Rechtsaußen-Identitätspartei nach Alvise-Fall ohne Führung

Der Fall um 100.000 Euro Bargeld lässt die spanische Identitätsrechte führungslos zurück und stellt die Frage, wen ihre Wähler nun unterstützen sollen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rechtsaußen-Identitätspartei nach Alvise-Fall ohne Führung
Alvise outet sich als Teil des Systems – niemand weiß, wen man wählen soll

Wen wählt man, wenn der Anführer, der den Bruch mit dem Konsens versprach, selbst mit dem System paktiert? Diese Frage durchzieht eine Diskussion mit 165 Antworten, die mit einer unbequemen Feststellung beginnt: Der Politiker, der sich als Alternative zur Elite präsentierte, verteidigt nun genau jene Gruppen, die er zuvor kritisiert hat. Die vorherrschende Diagnose ist, dass die spanische identitäre Rechte ihren Bezugspunkt verloren hat und das Wählerspektrum keinen Ersatz findet.

Der Auslöser war nicht ideologisch, sondern buchhalterisch. Der am häufigsten genannte Wendepunkt sind die 100.000 Euro in bar, die von einem Unternehmer aus der Krypto-Branche empfangen wurden. Nach den kursierenden Vorwürfen diente dieses Geld dazu, politische Gefälligkeiten zu bezahlen. Die Debatte besteht auf einer technischen Unterscheidung: Steuerhinterziehung ist nicht dasselbe wie der Verkauf von Einfluss, und Letzteres macht den Fall zum Amtsmissbrauch. Korrupt und zudem geizig, fasst eine der wiederkehrenden Botschaften zusammen.

Was geschah mit den 100.000 Euro von Alvise?

Die vom Diskurs rekonstruierte Abfolge hat drei Stationen. Erstens die Bitte um Mittel, die nicht über den Rechnungshof (Tribunal de Cuentas) laufen sollten. Zweitens der Empfang des Bargeldes. Drittens das Versprechen, Schlüsselrolle in einer hypothetischen Koalitionsregierung zu spielen. Für einen Teil der Teilnehmer ist diese Verkettung die wörtliche Definition von Amtsmissbrauch und duldet keine wohlwollende Interpretation.

Die ihm zugeschriebene Verteidigung – es handle sich um eine Privatperson, die einen administrativen Pfusch begehe – wird rundweg abgelehnt: Eine Privatperson hat keine politische Macht zu verkaufen. Das Argument, das den Kreis schließt, ist vergleichend: Wenn man diese Ausrede akzeptiert, gibt es keinen Grund, sich zu empören, wenn sozialistische Wähler ihren Anführer rechtfertigen. Kohärenz, so wird behauptet, ist auf beiden Seiten ein knappes Gut.

Warum die identitäre Rechte ohne Kandidaten dasteht

Die am häufigsten wiederholte Analyse deutet auf eine strategische Bewegung hin, nicht auf eine Bekehrung. Sobald eine radikal-rechte Partei Bekanntheit erlangt, empfiehlt es sich, die identitäre Rhetorik aufzugeben und sich auf die konservative Wählerschaft lateinamerikanischer Herkunft zu konzentrieren: Sie ist religiös, familienorientiert und hat Nachkommen. Die Rechte, die sich als identitär versteht, reproduziert sich hingegen nicht. Demografische Daten werden als Urteil angeführt: Sie haben viele Nachkommen, während ihr keine habt.

Daraus ergibt sich die Frage im Titel. Wenn der Bezugspunkt auf die andere Seite gewechselt ist, wer nimmt seinen Platz ein? Die kursierenden Antworten reichen von massenhafter Wahl der verfügbaren Option bis zur Einsicht, dass es keine gibt. Eine Nachricht fasst die Stimmung zusammen: Die Lösung kommt nicht durch Wählen. Ein anderer fügt hinzu, dass innerhalb des Gesetzes wenig oder nichts getan werden kann.

Migrantenstimmen als politisches Beutegut

Ein roter Faden zieht sich durch die gesamte Diskussion: die Wahlarithmetik. Es wird argumentiert, dass rechte Parteien identitäre Ideen aufgeben, weil die Migranten-Wählerschaft konservativ, religiös und vor allem zahlreich ist. Die daraus gezogene Schlussfolgerung lautet, dass die Rechte, die sich nicht anpasst, zur demografischen Bedeutungslosigkeit verurteilt ist.

Dem gegenüber steht eine Strömung, die vertritt, dass der Erhalt des Landes nicht erfordert, diese Thesen zu teilen. Die Unterscheidung liegt darin, die Nachkommen historischer Emigration zu respektieren versus unkontrollierte Massenzuwanderung zu akzeptieren. Die Nuance ist wichtig: Es ist nicht dasselbe, eine kulturelle Verbindung zu schätzen wie die Tür ohne Bedingungen zu öffnen.

Diskutierte Alternativen und warum sie nicht zünden

Das Repertoire der genannten Namen ist breit, doch keiner überzeugt alle. Es werden Führungskräfte aus anderen europäischen Ländern als Vorbilder genannt – in Frankreich, in Italien, in Katalonien, wird wiederholt, sei die Referenz eine Frau – und geschlossen, dass Spanien etwas Gleichwertiges brauche. Die sofortige Frage lautet: Wo ist diese Person? Niemand zeigt auf sie.

Andere Optionen, die im Gespräch auftauchen, reichen von Arbeiterparteien bis zu Formationen, die nicht zu Wahlen antreten. Das zugrunde liegende Problem, das angesprochen wird, ist, dass der Raum existiert, aber fragmentiert ist und kein erkennbares Leadership bietet. Die am häufigsten wiederholte Schlussfolgerung ist, dass die verwaiste Wählerschaft wählen wird, was verfügbar ist, auch wenn es ihr nicht gefällt.



Mit diesen Zutaten webt sich der Korb fast von selbst: Ein Anführer, der den Bruch mit dem Konsens versprach, eine Wählerschaft, die sich betrogen fühlt, und eine Alternative, die niemand benennen kann. Wenn sie auftaucht, bitte Bescheid geben.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (165 Antworten).

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