Rauchen im Unterricht: Das alte Spanien ist verschwunden

Rauchen im Bus, Dating ohne Apps und Preise in Peseten: Alltägliche Dinge der 80er und 90er Jahre wären heute in Spanien kaum vorstellbar.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rauchen im Unterricht: Das alte Spanien ist verschwunden
Vom Rauchen im Bus bis zum Dating ohne Apps: Was sich geändert hat

Ein Cola-Cao-Werbespot aus dem Jahr 1995 zeigte eine Gruppe weißer Menschen, die einen Text sangen, der heute als klassisches rassistisches Stereotyp gelesen würde. Im Jahr 1998 sangen Fußballspieler afrikanischer Herkunft dieselbe Melodie, ohne dass es jemand als Demütigung registrierte, so beginnt diese Sammlung. Der Kontrast zur Gegenwart ist das zentrale Thema: Was damals Alltag war, löst heute Gewaltprotokolle und sportliche Sanktionen aus. Die Frage ist nicht, ob sich Spanien verändert hat – das hat es. Die Frage ist, was mit dem Wandel verloren gegangen ist.

Der Werbespot von 1995, der heute durch kein Filter käme

Werbung ist der gnadenloseste Spiegel einer Epoche. Ferienlager mit Besetzungen, in denen kein einziges Gesicht vom Durchschnitt abwich, Reiswerbespots, die eine asiatische Figur karikierten, Supermarktkampagnen, in denen eine Managerin putzte, ohne dass ein Verband die Stimme erhob. Mit heutigen Maßstäben betrachtet ist jedes Stück ein Aktenordner, der darauf wartet, geöffnet zu werden.

Die Liste endet hier nicht. Ein paar Stifte von Staedler oder Faber-Castell zur Erstkommunion zu schenken, war ein Klassiker des Schulrituals, als billiges Importmaterial den Markt noch nicht überflutet hatte. Und in den Ferienlager-Spots malten Kinder den Gartenzaun, sonst nichts. Heute würde dieselbe Einstellung als Kinderarbeit und als Erklärung darüber, wer im Bildschirm erscheint und wer nicht, gelesen werden.

Fußball, Lieder und eine verschobene Schwelle

Der glatteste Boden ist der Fußball. Im Gegensatz zu Ende der Neunziger, als Spieler die Spot-Melodie sangen, ohne dass es einen Skandal gab, führt ein solcher Gesang heute zur Schließung des Stadions für drei oder vier Spiele, je nach dominanter Lesart am Anfang dieses Vergleichs. Der Maßstab misst nicht mehr gleich, und das ist in alle Richtungen unbequem.

Mit der Musik verhält es sich ähnlich. Loquillo, der „La cancelar“ herausbringt, Ramoncín, der Hallen füllt, ohne ein Cover-Icon zu sein, ein vulgär betiteltes Lied, das ohne Aufsehen im öffentlichen Fernsehen läuft, Sabrina, die eine Brust zeigt und damit zum Staatsangelegenheit wird. Heute erzeugt jeder dieser Episoden eine Pressemitteilung, eine Entschuldigung und ein paar Rücktritte. Damals höchstens eine Schlagzeile.

Das Fernsehen, das sendete, ohne um Erlaubnis zu bitten

Die Sender machten ihre Arbeit ohne Styleguide. Gruppen erschienen unter unwürdigen Bedingungen auf dem Bildschirm, regionale Sender drehten mit Personal, das sich Luft zufächelte, weil es im Studio keine Klimaanlage gab. Die Debattensendungen jener Zeit werden heute wie Archäologie betrachtet: Respektierte Redezeiten, Argumente statt Parolen, ein Ton, den man im aktuellen Programm nur schwer wiederfindet. Für einen Teil des Publikums war ein bestimmter Privatsender direkt ein Wunder.

Preise in Peseten, die heute wie ein Witz klingen

Die Preisarchäologie hat ihre eigene Metrik. Hauswein wurde für 4 oder 5 Peseten serviert, ein Cuba Libre kostete 25 und ein Glas mit Verzehrrecht 50. Die Biere an der Universität gingen für zehn Duros. Zur Rekonstruktion der Äquivalenzen: Ein Duro waren fünf Peseten und vier reales, eine Peseta, daher kommt die alte Warnung vor dem, der duros a cuatro reales verkauft. Tausend Peseten waren ein Vermögen, und damit bezahlte man einen ganzen Abend. Wer diese Zahlen in Euro übersetzt, versteht sofort, warum Nostalgie so gut verkauft.

Überall rauchen und Kinder allein auf Brachland

Der Rauch war überall: im Bus, im Klassenzimmer, im Kino, an der Bartheke und im Büro selbst. In den Dörfern blieben die Haustüren offen, ohne dass jemand einbrach. Die Kinder snackten Brot mit Wein und Zucker, oder mit Orujo an Feiertagen, und spielten auf Brachland mit zwei Steinen als Torpfosten, ohne Schiedsrichter, ohne Uniform und ohne Eltern, die am Rand schrien. Das Kicken wurde spontan organisiert, ohne vorherige Anmeldung.

Es gab auch eine soziale Grammatik, die verdunstet ist. Ein Jugendlicher sprach den Erwachsenen höflich an, der sich näherte. Männer und Frauen fanden zusammen, bekamen Kinder und das nannte man Familie. Schulen trennten nach Geschlecht und nach dem Unterricht betete man ein Ave Maria. Jedes dieser Details klingt isoliert wie Science-Fiction.

MSDOS, Telefonzellen und Dating ohne App

Technologie war physisch und laut. Man lernte Informatik mit MSDOS, telefonierte aus Zellen oder Münztelefonen an der Theke, suchte Kontakte in weißen, gelben oder rosa Verzeichnissen, schickte Faxe und druckte auf Endlospapier. Niemand merkte sich Passwörter, weil es kaum welche gab. Und ohne Video-on-Demand hatte es keine Konsequenzen, klassische Musik mit einer Luis-Cobos-Platte zu zerhacken: Es gab keinen Weg, die Blasphemie zu überprüfen.

Dating hatte seine eigene Logistik. Ohne Tinder oder ähnliche Apps tat man es im TV, auf der Straße oder im angesagten Club, und das Ergebnis hing von Chuzpe und Timing ab. Ein nicht einvernehmlicher Kuss im Club endete, der Erinnerung im Thread zufolge, maximal mit einer Ohrfeige, und derselbe Vorfall wird heute mit radikal anderen Parametern bewertet.

Bleibt die unbequeme Frage: War dieses Spanien besser? Die ehrliche Antwort ist nein, aber es war auch nicht dasselbe Spanien, und genau darüber wird diskutiert. Die Stereoanlage im Wohnzimmer, das Weinglas für fünf Peseten und das Ave Maria nach der Schule beschreiben ein ausgestorbenes Land. Welcher Teil dessen, was ging, Freiheit war und welcher Teil einfach Skrupellosigkeit, bleibt ungelöst.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (488 Antworten).

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