Sánchez gegen das Parlament: Machtkampf um die Gewaltenteilung in Spanien

Sánchez' Äußerung, auch ohne das Parlament regieren zu wollen, schlägt Alarm: Sie wirft Fragen zur Gewaltenteilung in Spanien und zum Risiko eines autoritären Kurses auf.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

"Mit oder ohne Parlament regieren": Der Satz, der die Zerbrechlichkeit des Systems offenlegt

Kann ein Regierungschef in Spanien ohne das Parlament regieren? Die Verfassung sagt nein. Doch Pedro Sánchez hat gerade das Gegenteil angedeutet. In einer kaum beachteten Erklärung erklärte der Ministerpräsident, die Legislative müsse "konstruktiver und weniger restriktiv" sein, und die Regierung werde "mit oder ohne Unterstützung der Legislative" weitermachen. In einem parlamentarischen System ist ein solcher Satz so viel wie ein rotes Tuch vor dem Plenum.

Der Satz, der das Regieren ohne Parlament ermöglicht

Die Warnung verhallt nicht im Leeren. Sánchez führt eine Regierung mit einer sehr fragilen parlamentarischen Mehrheit, abhängig von einem Bündnis aus Parteien mit unterschiedlichen Interessen. Jeder Abtrünnige kann ihn in die Minderheit bringen und ihn einem Misstrauensantrag oder einer Vertrauensfrage aussetzen. Die verbreitetste Deutung: Er will sich für dieses Szenario absichern und den Weg ebnen, per Dekret zu regieren oder bestimmte Abstimmungen zu ignorieren, falls seine Partner im Stich lassen.

Gibt es in Spanien wirklich eine Gewaltenteilung?

Doch das eigentliche Problem geht über parlamentarisches Taktieren hinaus. Das spanische Institutionengefüge verleiht der Exekutive bereits ein enormes Gewicht. Der Ministerpräsident wird zwar von den Cortes (dem spanischen Parlament) investiert, verfügt aber nach der Investitur über das Recht, die Kammern aufzulösen – eine mächtige Waffe. Und die Abgeordneten, über geschlossene Listen gewählt, stimmen mit eiserner Disziplin ab. "Die sozialistischen Abgeordneten sind der Regierung gegenüber absolut loyal, was auch immer sie tut", fasst eine Analyse zusammen. In der Praxis schrumpft die angebliche Gewaltenteilung zur Formsache.

Es ist nicht das erste Mal, dass vor dieser Entwicklung gewarnt wird. Der Ökonom und Politiker Ramón Tamames geißelte in seinem Misstrauensantrag, Spanien sei zu einer "absorbierenden Autokratie" geworden. Der Vergleich mit Venezuela, immer wieder herangezogen, klingt für viele längst nicht mehr übertrieben. Der Unterschied, so manche, liege darin, dass hier die Kontrolle der Justiz über die Erneuerung von Gremien wie dem CGPJ (dem spanischen Richterrat) und dem Verfassungsgericht ausgeübt wird – mit subtileren, aber ebenso wirksamen Ergebnissen.

Das wirtschaftliche Risiko des autoritären Kurses

Die wirtschaftlichen Folgen lassen nicht auf sich warten. Institutionelle Unsicherheit ist ein Risikofaktor, den die Märkte einpreisen, und die Risikoprämie hat sich in ähnlichen Krisen bereits bewegt. Eine Regierung, die an den Cortes vorbei regiert, sendet ein besorgniserregendes Signal an die Investoren: Die Spielregeln können sich jederzeit ändern. Auslandsinvestitionen, die so sehr von Stabilität abhängen, honorieren autoritäre Experimente in der Regel nicht.

Unterdessen verfolgt das Parlament den Machtkampf mit einer Mischung aus Empörung und Fassungslosigkeit. Die Geschichte, die immer Anekdoten mitbringt, erinnert daran, dass Largo Caballero bereits im Februar 1936 sagte: "Die totale Umgestaltung des Landes lässt sich nicht einfach dadurch erreichen, dass man Zettel in die Urnen wirft." Sánchez scheint mit seinem Satz in dieselbe Richtung zu gehen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Geschichte nicht mit denselben Folgen wiederholt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (88 Antworten).

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