Salamanca: Römisches Lusitanien gegen die kastilische Erzählung

Der Ursprung Salamankas wird zwischen dem römischen Lusitanien und der kastilischen Wiederbesiedlung diskutiert, mit genetischen Koordinaten, die nicht das sagen, was manche glauben.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Salamanca: Römisches Lusitanien gegen die kastilische Erzählung
Salamanca, zwischen dem römischen Lusitanien und der kastilischen Erzählung

Salamanca ähnelt Burgos nicht. Das klingt nach einem Spruch aus der Kneipe, dahinter stehen aber genetische Koordinaten, Mischungsmodelle und eine unbequeme Frage: Was bedeutet es eigentlich, kastilischer Herkunft zu sein? In den letzten Tagen hat eine Gruppe von Hobby-Populationsgenetikern die Provinz zu einem Schachbrett gemacht, auf dem G25-Proben, mittelalterliche Wiederbesiedlungen und Jahrhunderte schlecht erzählter Geschichte aufeinandertreffen. Das vorläufige Fazit bringt so manchen in Verlegenheit: Die DNA respektiert keine Verwaltungsgrenzen, und das Wort „Kastilier“ ist jünger als die Menschen, die es bewohnen.

Was eine G25-Koordinate wirklich misst

Das Starthilfsmittel der Diskussion sind die G25-Koordinaten, jene Zahlenketten, die manche lesen, als wären es Blutwerte. Eine Probe aus Valladolid startet mit einem Wert von 0,107753; der Durchschnitt von vier Personen aus León liegt bei 0,103. Manche behaupten, diese Zahl messe direkt den Prozentsatz nordafrikanischer Abstammung einer Provinz. Dem ist nicht so. Diese erste Koordinate ist eine Achse einer Hauptkomponentenanalyse: Sie verortet die Population auf einem europäischen geografischen Gradienten, quantifiziert aber für sich genommen nichts.

Um einen Prozentsatz zu erhalten, müssen diese Koordinaten in ein Modell mit Referenzpopulationen eingesetzt werden. Und hier beginnt das eigentliche Problem: Das Ergebnis hängt davon ab, welche Quellen man wählt. Ein im Netz verbreitetes Beispiel weist Valladolid 11% Maghreb_East_Ancient zu, innerhalb einer Aufschlüsselung mit 26,8% alten Iren, 25,4% alten Basken und 14% Etruskern. Die Anpassung liegt bei einer Distanz von 0,7%. Das klingt überzeugend. Es ist aber, so die kritischsten Stimmen, eine Gewichtsverteilung, die sich völlig ändert, wenn man die Quellen austauscht.

Vom römischen Lusitanien zur Wiederbesiedlung des Duero

Die Hypothese mit der meisten Tragkraft zu Salamanca ist nicht genetisch, sondern historisch. Die Provinz gehörte zum römischen Lusitanien, was sie mit dem Westen der Iberischen Halbinsel verbindet, nicht mit dem nördlichen Hochland. Von dort zur Verwandtschaft mit Portugal ist es ein Schritt, den manche ohne Skrupel machen und andere mit einem Grinsen: Es gibt welche, die es bedauern, dem portugiesischen Nachbarn zu ähneln, und stattdessen eine Ähnlichkeit mit Südfrankreich beanspruchen.

Das Gegenargument kommt aus der Geschichte selbst: Das Duero-Tal wurde mit Asturo-Galiziern und Mozarabern wiederbesiedelt, demselben Menschenfundament wie Trás-os-Montes und die Beira. Die Franken, so betont man, betraten diese Länder kaum, abgesehen von der Jakobsweg-Route. Und wenn wir von Ursprüngen sprechen: Die Gründung von León wird einer Legion zugeschrieben, deren Soldaten aus dem Osten kamen.

Der Nordafrikaner, der vor Tarik kam

Die meistzitierte und am schlechtesten verstandene Zahl ist die der nordafrikanischen Abstammung. Die 11%, die manche Valladolid zuschreiben, stammen laut einem anderen Teilnehmer aus einer Studie von Botigué aus 2013, veröffentlicht in PNAS, die den Höhepunkt im Nordwesten der Halbinsel verortete, mit Galizien um diesen Prozentsatz. Diese Regionalmaximalwert auf das zentrale Hochland zu übertragen, so heißt es, sei ein Sprung ohne Netz.

Der Schlüssel liegt in den Schichten. Der nordafrikanische Fingerabdruck, der in den Modellen von Paläolithikum-Neolithikum auftaucht, kam vor 6.000 bis 8.000 Jahren mit den ersten bäuerlichen Populationen. Er kam vor Iberern, Römern und Phöniziern und ist über die gesamte Halbinsel verteilt. Burgos, Soria, Valladolid und Badajoz schöpfen aus demselben Brunnen. Was mit der Eroberung von 711 kam, ist eine andere Schicht, eine Minderheitsschicht, und sie zeigt sich in keinem Gesicht.

Burgos, Basken und Franken: Die Reinheit, die es nicht gibt

Die Ironie der Sache ist, dass die Provinz, die als Maßstab reiner Kastilischer Identität gilt, ebenfalls ihre eigene Mischung mit sich trägt. Burgos wurde mit Menschen aus dem Norden wiederbesiedelt, darunter Basken und Navarresen, und der Jakobsweg hinterließ dokumentierte fränkische Kolonien. Darüber gibt es keine Diskussion: Das Duero-Tal füllte sich mit Nordländern und Pilgern.

Der Versuch, Linien anhand des äußeren Erscheinungsbildes zu identifizieren, stößt immer auf dieselbe Mauer. Phänotyp ist nicht Genotyp. Es gibt dunkelhaarige, dunkeläugige Menschen in Dublin, die für Nachbarn aus Fes durchgehen würden, und blonde Typen im Maghreb, die in jedem burgalesischen Dorf nicht auffallen würden. Ein Gesicht beweist keine Genealogie. Würde man eine der genannten Personen testen, käme fast dasselbe Profil heraus wie das des Nachbarn, der mit angeblich reinen Wurzeln prahlt.



Vor diesem Hintergrund ist absehbar, dass die Diskussion nicht enden wird. Die Tools der Hobby-Genetik werden weiterhin Schlagzeilen liefern, weil ihre populäre Lektüre lichtjahreweit von ihrer technischen Anwendung entfernt ist. Es ist wahrscheinlich, dass neue Modelle und neue Koordinaten auftauchen, die je nach Belieben des Veröffentlichers entgegengesetzte Thesen zu bestätigen scheinen. Niemand mit Verstand sollte aus einer Handvoll Zahlen eine Hierarchie zwischen Provinzen ableiten. Aber das, so fürchte ich, wird niemanden aufhalten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (87 Antworten).

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