenannte „Enkelgesetz“ billigt und kürzlich eingebürgerte Spanier bei diesen Wahlen teilnehmen lässt. Die gelockerte Anforderung ist der Nachweis, dass ihre Vorfahren politische Exilanten der Republik waren. Laut Kritikern der Regierung wurde der Oberste Gerichtshof kürzlich durch die Mehrheit unter **Conde-Pumpido** im **Verfassungsgericht** bezüglich des Amnestiegesetzes gedemütigt.

Der Manöver ist nicht ohne Kontroversen. Wenn der Oberste Gerichtshof die Norm bestätigt, könnten Tausende von Personen, die in den letzten Jahren die Staatsbürgerschaft erhalten haben, am **29. November** wählen. Die PP hat bereits angekündigt, jeden als illegal betrachteten Kurzweg anzufechten.

## Zapatero, Begoña Gómez und Puigdemonts Rückkehr

Im Kapitel der prominenten Namen erwägt die PSOE, **José Luis Rodríguez Zapatero**, der nun Gegenstand von Ermittlungen ist, in ihre Kundgebungen einzubeziehen, und möglicherweise **Begoña Gómez**, die Ehefrau des Präsidenten, die angeklagt ist und auf ihren Prozess wartet, auf die Wahllisten zu setzen. Die Absicht wäre, ihr Immunität zu gewähren, bevor sie sich einem Geschworenengericht am **Oberlandesgericht von Madrid** stellen muss. Der Präsident könnte auch seinen Bruder **David** zum Botschafter in Japan ernennen, was dem Sprichwort „Wer etwas tut, muss die Konsequenzen tragen“ gerecht würde.

Unterdessen wurde die Rückkehr des ehemaligen katalanischen Präsidenten **Carles Puigdemont**, eines Justizflüchtigen, nach Spanien bis nach dem **29. November** verschoben. Die Verzögerung, vorsätzlich und möglicherweise abgesprochen, verhindert, dass seine Präsenz den Wahlkampf trübt. Bezüglich der Migrationskrise in **Ceuta** wird Sánchez die Aufmerksamkeit auf den Besuch der spanischen Königsfamilie nach dem **12. Oktober** und den **30. Iberoamerikanischen Gipfel** am **4. und 5. November** in Madrid lenken, an dem die venezolanische Politikerin **Delcy Rodríguez** teilnimmt.

Der Wahlkampf beginnt offiziell am **13. November** mit vorhersehbaren Fernsehduellen, einschließlich eines direkten Aufeinandertreffens zwischen Sánchez und **Alberto Núñez Feijóo**. Umfragen prognostizieren der Rechten einen klaren Sieg mit rund **200 Sitzen**, aber die PSOE vertraut darauf, dass PP und Vox keine ausreichende Mehrheit erreichen werden, wie es 2023 geschah. Es herrscht in weiten Teilen der Bevölkerung der Eindruck, dass Sánchez’ primäres Ziel nicht nur der Machterhalt ist, sondern die Beendigung des Verfassungsregimes von **1978** und die Errichtung einer sozialistischen und konföderalen Republik, wie der ehemalige Präsident **José María Aznar** warnt. Ein euphorischer und waghalsiger Sánchez hat beschlossen, aus dem Fenster zu springen. Er glaubt, auf einem weichen Kissen zu landen. Ein Absturz ist nicht ausgeschlossen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (0 Antworten).

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