Rentner auf den Balearen fordern Aufstockung auf das Mindestgehalt

In Spanien liegen 60 % der Renten unter dem Mindestlohn: Auf den Balearen fordern Rentner eine regionale Aufstockung. Ist das ohne Bruch des Beitragsprinzips machbar?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rentner auf den Balearen fordern Aufstockung auf das Mindestgehalt

Fast 60 % der spanischen Rentner erhalten weniger als 1.221 Euro brutto im Monat, die Schwelle des gesetzlichen Mindestlohns (Salario Mínimo Interprofesional, SMI). Auf den Balearen hat sich eine Gruppe von Rentnern vor dem Parlament (dem Regionalparlament) versammelt, um eine Volksinitiative zu fordern, die eine regionale Aufstockung für alle öffentlichen Renten unterhalb des Mindestlohns schaffen soll. Der Vorschlag, über den 65ymás berichtet, legt die Finanzierungsquelle noch nicht fest, eröffnet aber eine unbequeme Debatte: Soll der Staat garantieren, dass kein Rentner unterhalb des Mindestlohns leben muss, oder würde das das Beitragsprinzip brechen?

Die unbequeme Zahl: sechs von zehn Renten unter dem Mindestlohn
Der Mindestlohn ist auf 1.221 Euro brutto monatlich bei 14 Zahlungen festgelegt. Nach Angaben der Coordinadora Balear para la Defensa de las Pensiones Públicas (balearenischer Zusammenschluss zur Verteidigung der öffentlichen Renten) erreichen 60 % der Rentner diese Summe nicht. Es sind beitragspflichtige und nicht beitragspflichtige Renten, die in vielen Fällen kaum die Grundausgaben decken. Die Initiative will, dass die Regionalregierung der Balearen (Govern balear) öffentliches Geld einsetzt, um diese Beträge auf den Mindestlohn anzuheben – eine Maßnahme, die es in anderen Regionen bereits gibt, etwa als Mütterzuschlag, die hier aber als universelles Recht für alle Rentner mit niedrigem Einkommen gefordert wird.

Die eigentliche Debatte: generationenübergreifende Solidarität oder Unfinanzierbarkeit
Die Wiederbelebung der Rentendebatte löst gegensätzliche Positionen aus. Die einen argumentieren, die Anhebung der Mindestrenten auf den Mindestlohn sei eine Frage der Würde und sozialen Gerechtigkeit: Niemand, der jahrzehntelang Beiträge gezahlt hat, sollte weniger bekommen als ein junger, unerfahrener Arbeitnehmer. Andere warnen vor dem Risiko, Arbeit unattraktiv zu machen: Wenn ein Rentner so viel erhält wie ein Arbeitnehmer mit Mindestlohn, verschwimmt die Grenze zwischen Erwerbstätigen und Rentnern. Einige Vorschläge sehen vor, die Aufstockung durch Kürzung der Höchstrenten zu finanzieren, was ein weiteres Konfliktfeld unter Rentnern selbst eröffnen würde.

Eine stille Legitimitätskrise
Jenseits der Haushaltsarithmetik zeigt der Konflikt eine wachsende Spannung zwischen den Generationen. Das Bild von Rentnern, die mehr Mittel fordern, während Erwerbstätige stagnierende Löhne hinnehmen müssen, schafft einen Nährboden für Ressentiments. Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die Rentner als „die parasitärste Generation“ bezeichnen, oder solche, die ihnen vorwerfen, ihr Wahlmachtsgewicht auszunutzen, um den Staat auszupressen. Die objektive Tatsache bleibt aber, dass das Umlagesystem davon abhängt, dass junge Menschen Beiträge zahlen; die prekären Mindestrenten zu ignorieren heißt, die soziale Spaltung langfristig zu besiegeln.

Die Frage bleibt offen: Kann es sich eine Gesellschaft leisten, dass sechs von zehn älteren Menschen unterhalb der Armutsschwelle leben, ohne dass das System wackelt? Die Antwort liegt weder im Schreien noch im Schweigen, sondern in einer Reform, die niemand auszusprechen wagt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (11 Antworten).

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