Rutte warnt: Krieg gegen Russland wie im Großvaterkrieg

NATO-Chef Rutte warnt in Berlin vor einem bevorstehenden russischen Angriff auf Europa und vergleicht die Gefahr mit den Weltkriegen, während Kanzler Merz über territoriale Zugeständnisse verhandelt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rutte warnt: Krieg gegen Russland wie im Großvaterkrieg
Rutte warnt vor einem Krieg wie im Großvaterkrieg

Wie lange dauert es noch, bis Europa seine Söhne an die Front schicken muss? Der Generalsekretär der NATO, Mark Rutte, hat diesem Albtraum in einer Rede in Berlin ein ungefähres Datum gegeben: Laut mehreren Geheimdiensten könnte der Krieg innerhalb der nächsten fünf Jahre ausbrechen. Und nicht irgendein Krieg. Der Niederländer warnte, dass der Konflikt mit Russland „von derselben Größenordnung sein könnte wie der Krieg, den unsere Großeltern und Urgroßeltern erlitten“. Das in der deutschen Hauptstadt ausgesprochene Zitat wirkte wie ein Schock auf eine Öffentlichkeit, die seit vier Jahren über die Ukraine spricht, ohne die Front direkt vor der Haustür zu spüren.

Rutte kam nicht, um Nuancen anzubringen. „Wir sind das nächste Ziel Russlands. Ich befürchte, dass viele selbstzufrieden sind und keine Dringlichkeit verspüren. Viele glauben, die Zeit sei auf unserer Seite. Dem ist nicht so. Es ist Zeit zu handeln“, betonte er. Die Botschaft richtet sich an Verbündete, die den militärischen Druck der baltischen Staaten und Polens nicht teilen. Jedes Haus, jeder Arbeitsplatz, Zerstörung, Masseneinberufungen, Millionen Vertriebene. Der Pavor-Katalog, den der NATO-Chef beschrieb, ist keine Prophezeiung, sondern eine bedingte Warnung: Wenn die Verbündeten ihre Ausgabenverpflichtungen erfüllen, sei dies „eine Tragödie, die wir verhindern können“.

Was in Berlin geschah und warum jetzt

Die Rede war kein isolierter Akt. Rutte traf sich am selben Tag mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz, der bestätigte, dass Berlin möglicherweise in der folgenden Woche ein Treffen über die Friedensverhandlungen in der Ukraine ausrichten wird, an dem auch die USA teilnehmen könnten. Merz fügte eine Information hinzu, die bisher niemand auf den Tisch gelegt hatte: Washington habe einen ukrainischen Gegenvorschlag erhalten, der auch die „territorialen Zugeständnisse“ behandelt, zu denen die Ukraine bereit wäre. „Das ist eine Frage, die vor allem der ukrainische Präsident und das ukrainische Volk beantworten müssen; das haben wir auch Trump deutlich gemacht“, präzisierte der deutsche Konservative.

Das heißt: Während der NATO-Chef in einem Berliner Auditorium den kriegerischen Ton verschärft, verhandelt der deutsche Kanzler parallel ein mögliches Ende des Konflikts mit territorialen Zugeständnissen auf dem Tisch. Beides passt in denselben Tag. Merz zeigte sich „ziemlich optimistisch“, dass die US-Regierung an dem Treffen teilnimmt, wenn die gemeinsamen Dokumente gut abgeschlossen werden. Die Diplomatie bewegt sich auf einer Schiene, die Aufrüstung auf einer anderen.

Die Verteidigungsausgaben, die niemand zahlen will

Der wirtschaftliche Kern von Ruttes Rede ist eine Rechnung. Die NATO drängt ihre Mitglieder seit Jahren dazu, die Militärausgaben zu erhöhen, und der Niederländer beklagte erneut, dass zu viele Verbündete die Dringlichkeit nicht spüren, die die Länder nahe Russlands wahrnehmen. Die innenpolitische Übersetzung dieser Botschaft ist unbequem: Ein höheres Budget für die Rüstungsindustrie bedeutet weniger Spielraum für alles andere, in einem Kontinent, der unter Defiziten, Rekordsteuerdruck und angespannten öffentlichen Diensten leidet.

