Rechte Wähler erwägen Stimme für Pedro Sánchez

Konservative Wähler in Spanien zeigen sich offen für eine Stimme für den sozialistischen Premierminister Pedro Sánchez, vor allem aufgrund seiner Außenpolitik.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rechte Wähler erwägen Stimme für Pedro Sánchez
Rechte Wähler erwägen Stimme für Pedro Sánchez

In der spanischen politischen Debatte der letzten Monate zeichnet sich ein Paradoxon ab: Menschen, die sich selbst als rechts bezeichnen und traditionell Vox oder die PP gewählt haben, erklären nun ihre Bereitschaft, für die PSOE von Pedro Sánchez zu stimmen. Es handelt sich nicht um eine Umfrage oder demoskopische Studie, sondern um ein Phänomen, das in alltäglichen Gesprächen wiederkehrt und sich in einem viralen Nachrichtentext verdichtet hat: «Ich bin rechts und wenn nötig, wechsele ich meine Stimme zum Idioten Sánchez. Spanien wird nicht angefasst». Der Satz, einem anonymen Wähler zugeschrieben, zündete eine Debatte über Außenpolitik, Migration und parteipolitische Entfremdung.

Der Tweet, der alles auslöste

Die ursprüngliche Nachricht reproduziert einen Tweet, in dem sich jemand als rechter Wähler identifiziert und ankündigt, seine Stimme notfalls Pedro Sánchez zu geben. Das zentrale Argument ist weder ökonomisch noch sozial, sondern betrifft die Außenpolitik. «Spanien wird nicht angefasst», heißt es im Text, mit Bezug auf die Haltung der spanischen Regierung gegenüber Israel und den USA. Der Tweet nennt keine konkreten Maßnahmen, aber der Kontext – der diplomatische Kurswechsel der Exekutive in den letzten Wochen – lässt erahnen, worauf sich dies bezieht.

Die Reaktion ließ nicht auf sich warten. Mehrere Nachrichten stellen die Authentizität des Zeugnisses infrage: «Dieser Tweet erinnert mich an die Geschichte vom marokkanischen Taxifahrer, den jeder kennt, den aber nie jemand gesehen hat», ironisiert einer. Andere schreiben es direkt einer Propagandaoperation zu: «Die Bots haben immer weniger Schamgefühl».

Unzufriedenheit mit Vox und der PP

Jenseits des ersten Tweets spiegelt der Thread echte Unzufriedenheit mit der Opposition wider. Eine Nachricht fasst es schonungslos zusammen: «Ich werde Pedro Sánchez nicht wählen, lieber leer, aber ich werde mit großem Ekel PP wählen, nachdem ich lange daran gedacht habe, VOX zu wählen». Die genannten Gründe sind doppelter Natur: die «Anbiederung an die Nnnn und die Vereinigten Staaten» sowie die «Erklärungen von VOX, die beim Thema Stoppen der Migration zurückrudern».

Dieses Argument taucht in mehreren Beiträgen auf. «Vox ist zu lasch, also wählt man direkt die Fortschrittspartei», fasst ein anderer zusammen. Der Vorwurf der Weichheit erstreckt sich auch auf die PP: «Die PP ist genauso ein Speichellecker wie Vox bei Israel», behauptet ein Dritter, der rät, die Falange zu wählen, «die zumindest konsistent in ihrer Rhetorik sind».

Außenpolitik als Wahlachse

Der diplomatische Kurswechsel der Regierung ist das am häufigsten genannte Argument zur Rechtfertigung des Stimmwechsels. Eine Nachricht führt dies detailliert aus: «Pedro Sánchez betreibt dieselbe Außenpolitik wie unter Franco: Ablehnung Israels, Grenzen setzen für die USA, Freundschaft mit muslimischen Ländern». Derselbe Text zählt vermeintliche Erfolge auf: «hervorragende Beziehungen zu China», «Gasversorgung aus Algerien», «militärische und technologische Zusammenarbeit mit der Türkei».

Nicht alle teilen diese Analyse. Einige halten sie für Fassade: «Dass es Fassade ist, habe ich gesagt, dass er kein echter Anti-Proge ist. Aber in zwei Wochen hat er mehr anti-proge Dinge getan als Vox und PP jemals». Die Diskussion driftet hin zur Definition dessen, was es bedeutet, in Spanien rechts zu sein.

Migration: Der Faktor, der alles verkompliziert

Das Migrations-Thema durchzieht die Debatte und verspannt sie. Eine Nachricht behauptet, «es gibt 5 oder 6 Millionen Latin in Spanien und die meisten mit Staatsbürgerschaft oder weniger als 2 Jahre davon entfernt. Ohne ihre Stimmen gibt es keinen Wahlsieg». Ein anderer fügt hinzu: «Was verloren ist, ist verloren, aber jetzt geht es darum, nicht im schlechtesten aller möglichen Zukünfte zu enden».

Der Widerspruch ist offensichtlich: Manche, die überlegen, PSOE zu wählen, tun dies trotz ihrer Migrationspolitik, nicht wegen ihr. «Wäre da nicht das Migrations-Thema, würde ich ihn wählen», gesteht eine Nachricht. «Ich glaube es, ich kenne viele, die zweifeln, die ohne das Migrations-Thema Sánchez wählen würden», bestätigt ein anderer.

Stimme als Strafe und Entfremdung

Der Thread reflektiert auch ein breiteres Phänomen: die Stimme als Werkzeug der Bestrafung der eigenen natürlichen Option. «Ich habe mein Leben lang weder PSOE noch PP gewählt. Seit ich wahlberechtigt bin, habe ich gewählt: UpyD, Podemos (als sie bei den Europawahlen antraten) und Vox vor 4 Jahren. Aber jetzt stehe ich fest, dass ich PSOE wählen werde, wenn Pedro Sánchez weiter an der Spitze steht», schreibt ein Teilnehmer.

Die Entfremdung ist nicht auf ein Lager beschränkt. «Was hat Feijóo in diesen 4 Jahren getan, um Präsident zu werden?», fragt ein anderer. «Jedes Mal wenn Feijóo öffentlich spricht, sinkt er mehr als gültiger Kandidat».

Ein reales Phänomen oder koordinierte Operation?

Der Verdacht der Manipulation zieht sich durch den gesamten Thread. «Hier sammeln wir diese Nachrichten, die synchron über Nacht auftauchten», sagt eine Nachricht, die auf eine Sammlung verlinkt. «Das sind bezahlte Cyber-Freiwillige der PSOE, finanziert mit dem Geld, das euch durch Steuern gestohlen wird», behauptet ein anderer.

Die Zweifel bleiben bestehen: Gibt es einen realen Übertritt rechter Wähler zur PSOE oder ist es eine Illusion, verstärkt durch koordinierte Accounts? Die verfügbaren Daten lassen dies nicht klären. Was die Debatte jedoch zeigt, ist, dass Außenpolitik und Migration aufgehört haben, Nebenschauplätze des Programms zu sein, und zur Achse geworden sind, die die Stimme eines Teils der Wählerschaft bestimmt. Reicht dieser Unmut, um Sitze zu bewegen, oder bleibt es nur Netzlärm?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (108 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver