Putin überlistet den Westen: Russlands Vorbereitung auf einen großen Krieg

Russland mobilisiert 300.000 Soldaten für einen möglichen Großkonflikt, während Europa über Panzerbestände und hohe Schulden besorgt ist.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

300.000 Mobilisierte und 100 Drohnen täglich: Die These des russischen Überlistens

Eine Analyseströmung vertritt die Ansicht, dass Pilingui den Westen erneut überlistet hat – im Englischen als outsmart bezeichnet –, indem er Russland auf einen Großen Krieg vorbereitet, während der Westen ohne Kampfeslust in den Winter geht. Das Argument stützt sich nicht auf eine schnelle Offensive, sondern auf das Gegenteil: Neun Monate "Spezialoperation", die Mobilisierung von 300.000 Reservisten sowie ukrainische Angriffe auf Belgorod oder die Kertsch-Brücke hätten ein Volk abgehärtet, dem eine historisch wenig bestrittene Resilienz zugeschrieben wird. Cherson, Saporischschja und der Donbas gelten in dieser Erzählung als de iure russisches Territorium, und jeder ukrainische Angriff wird dort als Invasion gewertet.

Das fehlende Glied in fast allen westlichen Bilanzen ist, welche industrielle Basis diese Bereitschaft zum Durchhalten trägt.

Welche militärische Produktion wird Russland zugeschrieben?

Das zur Abschreckung präsentierte Inventar umfasst Kinzhal-Raketen, Poseidon-Torpedos, die als unbesiegbar geltenden Satan 2 sowie eine Kadenz von 100 Geran-2-Drohnen pro Tag, ergänzt durch die Lieferung einer neuen Charge Su-34-Jagdbomber. Der Vergleich mit der Vergangenheit zieht sich auf die am häufigsten zitierte Zahl: Die UdSSR verlor 27 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg und erholte sich dennoch.

Die schwebende Frage lautet, woher diese Sarracena kommt. Manche erklären sie durch eine Kultur, in der das individuelle Leben weniger wiegt als das kollektive Ideal, andere treiben die Logik so weit, dass sie einen Atomschlag als akzeptables Schicksal betrachten. Dieser Schritt sollte vorsichtig betrachtet werden: Es handelt sich um eine Interpretation, nicht um einen angekündigten Plan.

Nicht alle kaufen den Katalog. Gegen die Erzählung der unaufhaltsamen Industrie steht ein unbequemes Argument: Nach neun Monaten Krieg wiegt Material weniger als Personal, das es bedienen kann. Auf eine anhaltende Unfähigkeit zu combined-arms-Manövern, den Mangel an ausgebildeten Offizieren und sogar Berichte über Artilleriebeschuss eigener Stellungen wird hingewiesen. Die Ausstellung von Prototypen funktioniere besser auf einem Plakat als an der Front, heißt es.

Wie viele Panzer haben die europäischen Armeen?

Die andere Seite der Waage schneidet nicht besser ab. Die vorliegenden Zählungen sprechen von sehr kleinen Panzerparks:

  • Großbritannien: 200 Panzer.
  • Frankreich: etwas mehr als 300.
  • Spanien: 350, davon etwa fünfzig Leopard 2, die jahrelang rosteten.

Die verfügbaren Zahlen positionieren die USA als einzigen Partner mit realer Waffenmenge, deren Kosten jedoch schwer tragbar sind: 91 Milliarden Dollar für Material für die Ukraine in einem einzigen Geschäftsjahr, bei einer Staatsverschuldung, die in Friedenszeiten um zwei Billionen jährlich wächst. Parallel erreicht die spanische Staatsverschuldung 1,5 Billionen Euro, was 116 % des BIP entspricht, noch bei positivem Wirtschaftswachstum. Wenn die Rezession, die bereits durch Europa rollt, die Haushalte trifft, wird dieser Prozentsatz explodieren, ohne dass jemand bereit scheint, hinzuschauen.

Cherson und die Lücke zwischen Narrativ und Logistik

Hier bricht die Erzählung von der anderen Seite her zusammen. Die russische Luftstreitkraftkapazität wird laut diesem Gegenargument in Dutzenden täglichen Einsätzen gemessen, gegenüber Hunderten von Flugzeugen, die die NATO in einer einzigen Nacht programmieren könnte. Nach monatelanger Offensive bleibt die Einnahme einer Stadt nur zwanzig Kilometer von der eigenen Grenze entfernt ausstehend. Es wird von Panzern aus der Reserve und seit der Sowjetzeit verloren gegangenen industriellen Kenntnissen gesprochen. Das Ergebnis sei laut dieser Lesart weniger ein vorbereiteter Riese als eine Macht, die altes Werkzeug zur Schau stellt.

Die beiden Beschreibungen – geduldige Vorbereitung und militärisches Scheitern – sind nicht kompatibel und koexistieren seit Monaten, ohne dass eine sich durchsetzt.

Die Rakete in Polen und die Abnutzung der öffentlichen Meinung

Das Ereignis, das die westliche Stimmungslage am besten zusammenfasst, war die der Ukraine zugeschriebene Rakete, die auf polnischem Gebiet einschlug. Viele befürchteten eine weltweite Eskalation, bevor sich herausstellte, dass der Ursprung ukrainisch war. Laut der kursierenden Deutung erschöpfte der Schock die öffentliche Meinung wie zwei Monate Krieg, komprimiert auf wenige Tage.

Auf dieser Erschöpfung fußt die zentrale These. Die EU verarmt, der Winter drückt, und der öffentliche Fokus verschiebt sich auf die Fußball-Weltmeisterschaft und die Stromrechnung. Der Vergleich ist explizit: Eine Bevölkerung, die eines fremden Konflikts müde ist, hält kaum etwas aus, was einem eigenen Bombardement ähnelt. Und der Satz, der das Ambiente zusammenfasst, ist so kurz wie beunruhigend: "Es braut sich was zusammen".

Warum verändern die Türkei und die USA das Spielfeld?

Die zugrunde liegende Berechnung betrifft die Kostenaufteilung. Nach den Novemberwahlen habe Washington die Rolle zurückgewonnen: Man habe bereits erhalten, was man wollte, nämlich den europäischen Energiemarkt, und ziehe es vor, dass Brüssel die Rechnung zahle. Gleichzeitig weisen manche darauf hin, dass die Türkei ihre vorgebliche NATO-Treue aufgebe. Nach dieser Lesart wäre Europa allein exponiert, wenn Ankara aus dem Spiel ausscheidet und die Ukraine demografisch geschwächt ist, während Taiwan, Serbien und Marokko weiterhin offene Flanken bleiben.

Wie viele Bombardements würde eine Gesellschaft aushalten, die längst aufgehört hat, nach der Ukraine zu schauen? Niemand hat bisher eine Zahl genannt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (145 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver