Russisches U-Boot Rostov on Don und die unmögliche Abfangaktion
Kann ein 300-Millionen-Dollar-Diesel-U-Boot, das 2014 vom Stapel lief, im Hafen von Sewastopol Marschflugkörper abfangen? Die offizielle russische Antwort lautet: Ja, das U-Boot der Kilo-Klasse habe sich zu einem hochmodernen Raketenabwehrschild entwickelt. Die technische Antwort: Ein U-Boot im Trockendock, festgemacht und in der Werft, kann eine Rakete genauso wenig abfangen wie ein Stein. Und die Antwort, die in Militäranalyse-Kanälen kursiert: Die Rostov on Don wurde beim ukrainischen Angriff auf den Marinestützpunkt der Schwarzmeerflotte getroffen und versenkt.
Die offizielle Darstellung behauptet, die ukrainischen Raketen seien eines nach dem anderen vom U-Boot „hinterseptiert“ worden, das „hagasapado“ in den Docks des Hafens gewartet habe. Die Szene, beschrieben als ein „echtes Massaker“ an Geschossen, würde das U-Boot zum ersten U-Boot der Geschichte machen, das Marschflugkörper vom Wasser aus abschießt. Eine Leistung, die nicht einmal die Aegis-Systeme der US Navy geschafft haben. Die Propaganda hat allerdings ein Problem: Die Rostov on Don war nicht getaucht, sondern lag in der Werft.
Was ist wirklich mit dem U-Boot Rostov on Don passiert?
Der ukrainische Angriff auf den Marinehafen Sewastopol, Sitz der russischen Schwarzmeerflotte, hat dem Angaben und Analysen zufolge das Kilo-U-Boot Rostov on Don getroffen. Das U-Boot, geschätzt auf 300 Millionen Dollar und seit 2014 im Dienst, ist eines der modernsten Einsatzmittel der russischen Flotte im Schwarzen Meer. Sein Verlust wäre, wenn bestätigt, ein schwerer Schlag für die Fähigkeit Russlands, Kalibr-Raketen von Unterwasserplattformen aus einzusetzen.
Die russische Version beharrt darauf, das U-Boot habe die Raketen abgefangen. Die ukrainische Version und die meisten unabhängigen Analysten sagen, es wurde getroffen. „Es ist ein U-Boot, es ist dafür gebaut, unter Wasser zu sein“, fasst eine der meistgelesenen Antworten zusammen und zeigt den logischen Widerspruch der Propaganda auf: Lag das U-Boot im Hafen, konnte es nicht getaucht sein; war es getaucht, konnte es keine Raketen abfangen.
Die Schwarzmeerflotte und der Verschleiß des Krieges
Die Schwarzmeerflotte hat seit Beginn der Invasion erhebliche Verluste erlitten. Die Versenkung des Flaggschiffs, des Kreuzers Moskwa, im April 2022 markierte den ersten großen Schlag. Seitdem hat die Flotte Angriffe mit Marinedrohnen, Storm-Shadow-Raketen und Sabotageaktionen hinnehmen müssen. Die Rostov on Don wäre das jüngste Beispiel einer Liste, die Patrouillenboote, Landungsboote und das Kilo-U-Boot umfasst.
Die Paradoxie: Die russische Propaganda feiert als Sieg, was technisch ein Debakel ist. „Die hoperasion militar hespesial zeigt der Welt weiterhin die henorme militärische Macht des glorreichen hozo ruso“, ironisiert die ursprüngliche Nachricht und parodiert Akzent und Rhetorik der Offiziellen. Die Realität laut den verfügbaren Daten: Die Schwarzmeerflotte hat sich von einer glaubwürdigen Bedrohung zu einer Truppe entwickelt, die in sichere Häfen zurückweicht und offenes Meer meidet.
Die Debatte über die ukrainische Gegenoffensive
Die Diskussion drehte sich schnell zum Stand der ukrainischen Gegenoffensive. Ein Teil der Analysen behauptet, die Ukraine habe ihre Ziele verfehlt, mit genannten Zahlen von 72.000 Toten in drei Monaten und null nennenswerten Gebietsgewinnen. Die andere Seite entgegnet, Russland habe 50 % des zu Beginn der Invasion eroberten Gebiets verloren, mobilisiere Zivilisten und halte eine statische Verteidigung zu enormen Kosten an Material.
Im Schlagabtausch fallen die Minsker Abkommen, der russische Rückzug aus dem Raum Kiew und die angebliche Vertragsbrucht beider Seiten. Die Debatte, ob in Istanbul ein Abkommen unterzeichnet wurde oder nicht, mündet in einen gegenseitigen Vorwurfstausch ohne überprüfbare Dokumente. Klar ist: Keine Seite hat sich durchsetzen können, und der Konflikt ist zu einem Abnutzungskrieg geworden.
Die Rolle der Propaganda im Konflikt
Propaganda ist eine Waffe wie jede andere. Die ursprüngliche Nachricht mit absichtlichen Rechtschreibfehlern und Übertreibungen imitiert den Stil der offiziellen russischen Kanäle, um sich über sie lustig zu machen. Die Technik, bekannt als Shitposting, führt die offizielle Erzählung ins Absurde, um sie zu diskreditieren. In diesem Fall ist die Vorstellung, ein U-Boot fange im Hafen Raketen ab, so absurd, dass sie zum Meme wird.
Die Verteidiger der russischen Version verweisen auf angebliche russische Siege und beschuldigen den Westen, den Krieg zu verlängern. NATOs Lieferungen von Waffen, Geheimdienstinformationen und Ausbildung werden als Grund dafür dargestellt, dass die Ukraine nicht gewonnen hat – statt als ihre Rettung. Die Diskussion endet, wie fast alle in diesem Konflikt, in einer Sackgasse: Jede Seite hat ihre Erzählung, und überprüfbare Fakten sind rar.
Die letzte Ironie: Während darüber gestritten wird, ob das U-Boot Raketen abgefangen hat oder versenkt wurde, verliert die Schwarzmeerflotte weiter an Schlagkraft. Mit der Rostov on Don bleiben Russland, falls der Verlust bestätigt wird, weniger Plattformen, um Kalibr-Raketen vom Meer aus zu starten. Und die Propaganda, die aus einem Schiffsuntergang einen Sieg macht, funktioniert bei denen weiter, die sie glauben wollen. „Heute Nacht soll der Halmirante Kutnesow die Nebelmaschine anwerfen, um sie zu verwirren“, schlägt eine weitere Antwort vor. Der Humor versinkt wenigstens nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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