Die häufigste Reaktion in den Wirtschaftskreisen war nicht die Frage, wie viel ausgegeben werden muss, sondern wer profitiert. Der Verdacht, dass die Aufrüstung vor strategischer Notwendigkeit ein Geschäft für Auftragnehmer und Lieferanten ist, durchzieht einen großen Teil des Skeptizismus. Manche behaupten, das eigentliche Ziel der Rede sei die Rechtfertigung der Umleitung von Milliardenbeträgen in veraltete Waffen, während andere entgegnen, dass Abschreckung genau das verhindert, was man einsetzen müsste. Die vollständige Berechnung dessen, was die Erfüllung der NATO-Verpflichtungen für die öffentlichen Haushalte bedeuten würde, ergibt ein Ergebnis, das verstört und das niemand vollständig dargelegt hat.

Der Widerspruch, den niemand in Brüssel erklärt

Wenn Russland von der Ukraine eingekreist wird, wie ein großer Teil der westlichen Erzählung behauptet, wie ist dann zu verstehen, dass Europa das nächste Ziel einer angeblich erschöpften Armee sein soll? Diese Frage tauchte immer wieder auf. Entweder kann Russland alles bewältigen, oder es kann nicht einmal den Schwanz heben: Beides gleichzeitig passt nicht zusammen. Dies ist die Art von Inkonsistenz, die das Misstrauen gegenüber der offiziellen Botschaft nährt und die Rutte nicht angegangen ist.

Hinzu kommt das Argument der Doktrin der gegenseitig gesicherten Zerstörung. Während des Kalten Krieges reichte das nukleare Gleichgewicht aus, damit keine Macht die andere angriff. Was hat sich geändert, sodass nun das Szenario eines Massenkriegs wie 1939 droht? Ruttes Rede beantwortet dies nicht. Er beschränkt sich darauf, die Größe des Konflikts zu beschwören, ohne den Mechanismus zu erklären, der ihn ermöglichen würde.

Wer geht an die Front und wer schickt die anderen

Die unangenehmste Frage ist die offensichtlichste: Wer setzt seinen Körper ein? Der NATO-Chef hat keine Kinder und war nie an der Front. Der Einwand wurde in verschiedenen Formen wiederholt: Sie sollen zuerst gehen, mit aufgepflanztem Bajonett, wie unsere Urgroßväter. Das Echo des Ersten Weltkriegs – Millionen junger Männer, die aufgrund fremder Entscheidungen in Schützengräben geschickt wurden – schwebt über jedem Aufruf zur europäischen Aufrüstung.

In Spanien hat das Argument eine zusätzliche Wendung. Die spanischen Großeltern kämpften nicht im Zweiten Weltkrieg, daher klingt Ruttes generationenübergreifende Appell fremd. Hinzu kommt das steuerliche Detail: Der höchste Einkommensteuersatz in Russland beträgt 15 %, im Vergleich zu 52 % in Spanien. Der wiederkehrende Witz lautet, dass sie sich beeilen sollten, uns zu invadieren. Die Ironie ist bitter, aber die Daten sind die Daten.

Der Feind, der im eigenen Land benannt wird

Es gibt eine Strömung, die behauptet, das wahre Risiko liege nicht im Osten. Die schlimmsten Feinde seien diejenigen, die Steuern erhöhen, mit Regulierungen ersticken und hypermassive Staaten aufrechterhalten. Nach dieser Logik wäre, falls eines Tages ein Gewehr erhoben werden müsste, das erste Ziel im Inneren. Dies ist keine marginalThese: Sie steht im Zusammenhang mit dem Verschleiß einer Mittelschicht, die seit Jahren sieht, wie ihr Lebensstandard sinkt, während man von ihr kriegswirtschaftliche Anstrengungen verlangt.

Ruttes Rede zielt darauf ab, in Gesellschaften, die diese Mentalität nicht haben, eine Kriegsmentalität zu erzeugen. Was sie bisher erzeugt hat, ist eine Mischung aus Unglauben, kommerziellem Misstrauen und einer Frage, die niemandem aus dem Kopf geht: Wenn der Krieg so unmittelbar bevorsteht, warum sind diejenigen, die ihn ankündigen, niemals diejenigen, die ihn führen werden?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (152 Antworten).

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