Podemos will Mietpreis um 40% senken

Podem València fordert eine gesetzliche Senkung der Mieten um 40%. Experten warnen vor weniger Angebot und mehr Schwarzmarkt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Podemos will Mietpreis um 40% senken
Mietpreisdeckelung von 40%: Podemos Plan und seine Lücken

«Um die Rechten zu schwächen». Unter diesem Motto präsentierte Podem València einen Katalog mit acht Maßnahmen. Die zweite – die gesetzliche Senkung der Mieten um 40% – hat die wirtschaftliche Debatte entfacht, da sie einen Markt betrifft, der bereits unter einem grundlegenden Problem leidet: Es fehlen Wohnungen.

Das Paket umfasst zudem die Reform des CGPJ (spanischer Justizrat), öffentliche Wirtschaftskontrolle, Regularisierung von Migranten, das Verbot von Desokupa (privater Zwangsräumungsdienst), ein Referendum über die Monarchie, die Blockade von Schiffstransporten nach Israel und eine Wende in der Position zur Westsahara. Acht Punkte, die eher wie ein Wahlprogramm als wie ein Regierungsplan wirken. Die unbequeme Frage ist die alte: Wer zahlt die Differenz?

Was bedeutet es, einen maximalen Mietpreis festzulegen?

Ein per Dekret festgelegter Höchstpreis schafft keinen Wohnraum: Er verteilt nur den vorhandenen. Wenn der Referenzpreis um 40% sinkt und die Nachfrage gleich bleibt, führt das nicht dazu, dass alle weniger zahlen, sondern dass es mehr Bewerber pro Wohnung gibt und ein Kriterium – ob explizit oder nicht – für die Mieterauswahl nötig wird. In einem knappen Markt eliminiert die Obergrenze den Wettbewerb nicht. Sie verlagert ihn nur.

Auf dem Papier würde jemand, der heute 1.000 Euro zahlt, künftig 600 zahlen. Diese Spanne von 400 Euro entspricht genau dem Anreiz, alternative Wege zu suchen: Zahlungen außerhalb des Vertrags, Aufschläge für Möbel oder Nebenräume. Manche argumentieren, dass das Geld letztlich durch die Hintertür fließen wird; dagegen steht die These, dass ohne Eingriff der Preis nicht so schnell sinkt, wie es die soziale Dringlichkeit erfordert.

Die Vorgeschichte beim geförderten Wohnungsbau: offizielle Preise und Barzahlungen

Das häufigste und schwerst zu widerlegende Argument ist historisch. Beim sozialen Wohnungsbau waren die Preise jahrelang gesetzlich fixiert. Offiziell wurden diese Preise stets eingehalten. Inoffiziell übergaben Käufer Bargeldgeschenke, um sich die Wohnung zu sichern. Die Transaktion lief im Verborgenen ab, die Differenz wurde separat bezahlt.

Die Lehre ist unangenehm für jede Preisobergrenze: Ein obligatorisches Preissystem funktioniert nur, wenn der Staat deutlich invasiver wird und permanente Inspektionen durchführt. Und selbst dann sucht der Markt seinen Weg. Bei totaler Kontrolle ist die unerwünschte Folge oft Korruption innerhalb der kontrollierenden Behörden.

Weniger Angebot und mehr Schwarzmarkt bei Vermietungen

Der zweite Effekt, auf den kritische Analysen hinweisen, ist die Flucht des Angebots. Ein Vermieter, dessen Miete per Gesetz um 40% gesenkt wird und der rechtliche Unsicherheit erfährt, hat zwei Optionen: verkaufen oder die Wohnung vom Markt nehmen. Beides reduziert die Anzahl verfügbarer Wohnungen – genau das Ausgangsproblem.

Von dort ist es nur ein Schritt zu Schwarzvermietungen. Weniger legales Angebot, gestaute Nachfrage und eine Obergrenze, die niemand respektiert, wenn der reale Preis viel höher liegt: Das klassische Rezept dafür, dass der undeclarierter Anteil wächst. Die Berechnung, wie viel pro aus dem legalen Kreislauf ausscheidender Wohnung verloren geht, ist keine angenehme Übung.

Die Vermieter, die nicht im Bild sind

Eine Tatsache, die oft ausgeblendet wird: Über 70% der Spanier besitzen ihre eigene Wohnung. Die Mietpolitik wird gestaltet, als wäre das Land eine Nation von Mietern, obwohl die Mehrheit eine feste Hypothek zahlt und zuschaut.

Hinzu kommt die Steuerlast für Vermieter, die im Ausland leben. Ein Nicht-Resident, der eine spanische Wohnung vermietet, muss im IRNR (Einkommensteuer für Nicht-Residenten) 24% des Bruttoeinkommens versteuern, ohne Abzugsmöglichkeiten: weder Hypothek noch Renovierungskosten noch Hausgeld. Mit einer erzwungenen Senkung von 40% und diesem Regime ergibt sich in vielen Fällen ein negatives Ergebnis. Der Vermieter, der noch durchhält, ist oft der kleine Sparer, der eine Wohnung zur Ergänzung seiner Rente gekauft hat.

Vom Parlamentsklub zum Taxi: die Wahlmathematik

Podemos hatte einst 71 Sitze im Congreso (Unterhaus). Heute wird ihr Einfluss anders gemessen, und jede Ankündigung wird als Versuch gelesen, Aufmerksamkeit und Stimmen zurückzugewinnen. Die Zusammensetzung ihrer Wählerschaft, die Konkurrenz links von ihr und die Nähe von Wahlen erklären Vorschläge, die in sozialen Medien lanciert werden, nicht aber im BOE (Amtsblatt).

Das Muster ist bekannt: Je kleiner die Basis, desto lauter die Forderung. Es muss nicht anwendbar sein; es muss erkennbar und mobilisierend sein. Und bei einem Thema wie Wohnraum, wo der Preis im Zentrum der öffentlichen Diskussion steht, ist die Schlagzeile gratis.



Das Grundproblem – es fehlen Wohnungen, es gibt zu viele Bewerber pro Objekt – lässt sich nicht mit einer Zahl in einem Dekret lösen. Mehr bauen, Boden günstiger machen oder Genehmigungen beschleunigen sind langsame, unsichtbare Antworten ohne Schlagzeilen. Eine gesetzliche Senkung um 40% ist schnell, kostenlos und klingt nach Sieg. Dort stockt die Analyse: Niemand hat bisher erklärt, wer die fehlenden 400 Euro monatlich zahlt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (200 Antworten).

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