Piazza Maricarmen: Der Kampf um Wohnraum erreicht auch Rom :)

Am 15. Oktober benannte ein Zeltlager in Rom den Platz vor dem Bahnhof Termini in Piazza Maricarmen Abascal um, gegen die Wohnungskrise. In Italien gab es 2025 33.000 Zwangsräumungen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ein Zeltlager vor dem Bahnhof Termini in Rom benannte am 15. Oktober den Platz in Piazza Maricarmen Abascal um, um gegen die Wohnungskrise und die steigenden Lebenshaltungskosten zu protestieren. Die italienische Wohnungsbaubewegung macht den Wohnungsbauplan der Regierung von Giorgia Meloni verantwortlich, der ihrer Ansicht nach Zwangsräumungen erleichtert.

Der Platz vor dem Termini, dem Hauptbahnhof Roms, trägt seit dem 15. Oktober einen Namen, der auf keinem offiziellen Stadtplan zu finden ist: Piazza Maricarmen Abascal. Beschlossen wurde die Umbenennung auf einer großen Versammlung nach einer Demonstration für das Recht auf Wohnen – und sie blieb nicht nur symbolisch. Dutzende Zelte besetzten noch am selben Tag den Platz. Das Camp ist weiterhin dort, mit täglichen Versammlungen und einem offenen Mikrofon für Studierendenbewegungen, Gewerkschaften und Stadtteilkomitees.

Der gewählte Name ist kein Zufall. Die Organisatoren erklärten, sie wollten die Botschaft aus Spanien aufgreifen und den Ort in „den Platz der Würde" verwandeln. Das sagte auf der Versammlung **Paolo Di Vetta** von den Blocchi Precari Metropolitani, ein Veteran der Wohnungsbaubewegung der Hauptstadt. Die Anspielung auf Maricarmen wurde als Hommage an „so viele Männer und Frauen in diesem Land, die aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, ohne dass eine Institution Solidarität zeigte", präsentiert, so **Maria Vittoria Molinari** von der Mietergewerkschaft Asia-USB.

## 33.000 Zwangsräumungen und 74.000 Pfändungen in einem Jahr

Die Zahlen, mit denen die Bewegung arbeitet, erklären, warum die Proteste so viel Anklang finden. Laut den Daten, die Molinari auf der Versammlung zitierte, gab es in Italien **2025** **33.000 Zwangsräumungen**, und bei **74.000 Personen**, die ihre Hypothekenraten nicht mehr zahlen konnten, wurden die bewohnten Wohnungen gepfändet. Das sind Zahlen aus einem Land, in dem die Mieten laut derselben Quelle zwischen 2020 und 2026 um **33 %** gestiegen sind, während Löhne und Renten zu den niedrigsten Europas gehören.

Der Anstieg der Treibstoffpreise hat zusätzlichen Druck erzeugt: Er löste einen Inflationsschub aus, der das Überleben bis zum Monatsende noch schwieriger macht. Immobilienspekulation und die Zunahme von Ferienwohnungen verengen den Markt, vor allem für junge Menschen mit prekären Arbeitsverträgen, die schließlich aus den Großstädten wegziehen. Das Muster der Zwangsräumungen verschiebt sich: In den bevölkerungsreichsten Städten sinken sie, in kleinen und mittleren Orten steigen sie – die Krise erreicht also auch diejenigen, die aus den Regionalhauptstädten weggezogen sind, um Erleichterung zu finden.

## Melonis Wohnungsbauplan und das Räumungsgesetz

Hauptangriffsziel ist der Wohnungsbauplan der rechtsgerichteten Regierung von **Giorgia Meloni**. Die Forscherin und Aktivistin **Margherita Grazioli** erklärte auf der Versammlung, der Plan biete Immobilienfonds die Möglichkeit zu großen Investitionen und treibe parallel einen Gesetzentwurf zu Zwangsräumungen voran, der ihrer Ansicht nach „ein soziales Gemetzel anrichten wird". Dieser Entwurf würde Vermietern erlauben, Räumungen an private Sicherheitsfirmen auszulagern, ein nationales Register zahlungsunfähiger Mieter schaffen – das laut der Aktivistin jeden, der Schwierigkeiten hatte, die Miete zu zahlen, ein Leben lang stigmatisieren würde – und eine Strafe von **50 Euro pro Tag** für Mieter verhängen, die aus einer Wohnung, aus der sie geräumt werden, nicht ausziehen.

Di Vetta fügte eine weitere Nuance hinzu: Der Plan sieht die Sanierung und Übergabe von **60.000 nicht bewohnbaren Sozialwohnungen** vor, ist aber erheblich im Verzug. Während das sich hinzieht, versuche die Regierung seiner Lesart nach, Investitionen großer internationaler Immobilienfonds anzuziehen, die viele Wohnungen für einen Markt mit steigenden Preisen bauen würden, mit der Auflage, einen kleinen Prozentsatz für Menschen mit niedrigem Einkommen vorzuhalten. Grazioli fasste es so zusammen: Seit Jahren sind öffentlicher Wohnungsbau und nationale Programme für diejenigen, die von der Wohnungsnot betroffen sind, keine Option mehr, weil die Regierungen die Interessen von Bauunternehmen und Immobilienfonds priorisiert haben.

## Vom Platz zum Generalstreik am 30. Oktober

Das Camp will nicht nur ein Stadtteilprotest bleiben. Das erklärte Ziel ist, dass die verschiedenen Kämpfe zu einer gemeinsamen Plattform zusammenfinden, hin zum Generalstreik, der für den **30. Oktober** von der Basisgewerkschaft USB ausgerufen wurde und mit der internationalen Mobilisierung der Hafenarbeiter zusammenfällt. Der Protest fordert höhere Löhne und Rechte und lehnt die Erhöhung der Militärausgaben ab.

Auch Lastwagenfahrer, die Lebensmittel und Waren transportieren, sind auf dem Platz angekommen und blockieren seit Wochen Dutzende Straßen und Autobahnen in ganz Süditalien, sodass Supermärkte ohne Nachschub dastehen. Das Zusammentreffen von Mietern, Studierenden, Gewerkschaften und Transportunternehmern zeichnet eine Front ab, die über das Wohnen hinausgeht. Di Vetta rahmte es mit einer Unterscheidung ein: „Unsere Gegner sind nicht die kleinen Vermieter, sondern die großen Spekulanten und die Unternehmen, die Hunderte, Tausende Wohnungen besitzen und Mieter räumen, ohne sich darum zu kümmern, was mit dem Menschen passiert, der auf der Straße landet – manchmal, um Platz für Touristen zu machen."

## Auch Rom verkauft öffentliches Eigentum

Die Krise erklärt sich nicht nur durch das, was die Zentralregierung tut. Die Forscherin **Chiara Davoli** nennt die Wohnungspolitik des römischen Bürgermeisters **Roberto Gualtieri** vom Partito Democratico „ambivalent". Sie räumt ein, dass das Rathaus behauptet, das Recht auf Wohnen zu verteidigen, den Kauf von **eintausend Wohnungen** anpreist, die die private Stiftung Enasarco zum Verkauf gestellt hat, und ein Angebot vorgelegt hat, um von der Verwaltungsgesellschaft Investire das Gebäude zu erwerben, das jahrelang die als Spin Time bekannte Besetzung beherbergte, die im vergangenen Sommer geräumt wurde. Doch laut Davoli arbeitet die Stadtverwaltung beständig mit großen Investoren zusammen: Im März nahmen der Bürgermeister und zwei Stadträte an der wichtigsten Immobilienmesse Europas in Cannes teil, um Investitionen in Rom zu bewerben und dabei das öffentliche Eigentum der Stadt anzubieten.

Die Organisation, die die Sozialwohnungen der Hauptstadt verwaltet, hat etwa dreißig davon im Zentrum zum Verkauf angeboten, während die unbefriedigte Nachfrage nach Sozialwohnungen **300.000 Familien** umfasst, die seit zehn bis 15 Jahren warten. Davoli nennt konkrete Fälle: die **60-jährige** Konzession an den US-Immobilienriesen **Hines** für die ehemaligen Großmärkte, um **2.000 Studierendenwohnplätze** zu rund **eintausend Euro im Monat** zu bauen; die Übertragung einer ehemaligen Kaserne und eines Busdepots an Private; ein neues Stadion, für das vier Hektar Wald neben einem Krankenhaus abgeholzt würden; ein großer privater Hafen in Fiumicino, betrieben von Royal Caribbean und dem US-Fonds iCON; und eine Müllverbrennungsanlage mit hohem Umweltimpact. Ihre Diagnose: Privates Kapital ersetzt das Fehlen öffentlicher Mittel, und die Stadt wird am Ende nach den Interessen der Investoren geformt, nicht der Bewohner.

Wohnen ist ein Thema, das den Geldbeutel und die Rechte Tausender Menschen betrifft; jede Entscheidung über Mieten, Hypotheken oder Zwangsräumungen sollte mit einer Fachkraft oder den zuständigen Sozialdiensten besprochen werden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (6 Antworten).

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