Rio de Janeiro 1932: Eine europäische Stadt im Niedergang

Rio war 1932 sauber und geordnet. Das BIP pro Kopf lag doppelt so hoch wie in Spanien. Sechzig Jahre später hat sich das Bild grundlegend gewandelt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rio de Janeiro 1932: Eine europäische Stadt im Niedergang

Rio de Janeiro war 1932 nicht nur eine Postkarte von Stränden und Karneval. Schwarz-Weiß-Bilder zeigen eine saubere, ordentliche Stadt mit einem deutlich europäischen Flair. Straßenbahnen, gepflasterte Gassen, Männer in Anzügen und Hüten, Frauen in eleganten Kleidern. Der Schriftsteller Stefan Zweig, der Brasilien 1938 besuchte, war so beeindruckt, dass er „Brasilien: Land der Zukunft“ schrieb. Damals konkurrierte Rio in der Entwicklung mit jeder Hauptstadt des alten Kontinents, während Madrid nach zeitgenössischen Berichten eine verarmte und erstickende Stadt war.

Daten zum vergleichenden Glanz

1930 hatte Brasilien kaum mehr als 35 Millionen Einwohner. Wäre es im Tempo Spaniens gewachsen, hätte es heute 75-80 Millionen, doch tatsächlich sind es über 200 Millionen. Wie erklärt sich das? Ab den 1930er Jahren stoppte Präsident Getúlio Vargas die Subventionierung der europäischen Einwanderung. Der massive Zustrom von Italienern, Deutschen und Spaniern, der das demografische Profil der Großstädte geprägt hatte, wurde gebremst. Gleichzeitig nahm der ländliche Exodus der lokalen, gemischtrassigen und afrobrasilianischen Bevölkerung in die Städte zu. Rio wandelte sich von einer mehrheitlich europäischen Stadt zu einem Magnet für die Armen aus dem Landesinneren, die sich auf den Hügeln niederließen und die Favelas begründeten.

Der wirtschaftliche Vergleich ist drastisch: 1950 war Venezuelas BIP pro Kopf dreimal so hoch wie das Spaniens. Argentinien, Chile, Uruguay und Kuba übertrafen das spanische BIP pro Kopf locker um das Doppelte. Das iberische Land lag auf dem Niveau Guatemalas. Dieser relative Wohlstand Südamerikas schwand im Laufe der Zeit: Hohe Geburtenraten und fehlende Integration neuer städtischer Massen führten zu sozialen Brüchen, die Jahrzehnte später zu Mord- und Ungleichheitsraten führen, die europäischen Standards widersprechen.

Was geschah mit der Entwicklung?

Dieses Phänomen ist nicht auf Brasilien beschränkt. Venezuela wuchs von 3 Millionen Einwohnern 1930 auf heute mehr als 30 Millionen, mit entsprechendem Druck auf Institutionen und Wirtschaft. Laut einigen Analysen „verelendete“ die Masseneinwanderung die Städte. Die europäischen Eliten, die die städtische Ordnung aufgebaut hatten, wurden demografisch verdünnt, und die neuen Mehrheiten konnten das Human- und Kulturgutkapital, das diese Länder in ihrer Blütezeit auszeichnete, nicht aufrechterhalten.

Nicht alles ist Demografie. Das Ende selektiver Einwanderungspolitik, wirtschaftlicher Populismus und politische Instabilität taten ihr Übriges. Heute sieht man in Rio unmögliche Kontraste: Neben einem Weltklasse-Viertel liegt eine Favela, in der der Staat kaum präsent ist. Im kollektiven Gedächtnis bleibt Hitchcocks Film „Berüchtigt“ (1946), in dem Rio wie eine europäische Stadt wirkte, mit sauberen Straßen und Bürgern in Jackett und Krawatte. Ein Bild, das heute wie von einem anderen Planeten wirkt.

Das verwirrende Faktum: Christus Erlöser wurde 1931 eingeweiht, genau ein Jahr bevor dieses Brasilien die Welt faszinierte. Seitdem wächst die Bevölkerung weiter, aber die durchschnittliche Lebensqualität hält nicht Schritt. Etwas in der Gleichung scheiterte: Entwicklung und Bevölkerungswachstum gehen nicht immer Hand in Hand.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (134 Antworten).

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