Putsch in Niger bedroht französisches Atomkraft-Uran

Der Putsch in Niger gefährdet die Uranversorgung der französischen Atomenergie. Auch Spanien importiert dort, doch bezieht knapp 29% aus Russland.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Putsch in Niger bedroht französisches Atomkraft-Uran
Niger, Uran und die Stromrechnung, die Europa nicht sehen will

Niger ist kein abgelegenes Thema mehr. Der Staatsstreich, der Mohamed Bazoum absetzte, hat das Land in den Mittelpunkt eines Energiekonflikts gerückt, der Frankreich, Europa und indirekt auch Spanien betrifft. Die ECOWAS stellte ein siebentägiges Ultimatum zur Wiedereinsetzung des Präsidenten und drohte mit militärischer Intervention. Niemand wurde wiedereingesetzt. Die Frist dehnte sich jedoch so weit, dass sie zu einem echten Ultimatum im besten Sinne wurde.

Als nahezu sicher galt, dass die bestehenden Verträge für nigrisches Uran nach Europa beendet sind. Es ist kein gewöhnliches Mineral: Es ist eines der Elemente, die den französischen Atompark stützen und damit den Strompreis jenseits der Pyrenäen bestimmen.

Das Uran, das jede dritte französische Glühbirne zum Leuchten bringt

Die Abhängigkeit besteht seit langem. Nach einer verbreiteten Berechnung nutzt eine von drei Glühbirnen, die Franzosen mit Atomenergie betreiben, nigrisches Uran, obwohl dieser Anteil gegenüber den Daten von 2021 leicht gesunken ist. Zwei Minen mitten in der Wüste, Somair und Cominak, betrieben von Areva, machten zusammen zwei Drittel der weltweiten Produktion des Konzerns aus. Aus diesen Lagerstätten speiste sich letztlich ein Drittel der 58 französischen Atomreaktoren, die 75% des Landesstrom produzieren.

Dieses Asset zu sichern, ist keine Laborhypothese. Im Jahr 2013, während die französische Luftwaffe sarracinistische Stellungen im Norden Malis bombardierte, wurde eine Spezialeinheit der Gendarmerie ins Nachbarland Niger entsandt, um eine der größten Uranminen des Landes zu schützen – ein Ziel, das vom damaligen nigrischen Präsidenten bestätigt wurde. Niger teilt mit Mali eine Grenze von 840 Kilometern und steht auf dem fünften Platz der weltweiten Produzenten.

Woher bezieht Spanien sein Uran für die Kernkraftwerke?

Die Kernenergie deckt etwa 20% der spanischen Stromerzeugung ab, und der Brennstoff stammt nicht aus eigenen Minen. Laut Enusa-Daten von 2021 importiert Spanien 34,4% aus Kasachstan, 29,1% aus Russland, 14,6% aus Usbekistan, 12,6% aus Kanada und 9,3% aus Niger. Übersetzt: Der Großteil der Tonnen kommt aus Ländern, die nicht zum westlichen Club gehören.

Manche sehen in dieser Verteilung einen Widerspruch, der schwer zu verkaufen ist: Das gleiche Europa, das den Gashahn aus Russland zugedreht hat, kauft weiterhin Uran aus Moskau und dessen Einflusszone. Daher lautet die Frage nicht nur, wie viel nigrisches Mineral verloren geht, sondern wer die Lücke füllen würde. Man deutet auf die USA hin, die eigenes Uran produzieren und einst Abbau-Rechte an russische Interessen abgetreten hatten.

Militärischer Konflikt: ECOWAS-Ultimatum und Bremse durch den nigrischen Senat

Die regionale Antwort hat sich gleichermaßen verhärtet und aufgelockert. Die ECOWAS schloss ihr Treffen der Generalstabschefs in Abuja mit der Erklärung, dass „die Elemente einer möglichen Intervention entwickelt wurden, einschließlich der notwendigen Ressourcen, aber auch der Art und Weise und des Zeitpunkts, wann wir die Truppe einsetzen werden“. Der US-Außenminister Antony Blinken lobte die Führung der westafrikanischen Anführer, und der französische Außenminister erklärte, Paris und Washington seien der „Wiederherstellung der Demokratie“ in Niger verpflichtet.

Aber die Stärke ist keineswegs klar. Der Senat von Nigeria lehnte die militärische Intervention unter ECOWAS-Mandat ab. Der Tschad kündigte an, nicht einzugreifen. Senegal hingegen erklärte, es werde Truppen senden, wenn die Gemeinschaft interveniere. Russland forderte derweil Dialog, während über die Ankunft eines Wagner-Teams aus Bamako spekuliert wurde.

Gold, CFA-Franc und eine 2.000 Kilometer lange Pipeline

Uran ist nicht das einzige Spielstein. China plante, noch in diesem Jahr die Niger-Benin-Pipeline fertigzustellen, die mit fast 2.000 Kilometern Afrikas größte wäre und eine lebenswichtige Einnahmequelle für beide Regierungen darstellt. Nigeria, besonders kampflustig gegenüber der Junta, sähe es gern, wenn die Route durch sein Territorium führte, um Mautgebühren zu erheben.

Hinzu kommt das Geld. Es kursieren Berichte ohne zuverlässige Quelle über die Schließung des Hahns für nigrisches Gold, in einem Kontext, in dem die Goldreserven afrikanischer Staaten in Paris gehalten werden müssen und Frankreich Rechte an der Emission der westafrikanischen Währung besitzt. Der CFA-Franc wurde kritisiert, weil er die wirtschaftliche Planung der Region „nahezu unmöglich“ mache.

Wer profitiert vom Erdbeben in der Sahelzone?

Burkina Faso, Mali und Niger haben eine gemeinsame Front aufgebaut: Jede westliche Intervention wird als Angriff gegen alle drei betrachtet. In diesem Rahmen wird der Putsch als antiwestlicher Bewegung gelesen, wobei Moskau und Peking indirekte Profiteure sind. Eine unbequemere Lesart besagt, dass die Unzufriedenheit nicht aus der Geopolitik erwächst, sondern aus der Plünderung von Ressourcen und einer jahrzehntelangen monetären Bevormundung.

Niemand weiß, was in den nächsten Tagen in Niger geschehen wird. Sicher ist jedoch, dass das europäische Energiespielbrett gerade einen kaum zu verbergenden Schock erhalten hat. Wenn die Intervention stattfindet, ist das Schicksal des Urans nebensächlich. Und wenn sie ausbleibt, bleibt die Frage offen, nur mit mehr Zeit zur Beantwortung: Wie lange braucht Europa, um einen anderen Lieferanten zu finden, der ihm die Energie verkauft, die ihm unangenehm geworden ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (205 Antworten).

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