Private Rechnung: Ein 200-Gramm-Brot kostet angeblich nur 9 Cent

Ein Forumsnutzer behauptet, ein 200-Gramm-Brot zu backen koste 9 Cent, und der Verkauf für 20 lasse 100 % Marge. Die spanische Bäckerinnung widerspricht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Private Rechnung: Ein 200-Gramm-Brot kostet angeblich nur 9 Cent
Private Rechnung: Ein 200-Gramm-Brot soll angeblich nur 9 Cent kosten

Eine hobbyhaft erstellte Rechnung, die in einem Forum kursiert, behauptet, dass Brot backen zu Hause 15 Cent pro 250-Gramm-Laib kostet und dass ein professioneller Bäcker den 200-Gramm-Laib für nur 9 Cent herstellen könnte. Der Schlüssel liege laut dieser Rechnung im Preis der Rohstoffe. Mehl aus dem Großhandel und Frischhefe in Großpackungen würden die Kosten drücken, während der Privatverbraucher im Supermarkt mehr zahlt. Mit diesen Zahlen würde ein Verkaufspreis von 20 Cent eine Marge von 100 % lassen, so dieselbe Rechnung. Die Debatte mündete in Vorwürfen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit der Branche.

Die Rohstoffe: die Kluft zwischen Bäcker und Verbraucher

Die Aufstellung, die im Umlauf ist, ist eindeutig. Ein Privatverbraucher kauft Mehl im Supermarkt zum Endverbraucherpreis und Frischhefe woanders zu einem hohen Preis. Ein 250-Gramm-Laib kostet ihn 15 Cent, so diese Rechnung. Ein Bäcker dagegen würde das Mehl direkt ab Fabrik und die Hefe in Großmengen kaufen. Die Kosten würden einbrechen. Die Rechnung, die kursiert: Ein 200-Gramm-Laib kann für 9 Cent herauskommen, inklusive Wasser, Salz und Strom zum Nachttarif. Der Unterschied sei keine Magie, sondern Skaleneffekt, so die Vertreter dieser Schätzung.

Wasser und Salz sind vernachlässigbar. Strom mit Zeitzonentarif ebenfalls. Ein Forumsnutzer rechnet vor, dass ein Haushaltsbackofen in einer Stunde 2 kW verbraucht, was 0,1272 Euro entspricht. Ein industrieller Bäckereiofen hätte 25 oder 30 kW Leistung, backt aber hunderte Laibe gleichzeitig. Die Energiekosten pro Einheit würden sich verteilen. Die komplette Rechnung, Posten für Posten, ergebe eine überraschende Marge, so diese Version.

Die Arbeitskraft: das umstrittene Argument

Der erste Einwand ist immer derselbe: Und die Arbeitskraft? Wer die Rechnung verteidigt, hält den Prozess für automatisiert. Eine Industrieknetmaschine würde die Schwerstarbeit erledigen. Ein Angestellter müsste die Portionen nur in den Ofen schieben und wieder herausnehmen. Das Kneten kostet einen Bäcker praktisch nichts, so diese Version, und der Stromverbrauch würde in Bruchteilen von Cent gemessen. Gären würde nichts kosten, nur die Hefe. Backen wäre billig. Die Optimierung wäre maximal.

Wer zu Hause Brot backt, investiert 10 Minuten vor dem Losgehen und programmiert den Ofen vor. Bei der Rückkehr hat man zwei frische Laibe. Ein Bäcker hätte den gesamten Prozess industrialisiert. Der Arbeitsaufwand pro Laib wäre minimal, so diese Position. Andere Teilnehmer halten dagegen, dass der Preis Löhne, Miete, Selbstständigenabgaben und Versicherungen decken muss und dass das eine Marge von 300 % auf die Produktionskosten nicht rechtfertigt.

Die „Brotmafia“: wenn Konkurrenz bestraft wird

Ein Forumsnutzer behauptet, in Spanien sei man Wettbewerbsfähigkeit nicht gewohnt, und wenn jemand den Preis senkt, falle die Innung über ihn her. Der Verkauf für 20 Cent hat einen Angriff der Bäcker ausgelöst, so seine Darstellung. Man behauptet, man könne damit kein Geld verdienen. Falsch, sagt er. Bei 9 Cent Kosten würde ein Verkaufspreis von 20 Cent eine Marge von 100 % lassen. Ein Bäcker, der für 9 Cent produziert und an die Konditorei für 23 verkauft, hätte bereits 14 Cent verdient. Die Konditorei, die für 35 weiterverkauft, würde 12 mehr verdienen. Die Kette würde funktionieren, so diese Rechnung.

Der „Mafia“-Vorwurf ist kein bewiesener Fakt. Ein Teilnehmer argumentiert, dass sich Bäcker treffen und Preise festlegen. In Toledo sei Brot teurer als in Madrid. In Torrent würden alle Bäckereien für 80 Cent verkaufen, bis jemand auf 20 gesenkt habe. Die Reaktion sei sofort erfolgt. Die „Brotmafia“ würde auf lokaler Ebene agieren, mehr Maßstab brauche es nicht. Niemand fährt für einen Laib in eine andere Provinz. Die Marktkontrolle wäre total, so diese Version.

Das eigentliche Geschäft: Konditorei und Zusatzangebote

Brot wäre nicht das Geschäft. Das große Geld verdienen sie in der Konditorei, so ein Teilnehmer. Brot wäre ein Köder, um Kunden anzulocken. Supermärkte würden Brot zum Einstandspreis verkaufen, damit man den Rest dort kauft. Der Herr, der das Brot in Torrent auf 20 Cent gesenkt hat, betreibe ein Café. Er würde nicht vom Brot leben, sondern von dem, was dazu gegessen wird. 100 Laibe am Tag für 20 Cent wären 12 Euro Gewinn. Das würde die Miete nicht bezahlen. Aber es würde 100 Kunden anziehen, die Kaffee und Gebäck kaufen.

Die Strategie wäre klassisch. Carrefour macht dasselbe mit Milch und Öl. Es verkauft billig, damit man hereinkommt. Die Marge liegt woanders. Traditionelle Bäcker könnten damit nicht konkurrieren. Entweder sie senken die Preise und opfern Marge, oder sie halten die Preise und verlieren Kunden. Der Preiskampf wäre eröffnet.

Die Zukunft der Innung: Qualität oder Schließung

Der einzige Ausweg wäre die Qualität. Supermarktbrot ist nicht dasselbe Produkt wie Brot aus einer traditionellen Backstube, so ein Teilnehmer. Aber die Verbraucher wären es gewohnt, wenig zu zahlen. Das vor gebackene Supermarktbrotden Laib gäbe es für 30 Cent. Den aus der Backstube für 80. Der Unterschied läge im Prozess, in der Gärung, in der Zeit. Der Durchschnittsgaumewürde es nicht merken. Oder wollte es nicht merken.

Bäckereien, die sich nicht anpassen, werden schließen. Oder aufgekauft. Die Konzentration der Branche wäre unausweichlich, so ein Teilnehmer. In der Zwischenzeit würden die Verbraucher vom Preiskampf profitieren. Brot für 20 Cent wäre in manchen Städten Realität. In anderen bliebe es bei 80. Der Unterschied läge nicht bei den Kosten, sondern bei der Macht der lokalen Innung. Bis wann?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (82 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver