Rumänien: Aufschwung durch EU-Gelder wie im Spanien der 90er

Niedrige Löhne, hohe Dieselpreise und neue Straßen: Rumäniens Wirtschaft erinnert an das Spanien der 1990er Jahre, getragen von EU-Fonds.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rumänien: Neue Straßen, 1.000 € Gehälter und Diesel für 2 €

Ein Taxi mit fünf Insassen – einer vorne, vier hinten – fährt durch Bukarest, und niemand findet das ungewöhnlich. Diese Szene stammt von einem spanischen Reisenden, der einige Tage Urlaub in Rumänien verbringt und bei einem lokalen Freund unterkommt. Sie fasst seine Diagnose zusammen: Das Land ähnelt stark dem Spanien der 1990er Jahre. Überall sind öffentliche Bauprojekte zu sehen, die Straßen sind in gutem Zustand, und es herrscht ein diffuses Gefühl des Aufstiegs, obwohl das Land noch immer die Last von vier Jahrzehnten Kommunismus trägt. Die rumänische Wirtschaft erlebt ihr eigenes Bild der spanischen Immobilienblase, mit einem entscheidenden Unterschied: Ein großer Teil des Geldes stammt nicht aus eigenen Mitteln.

Europäische Fonds als Treiber des Wachstums

Der erste Motor ist bekannt: Autofabriken, Zulieferer und Batteriehersteller schaffen Arbeitsplätze, während der Bausektor boomt. Es ist das Muster des spanischen Bau-Booms, mit Arbeit überall und Kränen an jeder Ecke. Was einen Großteil dieses Wunders trägt, ist der Regen aus EU-Fördergeldern, die Straßen, Technologie und Unternehmensentwicklung finanzieren. Der Haken daran ist beängstigend: Diese Hilfen werden nicht ewig fließen, und niemand weiß, was vom Investitionsschub übrig bleibt, wenn die letzte Zahlung erfolgt ist.

Gute Straßen, aber 200 Kilometer in vier Stunden

Hier zeigt sich der Kontrast. Der Asphalt ist ordentlich, aber eine Zugfahrt von Bukarest nach Bran – weniger als 200 Kilometer Richtung Karpaten und zur touristischsten Burgenregion des Landes – dauert vier Stunden. Das Schienennetz leidet noch unter dem Erbe des Ostblocks und wurde nicht im gleichen Tempo modernisiert wie die Straßen. Hinzu kommen allgegenwärtige Radarkontrollen und Ochsenkarren, die auf ländlichen Strecken den Weg mit Lastwagen teilen: Ein Anblick, der in Spanien vor Jahrzehnten verschwunden ist.

Das Missverhältnis: 1.000 € Gehalt und Diesel für 2 €

Das Verhältnis zwischen Preisen und Löhnen ist bestenfalls etwas schlechter als in Spanien. Ein Zimmer kann für etwa 200 Euro gemietet werden; ein bescheidenes Gehalt liegt bei rund 1.000 Euro. Mit diesen Zahlen ist Essen günstig – ein Grillfest für vier Personen kostet etwa 10 Euro pro Kopf inklusive Bier –, aber Wohnraum ist teuer. Und dann gibt es das Detail, das jeden verwirrt: Diesel kostet rund 2 Euro pro Liter in einem Land mit eigenen Öl- und Gasvorkommen. Da passt nichts zusammen.

Zwei Minderheiten wiegen schwerer als Immigration

Ethnisch gesehen ist das Land relativ homogen, und ausländische Immigration ist noch marginal. Was jedoch Gewicht hat, ist die interne Bevölkerungsstruktur. Die ungarische Minderheit umfasst 1.237.746 Menschen, laut Zensus von 2011 6,5 % der Gesamtbevölkerung, konzentriert in Siebenbürgen (Transilvania), wo sie 18,9 % erreicht. In den Kreisen Harghita und Covasna stellen sie mit 85 % bzw. 74 % die überwältigende Mehrheit, in Mureș oder Satu Mare liegen sie bei etwa 40 % bzw. 35 %. Dazu kommt eine seit Jahrhunderten ansässige Roma-Gemeinschaft mit eigenen Stadtvierteln und einer alltäglichen Präsenz, die vom Ochsenkarren zwischen Müllcontainern bis zum Leben in ihren eigenen Gebieten reicht.

Das Schwarze Meer will Mallorca kopieren

Die Küste ist die andere große Hoffnung. Die Schwarzmeerküste mit dem Zentrum Constanța und ihrem bulgarischen Pendant Sunny Beach bietet Preise, die etwa ein Drittel derjenigen auf Mallorca betragen. Das Problem ist die Saison: Sie konzentriert sich auf Juli und August und ist viel kürzer als die mediterräne, was das Geschäft auf einen engen Sommer und Budget-Tourismus begrenzt.

Mit Diesel bei 2 Euro, Gehältern, die kaum 1.000 Euro erreichen, und einem Wohlstand, der durch fremde Fonds gestützt wird, stellt sich nicht die Frage, ob Rumänien dem Spanien der 90er ähnelt. Sondern ob, wenn die letzte europäische Hilfe wegfällt, mehr übrig bleibt als gute Straßen und Burgen für Touristen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (309 Antworten).

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