Regierungsbeauftragter in Madrid tritt nach Streichung von den PSOE-Wahllisten zurück
Francisco Martín, Regierungsbeauftragter der spanischen Zentralregierung in Madrid, hat seinen Rücktritt eingereicht, nachdem ihn die PSOE von ihren Listen für Abgeordnetenhaus und Senat bei den Wahlen am 29. November gestrichen hatte. Die Entscheidung, die zunächst von der Partei selbst bekannt gegeben wurde, beraubt Martín seiner Immunität in einem Moment, in dem Parteien wie Vox bereits angekündigt haben, Klagen gegen ihn wegen seines Umgangs mit der Protestbesetzung des Plaza de Sol einzureichen. Die Nachricht kam in der Delegation wie ein Schlag: Dort führt man den Rücktritt darauf zurück, dass "die Bedingungen für eine Weiterausübung seiner Verantwortung nicht mehr gegeben seien".
Ein hoher Beamter ohne Mandat und ohne Immunität
Martíns Laufbahn war stets eng mit dem Umfeld von Pedro Sánchez verbunden. Er gründete die Vereinigung Bancal de Rosas, über die er Gelder für den Wahlkampf in den Urwahlen zum Parteivorsitz sammelte. Seine Loyalität verschaffte ihm das Amt des Regierungsbeauftragten in Madrid, einen der heißesten Posten der Regionalverwaltung. Nun hat sich dieselbe Loyalität gegen ihn gewendet: Ohne Mandat verliert er seine Immunität und ist der ordentlichen Justiz ausgesetzt.
Nach einer Rechnung, die unter denen kursiert, die den Parteialltag verfolgen, hätte Sánchez' Führung entschieden, einen hohen Funktionär zu opfern, der sich zum Ballast entwickelt hatte. Die wochenlange Besetzung des Plaza de Sol hat ein Bild polizeilicher Passivität hinterlassen, das die Opposition unermüdlich ausgeschlachtet hat. Vox hat bereits Anzeigen gegen den Beauftragten wegen angeblicher Rechtsbeugung eingereicht, und ohne Immunität ist der Weg vor Gericht nun geebnet.
Der Dolchstoß bei den Urwahlen in Madrid
Der Grund für den Ausschluss ist nicht nur die Besetzung. In der Madrider PSOE unterstützte Martín Enma López gegen Reyes Maroto bei den Urwahlen für die Regionalliste. Dieser Schachzug verschaffte ihm interne Feinde, die – so Parteiquellen – ihre Rechnung im heikelsten Moment präsentiert haben. Rache wird kalt serviert, und in der Madrider Politik erst recht.
Martíns Abgang ist kein Einzelfall. In den letzten Tagen sind auch mehrere stellvertretende Regierungsbeauftragte zurückgetreten, was auf eine Direktive der sozialistischen Führungsspitze hindeutet, um vor einer mehr als wahrscheinlichen Wahlniederlage das Feld zu räumen. Die PSOE sieht sich mit dem Verlust einer gewaltigen Zahl öffentlicher Ämter konfrontiert, und jeder Rücktritt vermeidet zusätzlichen Verschleiß im Wahlkampf.
Die Kette der Rücktritte und die Zukunft der Besetzung
Mit Martín ist die Regierungsdelegation in Madrid in den Händen eines neuen Verantwortlichen, der zwei heikle Erbstücke übernimmt: die Besetzung des Plaza de Sol und den für den 11. November angekündigten Streik. Die Opposition fordert die Räumung des Platzes, doch die Regierung hat es vorgezogen, ein niedriges Profil zu wahren, um die Straße nicht weiter aufzuheizen. Der neue Beauftragte muss entscheiden, ob er den Polizeieinsatz anordnet oder die Passivität verlängert – mit den damit verbundenen politischen Kosten.
Der Rücktritt legt auch die Fragilität handverlesener Amtsträger offen. Ohne Mandat, ohne Immunität und mit einer absehbaren Klage wird Francisco Martín vom starken Mann der PSOE in Madrid zum Privatmann, der sich vor Gericht verteidigen muss. So ist die spanische Politik: Heute tritt man aus Loyalität zurück, morgen muss man aus Pflicht vor Gericht erscheinen.
Die wichtigsten Fakten:
- Francisco Martín tritt als Regierungsbeauftragter in Madrid zurück, nachdem er von den PSOE-Listen für den 29. November gestrichen wurde.
- Die PSOE lässt ihn aus Abgeordnetenhaus und Senat fallen, womit er seine Immunität verliert.
- Vox hat bereits Klagen gegen ihn wegen seines Umgangs mit der Besetzung des Plaza de Sol angekündigt.
- Mehrere stellvertretende Regierungsbeauftragte sind in den letzten Tagen zurückgetreten.
Die offene Frage ist nun, ob der neue Beauftragte die Strategie am Plaza de Sol ändern wird oder dieselbe Untätigkeit wie sein Vorgänger beibehält. Mit den Wahlen vor der Tür zählt jede Entscheidung.