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San Francisco: Bevölkerungsrückgang und Ladensterben
In San Francisco sinkt die Einwohnerzahl von 873.000 auf 808.000, während Geschäfte schließen. Laut Polizei enden weniger als 3 % der angezeigten Diebstähle vor Gericht.
San Francisco: Wenn Ladendiebstahl folgenlos bleibt, ziehen Händler ab
San Francisco verzeichnete einen Rückgang der Bevölkerung von 873.000 Einwohnern im Jahr 2020 auf 808.000 im Jahr 2022. Gleichzeitig schließen Supermärkte und kleine Läden in vielen Stadtvierteln. Die Kosten für ungesühnte Diebstähle und hohe Gewerbemieten haben dazu geführt, dass viele Ketten den Geschäftsbetrieb einfach einstellen. Die einstige Hochburg der Technologiebranche verliert ihre Einkaufsmöglichkeiten.
Warum schließen lokale Supermärkte?
Die häufigste Ursache-Wirkung-Kette betrifft die Straflosigkeit bei kleinen Diebstählen. Unternehmen weisen ihre Mitarbeiter und Sicherheitskräfte an, nicht einzugreifen, wenn jemand bestiehlt wird: Verletzt der Mitarbeiter den Dieb beim Festhalten, droht dem Geschäft eine Klage. Die Polizei nennt eine Zahl, die das Problem verdeutlicht: Weniger als 3 % der angezeigten Diebstähle landen vor Gericht. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ladendiebstahl rechtliche Konsequenzen hat, ist extrem gering.
Der Gewinnmarge eines lokalen Supermarkts reicht nicht aus, um diese Verluste zu tragen. Eine große Kette kann temporäre Verluste in einer Filiale verkraften; ein kleiner Händler hat dieses Sicherheitsnetz nicht. Zu den Diebstahlskosten kommen noch die unbezahlbaren Mieten. Manche argumentieren, dass einige Vermieter kein Interesse daran haben, dass die Räume weiter genutzt werden, da der Wert des Grundstücks durch Spekulation höher ist als die erzielbare Miete.
Das Gesetz, das Diebstahl zum Betriebskostenfaktor macht
Der rechtliche Rahmen wird am häufigsten zitiert. Eine Regelung, bekannt unter dem – laut Kritikern paradoxen – Namen Safe Neighborhoods and Schools Act (Gesetz für sichere Nachbarschaften und Schulen), senkt die strafrechtlichen Folgen für Diebstähle unterhalb einer bestimmten Schwelle und entkriminalisiert damit faktisch den Kleindiebstahl. Unter diesem Schutzschirm wird Diebstahl nicht mehr als Straftat mit vorhersehbaren Sanktionen behandelt, sondern als weitere operative Kosten, ähnlich wie die Stromrechnung.
In diesem Umfeld ist die Schließung von Geschäften keine ideologische Entscheidung der Händler. Es ist reine Mathematik.
Fünf Jahrzehnte demokratische Regierungen und 34 Jahre als Sanctuary City
Kontextdaten deuten auf eine lange politische Kontinuität hin. Seit 1968 waren alle Bürgermeister von San Francisco Demokraten. Seit 1989 hat die Stadt den Status einer Sanctuary City (Zufluchtsstadt): Ihre Beamten arbeiten nicht mit den Bundesbehörden für Einwanderung zusammen.
Der Zusammenhang zwischen dieser politischen Kontinuität und dem Ladensterben spaltet die Debatte. Für einen Teil der Analyse ist das Desaster eine direkte Folge pogre Politik: höhere Steuern, mehr Regulierung, weniger effektive Bestrafung von Kriminalität. Für andere sind diese Politiken nur Kulisse, und der eigentliche Motor liegt bei Eigentümern und Investoren, die vom Chaos profitieren.
Bevölkerungsrückgang: Von 873.000 auf 808.000
Die entscheidende Zahl ist nicht die der Geschäfte, sondern die der Einwohnermeldungen. Die Stadt hat in den letzten Jahren Bewohner verloren, und manche sehen diesen Rückgang als Vorzeichen eines Zyklus: Erst gehen die guten Bürger, dann die Geschäfte, dann die Verbleibenden. Texas hat einen Teil dieses Abflusses von Unternehmen aufgenommen.
Andere erinnern an die These aus Freakonomics über den Zusammenhang zwischen der Legalisierung der Abtreibung und dem Rückgang der Kriminalität in den Neunzigern. Diese These ist umstritten – sie basiert auf Schätzungen von Levitt und Dubner, mit Daten des NBER und der University of Chicago –, zeigt aber die Komplexität der Debatte.
Prognose: Das nächste Detroit?
Der Vergleich mit Detroit dient in Analysen als Warnung. Detroit ist das historische Symbol für eine Stadt, die in einer Spirale aus Bevölkerungsschwund, Industrieabbau und Dienstleistungsverlust verfällt. Wer diesen Vergleich auf San Francisco überträgt, behauptet, der Weg sei derselbe, auch wenn die Ursachen anders sind: Lebenshaltungskosten, Straflosigkeit bei Diebstahl und der Verlust grundlegender Dienstleistungen.
Diese These ist nicht unumstritten. Andere weisen darauf hin, dass San Francisco weiterhin ein wichtiger Technologie-Hub ist und dass Ankündigungen von Unternehmensabwanderungen neben Neuansiedlungen bestehen. In diesem Wettstreit sind die harten Fakten die Einwohnerzahlen und die Bilder geschlossener Geschäfte.
Der Punkt, an dem die Analyse ins Stocken gerät, ist der Immobilienpreis. Wenn die Stadt Einwohner verliert und Geschäfte schließen, würde die ökonomische Logik eigentlich eine Korrektur der Quadratmeterpreise erwarten lassen. Diese Korrektur fehlt jedoch in der erwarteten Größenordnung. Wohnungen gehören weiterhin zu den teuersten im Land. Niemand schließt diesen Kreis: Wie können Bevölkerungsschwund, Ladensterben und unverändert hohe Immobilienpreise koexistieren?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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