Russen öffnen Wladiwostok für China: Debatte um Vasallenstatus

Russland öffnet den Hafen von Wladiwostok erstmals seit 1860 für China. Die Frage, ob die Partnerschaft eine Abhängigkeit oder ein Vasallenverhältnis ist, wird neu diskutiert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russen öffnen Wladiwostok für China: Debatte um Vasallenstatus
Russland öffnet China einen seit 1860 gesperrten Hafen

Die chinesisch-russische Partnerschaft hat ein materielles Zeichen gesetzt. Russland hat den Hafen von Wladiwostok für seinen Nachbarn geöffnet, sodass die nordostchinesische Region ihn wie einen lokalen Hafen nutzen kann – etwas, das nicht mehr geschah, seit Moskau die Stadt 1860 übernahm. Es ist keine Höflichkeit unter Gleichen. Es ist das erste Mal seit über anderthalb Jahrhunderten, und es kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die russische Seite den chinesischen Partner weit mehr braucht als dieser sie. Die Kernfrage lautet nicht, ob man sich schätzt, sondern wer das Sagen hat.

Wladiwostok und Xi Jinpings Ideenlabor

Zur Öffnung des Hafens kommt ein weniger sichtbares, aber beredteres Signal. In Russland wurde ein Laboratorium zur Erforschung der Ideen Xi Jinpings eingerichtet, wie die Agentur Xinhua berichtet; es befindet sich am Institut für China und Modernes Asien der Russischen Akademie der Wissenschaften. Die Initiatoren betonen, dass diese Ideen Chinas Innen-, Außen-, Wirtschafts- sowie Kultur- und Wissenschaftspolitik bestimmen. Niemand gründet ein Zentrum, um die Doktrin seines Nachbarn zu sezieren, aus purer Bewunderung. Man tut es, weil man sie braucht, um sich selbst zu verstehen.

Vasallentum oder gegenseitige Abhängigkeit?

Der akademische Bezugspunkt ist John Mearsheimer, einer der Hauptvertreter des Realismus in den internationalen Beziehungen. Seine These besagt, dass der NATO-Drang Richtung Russland China nähergebracht habe und der US-Druck auf China Russland nähergebracht habe, obwohl beide Nachbarn jahrzehntelang weder gute Beziehungen noch nennenswerten Handel pflegten, trotz gemeinsamer Grenze. Daraus leitet er eine Abhängigkeitsbeziehung ab, keine Unterwerfung. Gegen diese Sicht spricht das Handelsdetail: Russland ist bei Technologie und komplexen Fertigungen von China abhängig, und die einzige Gasleitung zwischen beiden Ländern ist klein, wobei eine Erweiterung Milliarden kosten würde. Der globale Energiemarkt bietet viele Alternativen, sodass die Abhängigkeit asymmetrisch ist.

Warum der Vergleich mit USA und Großbritannien hinkt

Es wurde vorgeschlagen, die Beziehung ähnele der zwischen den USA und Großbritannien, wobei London die untergeordnete Rolle aufgrund kultureller und historischer Nähe akzeptiere. Der Vergleich ist gezwungen. Die USA und Großbritannien sind Nationen mit geteiltem Sprachraum und Wurzeln; zwischen Russen und Chinesen gibt es keine gemeinsame Kultur, Sprache oder Geschichte, wohl aber unbequeme Erinnerungen: die chinesische Demütigung im 19. Jahrhundert und die russische Eroberung von Gebieten, die Peking nie verdaut hat. Hinzu kommt, dass die sino-russische Grenze, eine der längsten der Welt, nur wenige Grenzübergänge hat, gerade weil Moskau stets verhindern wollte, dass seine östlichen Regionen eher nach Peking als zur Hauptstadt blickten. Mit vertauschten Rollen wird dieses Bestreben schwierig.

Die technologische Front: Taiwan, TSMC und Chips

Ein weiteres Schlachtfeld sind Halbleiter. Ein Teil der Analyse argumentiert, ohne das taiwanesisches Unternehmen TSMC würde die Welt in der Informationstechnologie um etwa zehn Jahre zurückfallen und China liege in dieser Branche fünf Generationen hinterher. Die Gegenposition besagt, dass TSMCs Vorteil in Skalierung und installierter Kapazität liege, nicht in der Technologie, und dass das eigentliche Monopol bei der Lithografie liegt, die in Händen niederländischer, deutscher und amerikanischer Lieferanten ist. Die gemeinsame Schlussfolgerung ist unbequem: Wer den fortschrittlichsten Chip beherrscht, hält einen Schlüssel, der jede Tür öffnen kann.

Interessenallianzen: Lehren aus dem 20. Jahrhundert

Die Geschichte bietet Präzedenzfälle für alle Geschmäcker. Die USA und die Sowjetunion waren Verbündete gegen das Dritte Reich; Franzosen und Engländer, uralte Feinde, schlossen sich zusammen, um Deutschland aufzuhalten; Russen, Österreicher und Preußen taten Gleiches gegen Napoleon. Die meisten Toten des Zweiten Weltkriegs waren Chinesen und Russen, und niemand vergisst das. Der am häufigsten zitierte Präzedenzfall ist jedoch der Hitler-Stalin-Pakt, dem ein deutsch-sowjetisches Kreditabkommen vorausging und der vom Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag gefolgt wurde, samt späteren Gesprächen über einen sowjetischen Beitritt zur Achse. Was Hitler und Stalin verband, war einzig das Ziel, die liberalen Demokratien zu zerstören.

Wenn das letzte Jahrhundert etwas lehrt, dann dass Interessenallianzen zerbrechen, sobald der gemeinsame Feind wegfällt. Die vernünftigste Prognose angesichts von Schritten wie der Öffnung Wladiwostoks deutet darauf hin, dass die Asymmetrie zwischen Moskau und Peking mit der Zeit zunehmen wird. Niemand unterschreibt diese Wette. Manche fügen hinzu, dass Russland seit Jahrzehnten Souveränität aufgibt, ohne dabei die Karten neu zu mischen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (153 Antworten).

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