Priester nennt Spanien mitten in der Predigt eine „linksdiktatorische“ Herrschaft
Achtzig Menschen saßen in einer Basilika, drei standen auf und gingen. Die Szene begann nicht mit einem Skandal, sondern mit einem Satz: In der Predigt nach den Lesungen bezeichnete der Priester Spanien als linksgerichtete Diktatur. Ein Kirchgänger antwortete von seiner Bank aus, der Priester erhöhte seine Stimme, um ihn zu übertönen, und für eine halbe Minute gab es im Tempel zwei Stimmen gleichzeitig und keine Stille. Am Ende ging der Mann, zwei Frauen erhoben sich hinter ihm, und der Rest der Gemeinde – siebzig oder mehr Personen – blieb reglos sitzen und schaute zu.
Es kam nichts weiter. Kein Applaus, keine Rufe der Unterstützung, keine zweite Runde. Und genau das ist auffällig: In einem Land, in dem fast jede politische Diskussion schreiend endet, entschied sich die Mehrheit der Anwesenden für Untätigkeit. Das Foto zeigt recht deutlich, was passiert, wenn Kanzel und Wahlkampfveranstaltung dasselbe Podium teilen, und wie lange eine Pfarrei aushält, bevor sie ihre Sitze verlässt.
Was geschah in der Basilika während der Homilie?
Der Priester beendete die Lesungen und wechselte statt deren Auslegung zur aktuellen Tagespolitik. Der Satz über die linksgerichtete Diktatur fiel in diesem Abschnitt. Ein Kirchgänger antwortete lautstark. Der Pfarrer hob stattdessen seinen Ton an, und der Widerspruch endete damit, dass er den Tempel verließ. Die Abgehenden taten dies einzeln, ohne Hetzrede und ohne Plakate: zuerst er, dann zwei Frauen.
Das Ausmaß des Vorfalls lässt sich leicht zusammenfassen: achtzig Besucher und drei Abgänge. Keine größeren Zwischenfälle, keine Interventionen durch andere. Einige der Verbliebenen stimmen in etwas wenig Epischem überein: Sie klatschten weder dem Priester noch dem Schreienden Beifall, sie wollten einfach, dass die Sache schnell beendet würde.
Ist die Homilie eine Wahlkampfveranstaltung? Der häufigste Vorwurf
Nein, und hier treffen sich Leute, die sonst selten zusammenkommen. Der vorherrschende Vorwurf diskutiert nicht die Ideologie der Predigt, sondern Ort und Zeitpunkt. Wer zur Messe geht, erwartet eine Reflexion über die Lesungen des Tages oder das betreffende Fest; wer aktuelle Analysen will, hat Radio. Es gibt sogar Argumente, die den Punkt ansprechen, der in einer Pfarrei am meisten wehtut: Wenn man verlangt, dass politische Vorträge in Schulen oder Gesundheitszentren keine Finanzierung erhalten, sollte dieselbe Maßgabe auch für den Altar gelten. Wörtlich angewandt, lässt diese Logik keinen Stein auf dem anderen.
Die Verteidigung des Pfarrers steht dem nicht nach: Wenn Politik das gesamte Leben eines Menschen bestimmt, ist es zumindest seltsam, zu verbieten, sie an dem einzigen Ort zu erwähnen, wo über ihren letzten Sinn gesprochen wird.
Kirchgang als Indikator für die Predigtkraft
Die besetzten Bänke sagen mehr als jede Umfrage. Es gibt einen Fall, der als nahezu perfekter Kontrast dient: Eine Pfarrei, in der der vorherige Pfarrer etwa 40 Gläubige versammelte, und in der der jetzige, drei Jahre später, an manchen Tagen nicht mehr als 12 hat. Der Titel dieser anderen Pfarrei deutet auf eine Homilie hin, die stärker auf gesellschaftliche Diskurse als auf Doktrin ausgerichtet ist, und das Ergebnis sind weniger Menschen im Kirchenschiff. Das heißt: Die ideologische Schlagseite der Predigt wirkt nicht immer in die erwartete Richtung, und ein Übermaß an Polemik leert die Kirche genauso wie ein anderes. Die Basilika des Hauptvorfalls hatte achtzig Besucher, also gibt es hier kein Gesetz.
Glaube und Politik: Was wirklich zur Debatte steht
Hier trennen sich die Positionen tatsächlich. Eine Strömung vertritt, dass Glaube und Parteipolitik getrennte Bereiche sind und dass ihre Vermischung ersteres beschmutzt: Gebt Gott, was Gottes ist, dem Kaiser, was des Kaisers ist, und der Sakristei, was ihr zusteht. Eine andere entgegnet, dass Politik alles durchdringt – Aufstehen, Frühstücken, Arbeiten – und dass der Anspruch auf einen sterilen Glauben eine Illusion oder direkt ein Manöver ist, um unbequeme Stimmen zum Schweigen zu bringen. Mit dieser Logik bedeutet, vom Pfarrer Besonnenheit zu verlangen, von der Kirche zu fordern, nur dann still zu sein, wenn sie stört. In der Mitte fordert eine recht große dritte Gruppe Differenzierung: Erwähnungen sozialer Themen ja, aber Partei ergreifen von einem Altar aus, nein.
Wer entscheidet, was vom Altar gesagt werden darf?
Niemand entscheidet das, und das ist das Grundproblem. Die Diskussion wanderte zu raueren Gebieten: Einige behaupteten, der Priester sei dafür zu loben, die Dinge beim Namen zu nennen, selbst aus Misstrauen gegenüber der Institution heraus, während andere mit der Apokalypse-Passage gegen die Lauwarmen replizierten, um daran zu erinnern, dass auch Schweigen nicht kostenlos ist. Auf der einen Seite tauchten pauschale Vorwürfe gegen Priester auf; auf der anderen die Klage, dass Kritik an einem Pfarrer zum Nationalsport geworden sei. Einige vertraten die Ansicht, katholischer Glaube und linke Wahlen seien unvereinbar; andere erinnerten daran, dass es wöchentlich praktizierende Katholiken gibt, die links wählen und darin keinen Widerspruch sehen.
Und zurück zum Anfang. Achtzig Menschen, drei Abgänge, ein Priester mit intakter Stimme und ein Kirchgänger auf dem Weg zur Straße. Geht man zur Messe, um zu beten oder um die Meinung des Zelebranten zu hören? Niemand von denen, die blieben, antwortete an diesem Tag darauf.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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