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Prekariat in Spanien: Niedrige Löhne trotz Studium
In Spanien etabliert sich eine neue Klasse der arbeitenden Armen. Trotz akademischer Abschlüsse stagnieren Gehälter bei 1.400 Euro, während die Lebenshaltungskosten steigen.
1.400 Euro mit Studienabschluss: Die neue Klasse der arbeitenden Armen
Wie viel muss man in Spanien verdienen, um nicht arm zu sein? Immer mehr. Die Diagnose ist hartnäckig: Laut Berechnungen beziehen acht von zehn Personen mit Ausbildung und Erfahrung ein Gehalt von rund 1.400 Euro – 1.700 Euro in Großstädten –, was kaum zum Überleben reicht. Wohnen, Steuern, Lebensmittel und Reisen verteuern sich; das Gehalt bleibt eingefroren. Daher die Wahrnehmung, dass man eigentlich über 2.500 Euro verdienen sollte, was aber immer noch knapp erscheint.
Zu diesem Unmut kommt ein schmerzhafter Vergleich: Wer ohne Qualifikation, Erfahrung oder Sprachkenntnisse ankommt, erreicht oft einen ähnlichen Lebensstandard. Das Phänomen hat seit Langem einen Namen – Marc Vidal bezeichnete es in seinen Videos als die neue Klasse des arbeitenden Armen – und beschränkt sich nicht mehr nur auf die Privatwirtschaft: Es betrifft auch öffentliche Stellen in denselben Lohngruppen.
Vom privaten Vertrag zur öffentlichen Stelle: Der Lohn sinkt nach bestandenem Examen
Ein bestandenes Beamtenexamen (Oposiciones) verbessert nicht immer das Gehalt. Ein Teilnehmer berichtet vom Fall eines Bekannten: Ein IT-Systemadministrator verdiente 2.000 Euro im Privatsektor, bestand die Prüfung für eine C1-Stelle als Beamter in Madrid und erhielt nun 1.300 Euro. Die Rechnung geht auf: Mit diesem Gehalt wird die zukünftige Rente minimal sein, und das Leben in Madrid mit Marktmiete entwickelt sich zu einer Belastungsprobe.
Andere nennen ein weiteres Problem: Die Schwierigkeit, eine öffentliche Stelle mit einem Zweitjob zu kombinieren, wenn das Gehalt nicht ausreicht. Und eine stille Kostenfalle, die niemand erstattet: Die Jahre, die in die Vorbereitung auf niedrige Beamtenstellen investiert wurden, enden mit einem Existenzlohn und großer Enttäuschung.
Was braucht man zum Leben: 2.800 oder 4.000 Euro pro Monat?
Hier beginnt der Streit um Zahlen. Einige behaupten, dass man als Einzelperson 4.000 Euro monatlich benötigt, um in Spanien normal zu leben, und als Paar mehr. Andere entgegnen, dass zwei Gehälter à 1.400 Euro zusammen 2.800 Euro ergeben und man damit in einer kleineren Stadt gut leben kann. Die Spannbreite ist kein Detail: Sie markiert den Unterschied zwischen Wohlstand und Erstickung.
Die am häufigsten zitierte Berechnung für eine vierköpfige Familie in Madrid setzt die Schwelle ebenfalls bei 4.000 Euro ohne nennenswerte Sparfähigkeit. Und der Indikator, der die Entwicklung am besten widerspiegelt: Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Wahrnehmung gewandelt – galten 2.000 Euro früher als Top-Gehalt, braucht man heute 4.000 Euro, um anständig zu leben.
Der Ungelernte steigt, der Akademiker stagniert
Die sektorale Kluft ist das Hauptargument zur Erklärung des Phänomens. Wer in handwerklichen Berufen mit hoher Nachfrage – Elektrik, Sanitär – oder im Gesundheitswesen wie Medizin arbeitet, verdient direkt nach Reaccionariorztweiterbildung 4.000 bis 5.000 Euro, Pflegekräfte 2.000 bis 2.500 Euro. Diese erkennen das Problem nicht. Auch Vertriebsmitarbeiter ohne Abschluss erzielen laut kursierenden Schätzungen zwischen 8.000 und 10.000 Euro monatlich.
Das Gegenargument folgt schnell: Das sind nur vier glückliche Sektoren, der Rest des Marktes verhält sich anders. Und es gibt eine unbequemere Diagnose: Die Löhne für Ungelernte seien stark gestiegen, während die für Akademiker eingefroren blieben. Die Produktivität, so heißt es, erklärt das Gehalt besser als der Titel, was viele Absolventen ins Abseits stellt.
Schulden als Kriterium: Der Beamte mit 1.300 schlägt den Ingenieur mit 3.000
Ein Detail verwirrt mehr als jede Zahl. Bei der Beantragung einer Hypothek bietet eine stabile Stelle mit 1.300 Euro Vorteile gegenüber einem Ingenieur, der fast 3.000 Euro verdient, aber morgen arbeitslos sein könnte. Die Kreditwürdigkeit ist zum wahren Maßstab der wirtschaftlichen Position geworden: Nicht wie viel man verdient, sondern wie viel man leihen darf, zählt.
Die andere Seite derselben Medaille: Wer eine dienstwohngebundene Unterkunft erhält – etwa eine Kaserne –, macht aus einem mittleren Gehalt ein komfortables Leben, da die größte Ausgabe entfällt. Wer dagegen freie Miete mit demselben Gehalt zahlt, unterschreibt einen Ratenvertrag in die Armut.
Gibt es eine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Inflation zu schützen?
Kaum jemand beantwortet diese Frage. Die vorherrschende Klage lautet, dass Arbeitnehmer Kaufkraft verlieren und die Verarmung unaufhaltsam fortschreitet; die schärfste Kritik ist, dass im gesamten Austausch kein einziger konkreter Vorschlag gemacht wird. Die bestehenden Antworten sind individuell: Beiträge zu kapitalgedeckten Systemen leisten, Teile der Ersparnisse im Ausland halten und Familie in einem anderen Land haben, falls Auswandern nötig wird.
Es kursiert auch eine Warnung für die Zukunft: Wer unter 45 ist und darauf vertraut, dass die staatliche Rente das Leben ermöglicht, ist naiv. Die Geschichte eines selbstständigen Anwalts, der von guten Einnahmen auf einen lächerlichen Festbetrag fiel, als sein Hauptkunde die Ausgaben kürzte, illustriert die Fragilität des Systems.
Die am häufigsten wiederholte Erzählung hat ihre eigene Treppe: Erst arbeitender Armer, dann armer Spanier. Niemand hat bisher die Stufe gefunden, die nach oben führt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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