Péter Magyar: Vom Orbán-Insider zum EU-Liebling

Péter Magyar stieg vom Orbán-Parteiapparat zum Favoriten Brüssels auf. Ihm lasten ungeklärte Vorwürfe häuslicher Gewalt sowie die Unterstützung von Soros und Von der Leyen an.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Péter Magyar: Vom Orbán-Insider zum EU-Liebling
Péter Magyar, der ungarische Zögling, den Soros und Von der Leyen feiern

Ein Scheidungsaktenordner, ein geleakter Polizeibericht und ein Name, den man in Brüssel gerne ausspricht. Péter Magyar, Ex-Mann der ehemaligen ungarischen Justizministerin Judit Varga, wandelte sich vom Funktionär Viktor Orbáns zur Hoffnungsgestalt, mit der die Europäische Union das Land umkrempeln will. Dazwischen steht die Version, die in ungarischen Medien kursiert: Im Jahr 2023 sei er während seiner Scheidung schuldig gesprochen worden, seine Frau mehrfach – auch mit einem Gürtel – misshandelt zu haben, und habe Kokainkonsum eingeräumt. Die Anschuldigung ist nicht rechtskräftig verurteilt und stammt von der Ex-Ministerin selbst. Seine Verteidiger sprechen von klassischem Kompromat.

Der Rest der Angelegenheit ist wie fast immer Geopolitik.

Wer ist Péter Magyar und warum segnet ihn die EU ab?

Auf dem Papier ist dieser Mann kein Neuling. Er war jahrelang Teil des ungarischen Establishments, mit Positionen im Umfeld Orbáns, bis er nach dem Skandal um Begnadigungen für Verantwortliche eines Netzwerks zur Vertuschung von Missbrauch in Pflegeheimen mit der Partei brach. Das Detail, das seine Anhänger nutzen, um die Vorwürfe zu entkräften, ist bitter ironisch: Die Ex-Frau, die ihn heute als Täter benennt, war Justizministerin und unterzeichnete diese Begnadigungen.

Mit diesem Lebenslauf spiegelt sein Sprung in die Konfrontationspolitik gegen Orbán – und der enthusiastische Rückhalt aus den europäischen Hauptstädten – das neue Drehbuch Brüssels in Osteuropa wider: Den unbequemen Partner durch eine handhabbarere Figur ersetzen, ohne allzu genau hinzusehen, was diese im Gepäck hat.

Der Polizeibericht und Glaubwürdigkeit, die je nach Person unterschiedlich angewandt wird

Es gibt ein Argument, das sich durch die gesamte Affäre zieht und das man vom Lärm trennen sollte: das der selektiven Glaubwürdigkeit. Wenn eine Frau Anschuldigungen erhebt, so lautet eine wiederkehrende Maxime, sollte man ihr Glauben schenken; es sei denn, der Beschuldigte gehört zum eigenen Lager. Der Vergleich wird namentlich gezogen zwischen linken Politikern in Spanien, die wegen häuslicher Gewalt angezeigt wurden, und dem Schweigen, das angeblich den Ungarn umgibt.

Gegen diese Erzählung spricht ein unbequemer Fakt für beide Seiten: Die Anzeigende ist genau jene Justizministerin, die die Begnadigungen der Vertuscher missbräuchlicher Handlungen befürwortete. Der Aktenordner ist auf keiner Seite rein. Und das Gericht der öffentlichen Meinung fällt hier sein Urteil, bevor es liest.

Soros, Von der Leyen und die Bestätigung, die Misstrauen weckt

In etwas sind sich fast alle einig. Egal wie die persönliche Vorgeschichte aussieht: Wenn der Sohn des ungarischen Finanziers und die Präsidentin der Kommission die Ankunft eines Kandidaten feiern, schlussfolgern manche, dass dieser Kandidat nicht das Problem, sondern die Lösung anderer ist. Die am weitesten verbreitete Idee ist, dass die europäische Maschinerie keine Tugendhaften fördert, sondern nützliche Stücke.

Das ist die Art von Logik, die weder bewiesen noch widerlegt werden kann, und deshalb funktioniert sie so gut. Eine Unterstützung ist gleichzeitig ein Ritterschlag und ein Verdacht. Die Paradoxie dient gleichermaßen denen, die den Neuen diskreditieren wollen, und denen, die den Alten verteidigen möchten.

Die Akte, die der Lärm übertönt: Ungarn und China

Unterhalb der persönlichen Streitereien liegt ein Thema, das kaum an die Oberfläche kommt: die Position Ungarns auf dem Schachbrett. Budapest hob im Mai 2024 seine Beziehung zu Peking auf eine „umfassende strategische Partnerschaft für alle Zeiten“, mit Milliardeninvestitionen Chinas in Kernenergie, Eisenbahn (der Zug Budapest-Belgrad) und Batterien für Elektrofahrzeuge. Wer die Macht nach Orbán übernimmt, erbt auch diese Abhängigkeit.

Dort liegt der wahre Puls. Die EU weist seit Jahren auf Budapest als das Loch hin, durch das chinesischer Einfluss in den Club eindringt, und ein Regierungswechsel löst das Problem nicht allein: Er ordnet es neu.

Was steht für den ungarischen Wähler auf dem Spiel?

Der Wähler, der den Wechsel unterstützte, tat dies mit den Informationen, die auf dem Tisch lagen, und lebt nun mit einer Frage, die niemand klärt: Ist der Skandal real, ist er schwerwiegend; ist er fabriziert, ist er es noch mehr. Das resultierende Parlament enthält nicht einen einzigen linken Abgeordneten, also bewegt sich das Schachbrett nicht in die Richtung, die einige erhofften.

Mit diesen Voraussetzungen ist die einzige Gewissheit, dass Ungarn weiterhin der Punkt bleiben wird, an dem die Temperatur des Pulses zwischen Brüssel, Moskau und Peking gemessen wird. Und der neue starke Mann ist das Glied, das alle Parteien für sich beanspruchen.

Die verwirrende Tatsache: Die schwerste Anschuldigung gegen den Mann, der Brüssel begeistert, stammt von der Ministerin, die die Vertuscher eines Missbrauchsnetzwerks begnadigte.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (236 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver