Pedro Sánchez hat Neuwahlen anberaumt, was viele Medien als Beweis demokratischer Normalität feiern. Doch diese Lesart ignoriert eine Geschichte interner PSOE-Wahlen seit 2014, die von Manipulationsverdacht geprägt ist. Dass ein Politiker Wahlen ausschreibt, beweist nicht, dass er sie respektiert.
Am Montag fragten sich Redaktionen weniger, ob Sánchez wählen lässt, sondern was er sonst hätte tun können. Ein Journalist sprach von „absoluter demokratischer Normalität“. Als wäre das Ansetzen einer Wahl in einer Demokratie eine Leistung und keine Pflicht. Man akzeptiert offenbar wenig, wenn der Amtsinhaber im Moncloa-Palast Pedro Sánchez heißt.
## Die Messlatte für Vorwände sinkt immer tiefer
Seit Jahren gilt: Viele spanische Wähler warten nur auf einen Grund, die PSOE zu wählen. Rafa Latorre und Cristian Campos (El Español) formulierten es so: Der Spanier wartet darauf, dass ihm die PSOE einen Anlass gibt, seine Stimme abzugeben. In den Achtzigern war dieser Anlass die Konsolidierung der Demokratie nach dem Franco-Regime und der EG-Beitritt. Später zählte die Schaffung von einer Million Arbeitsplätzen.
Als stattdessen eine Million Arbeitslose hinzukamen, änderte sich der Vorwand: Nicht zwei Millionen Arbeitslose waren das Ziel, sondern weniger als die bereits vorhandenen. Wir begnügten uns mit Negativ-Bilanzierungen. Keine somalischen Zustände. Keine paramilitärischen Banden. Kein weiterer Diebstahl. Die Latte lag am Boden und wurde weiter abgesenkt. Jetzt ist der Vorwand, dass Sánchez überhaupt Wahlen ansetzt. Bald wird es reichen, wenn er atmet und scheint, Gehirnfunktion zu zeigen.
Ignacio Varela analysierte präzise: Niemand glaubt, auch nicht blindere Anhänger, dass Sánchez im Bürgerinteresse handelt. Das zeigt sein sarracena Kreditlimit. Er tut stets, was ihm nützt, egal was die Spanier zahlen müssen. Wenn jemand wie er Wahlen ansetzt, geschieht das aus Eigennutz, nicht aus Respekt vor dem Prozess.
## PSOE-Innenwahlen mit versteckten Urnen
Dass Sánchez und sein Umfeld Abstimmungen manipulierten, ist keine Paranoia. Dokumentierter Beleg ist das PSOE-Bundeskomitee vom 1. Oktober 2016 in Ferraz. Susana Díaz flehte: „Lasst uns abstimmen, aber stellt die Urne sichtbar hin.“ Sie war nicht paranoid, sondern sprach eine verbreitete Skepsis aus. 2016 war Misstrauen gegenüber Sánchez noch kein Tabu.
Josep Borrell mahnte: „Wir brauchen geheime, aber sichtbare Stimmabgabe.“ Als gemäßigter Politiker verstand er die Kompromisslosigkeit des Narzissten nicht. Sánchez lehnte ab: „Stimmt ab, Genossen.“ Geheime Wahl hinter Vorhängen. Wer protestierte, musste gehen. „Wahlen sind frei, wenn geheim“, rechtfertigte er später, während Díaz fast weinte.
Es war nicht das erste Mal. Laut Guardia Civil (UCO) manipulierte Santos Cerdán mit Koldo bereits 2014 die Vorwahlen zugunsten von Sánchez gegen Madina und Pérez Tapias. 2017 wiederholten Sánchez, Ábalos, Koldo und Cerdán dies durch gefälschte Stimmen und Listenänderungen. Beweise finden sich auf Koldos Handy, das El Español im Februar einsehen konnte. Bei dieser Vorgeschichte ist Skepsis gegenüber sauberen Wahlen keine Hysterie, sondern Erinnerung.
## Wählerverzeichnis, Briefwahl und rote Linien
Das Argument, technische Unmöglichkeit verhindere Betrug, greift zu kurz. Erstens ist Briefwahl-Manipulation technisch möglich. Zweitens gesteht man damit ein, dass Sauberkeit nur an Technik hängt, nicht an Willen. Ayuso fordert daher Präsenz statt Briefwahl.
Weitere Indizien: Das „Enkelgesetz“ versuchte, das Auslands-Wählerverzeichnis zugunsten der Linken zu verändern. Ob diese Personen Staatsbürgerschaft verdienen, ist debattierbar. Dass Sánchez das Verzeichnis bewusst änderte, um Vorteile zu sichern, nicht. Dass Óscar Puente Schwester den Gesetzestext zweckentfremdete, ohne Konsequenzen, macht uns zur Dodo-Vogel-Politik: ahnungslos und schutzlos.
Auch der Versuch, die Legislatur über Juli 2027 hinaus zu verlängern, ist belegt. Carmen Segarro (La Razón) berichtete im Juli, die Regierung prüfte juristische Gutachten, ob die Frist erst bei Parlamentskonstituierung beginnt. Illegal? Unklar. Ungewöhnlich? Ja, besonders da Sánchez erstmals ohne Budget regiert. Wochen Verlängerung einer fruchtlosen Periode helfen den Bürgern nicht.
## Generalstreik, Brandstiftung und Angriffe auf Institutionen
Wer Sánchez maximale Spannung unterstellt, sollte die Tage nach der Ankündigung prüfen. UGT und CCOO riefen zum ersten Streik der Ära Sánchez auf, unterstützt von Mietergewerkschaften, die niemand wählte, aber seit Wochen die Plaza Sol besetzen – geduldet von der PSOE-Delegation. In Barcelona lieferten sich Tausende Radikale Straßenschlachten mit der Polizei, ähnlich wie 2019 nach dem Katalonien-Urteil.
Sánchez nutzte seine Pressekonferenz im Moncloa für giftige Attacken gegen Opposition und halbe Bevölkerung. Er beschuldigte das Parlament, Rechte zu verletzen, nachdem er drei Jahre lang die Justiz als korrupt bezeichnet hatte. Damit stilisiert er sich zum alleinigen Hüter der Demokratie. Wenn ein Präsident Justiz und Parlament angreift, sucht er Konflikt. Wenn er Wahlen ansetzt, während Radikale Straßen blockieren und Verbündete Streiks organisieren (wie María Jesús Montero sagte), sucht er Bürgerkrieg, nicht Frieden.
In Demokratien demonstriert das Volk gegen die Regierung. In Diktaturen demonstriert die Regierung gegen das Volk. Nach 157 überschrittenen roten Linien warten manche noch auf Nummer 158. Unterdessen bleibt der einzige Grund, Sánchez zu wählen, dass er Wahlen ansetzt. Fast nichts.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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