Sánchez-Interview in Spanien: Kritik an fehlender journalistischer Distanz

Die Pedro Sánchez-Interview im spanischen TV wird wegen mangelnder Schärfe und Nähe zur Regierung kritisiert. Hier die Hintergründe.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Interview von Pedro Sánchez bei La 1 mit Jesús Cintora und Esther Palomera wurde als „journalistisch irrelevant“ und Zeitverschwendung bezeichnet, wobei den Journalisten vorgeworfen wird, sie hätten die Argumentationslinie der Moncloa übernommen.

Das **Pedro Sánchez** gegebene Interview mit **Jesús Cintora** und **Esther Palomera** bei La 1 hat eine intensive Debatte über die Qualität des Journalismus und das Verhältnis zwischen politischer Macht und öffentlichen Medien ausgelöst. Die Kritik konzentriert sich auf die scheinbare Unschärfe und das Ausbleiben von Nachfragen seitens der Interviewer, die vor den Vorgaben des Regierungschefs eingeknickt seien. Sie wurden als „Bewunderer“, „Freunde“, „Sklaven“ oder „Diener“ des Sanchismus bezeichnet.

Der Autor der zugrunde liegenden Kolumne, **Cristian Campos**, äußert Fremdscham über das Gesehene. Er deutet an, dass Sánchez’ Forderung, genau von Cintora und Palomera interviewt zu werden, diese eher als Sprachrohre seiner Rede denn als unabhängige Journalisten erscheinen lässt. Das Zitat, dass die „Zuneigung der Korrupten“ mehr verraten kann als die „Verachtung der Ehrlichen“, illustriert eine Situation, in der Gefälligkeit über Kontrolle zu stehen scheint.

## Das Interview als Spiegel der Macht

Das öffentliche Fernsehen, finanziert durch Steuergelder aller Spanier, dient hier als Bühne. Kritiker bemängeln, dass die Journalisten statt einer kontrollierenden Funktion eine gefällige Haltung eingenommen haben, die dem Präsidenten entgegenkam. Es wird hinterfragt, warum **Cintora** und **Palomera** unter diesen Bedingungen teilnahmen; ein integrierter Journalist hätte ablehnen müssen, um nicht Teil eines „Klubs“ zu sein, der ihn nur als bloßen Anhänger akzeptiert.

Das Gespräch gilt als „journalistisch bedeutungslos“ und „absolute Zeitverschwendung“, verglichen sogar negativ mit der Berichterstattung über Ereignisse wie die Belagerung von **Waco**. Konkrete Beispiele stützen diese Kritik. So wurde Richter **Tardón**, gegen die wegen angeblicher „Verletzung des Staatsgebiets“ ermittelt wird, nicht befragt. Stattdessen stellte sich die Frage, ob Ziel war, die Richterin oder ihre Ermittler zu kontrollieren. Dass Tardón nicht direkt interviewt wurde, obwohl man sie kritisieren wollte, unterstreicht die Wahrnehmung einer einseitigen Vorgehensweise.

Sánchez’ Reaktion auf Cintoras Fragen – beschrieben als ein Gesichtsausdruck des Spotts, während dieser die „Moncloa-Argumentation aufsagte“ – festigt den Eindruck eines inszenierten Interviews. Die Ironie gipfelt darin, dass La 1 als „der privatste aller privaten spanischen Sender“ bezeichnet wird.

## Fragen zu Caja Madrid und Migration

Die Analyse geht auf Widersprüche und ungestellte Fragen ein. Wenn die frühere Rolle als Aufsichtsrat bei **Caja Madrid** Richterin **Tardón** disqualifiziert, warum dann nicht auch für das Amt des Regierungschefs? Wurde **Sánchez** für den Bankrott der Sparkasse verantwortlich gemacht? Wen belastet die Vergangenheit als Aufsichtsrat mehr: einen Richter, der Gesetze anwendet, oder einen Präsidenten, der die Wirtschaft lenkt?

Ein weiterer Konfliktpunkt ist die Migration, besonders bezüglich **Ceuta**. Als **Sánchez** behauptete, die Alternative zum Zulassen einer „Invasion“ durch **Marokko** sei „mit Waffen zu schießen“, fragten **Cintora** und **Palomera** nicht nach Zwischenlösungen oder Alternativen, wie sie Länder wie **Singapur**, **Japan**, **Südkorea** oder **Polen** nutzen, um illegale Migration ohne Gewalt fast vollständig zu verhindern. Die implizite Frage lautet, ob der Präsident so „primitiv“ oder „politisch unfähig“ denkt, keine anderen Optionen zu sehen.

Auch die Verurteilung von Pedro Sánchez’ Bruder, **David Sánchez**, steht im Fokus. Als der Präsident ankündigte, man werde „Berufung einlegen“, wurde gefragt, wer dieses „wir“ sei und warum sich der Präsident in die strafrechtliche Verteidigung seines Bruders einmische. Es besteht der Verdacht, dass staatliche Anwälte genutzt werden könnten, was eine Straftat darstellen würde. Beeinträchtigt die Verurteilung seinen Bruder so sehr, dass er Staatsressourcen mobilisiert, aber nicht genug, um zurückzutreten – wie es jeder andere Präsident in einer Demokratie tun würde, wenn ein naher Angehöriger wegen eines mit seinem Amt zusammenhängenden Delikts verurteilt wird?

## Ideologie und „schlechter Journalismus“

Der Artikel erwähnt einen Innenministeriumsbericht, der **Cintora** eine „linke Ideologie, besonders affin zu Gruppen, die alternative Positionen zum PSOE vertreten“, und **Palomera** eine „gemäßigte linke Ideologie, allgemein regierungsfreundlich“ zuschreibt. Diese als „elegante Umschreibung“ bezeichnete Beschreibung legt nahe, dass ideologische Nähe die Passivität der Interviewer beeinflusst haben könnte.

Es wird ein Moment geschildert, in dem **Sánchez** kaum das Lachen unterdrücken konnte, als **Cintora** eine Frage stellte, während **Palomera** zuließ, dass ihr Kollege sich „lächerlich“ machte, während der Präsident die Situation genoss. Bei **Palomera** werden trotz größerer Selbstkontrolle „Muskelreflexe“ in Schlüsselmomenten wahrgenommen.

Einer dieser Reflexe zeigt sich, als **Sánchez** über die mediale Resonanz der Aussagen von **Aldama** klagt, den er als „Verbrecher“ bezeichnet. **Palomeras** geflüsterte Antwort „die Resonanz“ wird als stillschweigende Zustimmung interpretiert, dass die Korruption des Präsidenten tatsächlich Aufmerksamkeit verdienen sollte. Ein weiteres Beispiel: Auf die Frage zum Staatshaushalt verspricht **Sánchez**, die Debatte werde „vor Jahresende“ stattfinden. **Palomeras** Antwort „sehr gut, sehr gut“ wird kritisiert, weil sie nicht hinterfragt, warum die Regierung vier Jahre lang keinen Haushalt verabschieden konnte und Neuwahlen ablehnt.

Schließlich wird Sánchez’ Reaktion thematisiert, als er jene, die die Arbeit von Óscar Puentes Schwester im BOE (Staatsanzeiger) infrage stellen – die neue Spanier mit Wahlrecht schafft –, als „Nachkommen des Franquismus“ bezeichnet. Weder **Cintora** noch **Palomera** reagierten auf diese „kriegshistorische Übertreibung“. Auch als **Sánchez** die Lage in **Ceuta** auf ein Problem der „Aufnahmekapazität“ reduzierte, ignorierten sie die Frage, warum es Zentren für illegale Migranten geben sollte oder warum Ceutis ein Leben mit Kriminalität hinnehmen müssten. Das Interview endet mit Sánchez’ Aufruf, „weniger zu hassen“, worauf **Cintora** mit einem fast andächtigen „absolut“ antwortet.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (2 Antworten).

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