Personalmangel in Spaniens Gastronomie trotz 77.000 neuer Stellen

Trotz sinkender Arbeitslosigkeit und 77.000 neuer Jobs findet die spanische Gastronomie kaum Personal. Ein Konflikt über Löhne und Arbeitsbedingungen schwelt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Personalmangel in Spaniens Gastronomie trotz 77.000 neuer Stellen
Rekordbeschäftigung in der Gastronomie, aber kaum Servicepersonal

Die Arbeitslosigkeit sank in allen autonomen Gemeinschaften, und in nur einem Monat wurden mehr als 77.000 Stellen geschaffen, wobei die Gastronomie das stärkste Wachstum verzeichnete. Doch während der Sommer vor der Tür steht, können Bars und Restaurants in Küstenregionen weiterhin keine freien Stellen für Kellner und Köche besetzen. Die Beschwerde des Sektors ist mittlerweile ein Klassiker: „Man kann keine Menschen ernähren, die vom Staat leben wollen, und wir sind der Staat“, so der Präsident der Asociación de Hostelería y Turismo de Galicia. Dieser Satz, der eine gewisse Verachtung gegenüber Beziehern von Arbeitslosengeld (prestación por desempleo) ausdrückt, hat eine Debatte entfacht, die weit über die Sommerzeit hinausgeht.

Was die Branche sagt und wie die Arbeiter antworten

Das Narrativ der Arbeitgeber ist bekannt. Der Präsident der Asociación de Hosteleros de Burgos erklärt, dass sie ihr Geschäft 15 Tage lang aufgrund von Personalmangel schließen mussten – weder Kellner noch Köche waren verfügbar. In Torremolinos gibt ein Inhaber einer Strandbar zu, mehr Personal eingestellt zu haben, um die Arbeitszeiten besser zu planen, sodass die Mitarbeiter nun acht Stunden arbeiten; er betont jedoch, dass es „seit mehreren Jahren sehr, sehr schwierig ist, Personal zu finden“. Eine Betriebsleiterin in Málaga führt dies darauf zurück, dass „es zu viele Sonderzahlungen und Hilfen gibt; die Leute geben sich damit zufrieden und wollen nicht arbeiten“. Einige gehen noch weiter und behaupten, dass Arbeitnehmer Stellen ablehnen, weil der Arbeitsbeginn zum Verlust des Arbeitslosengeldes führt.

Auf der anderen Seite weist der Sprecher der UGT (einer großen Gewerkschaft) in Burgos darauf hin, dass Beschwerden von Arbeitnehmern über endlose Schichten oder unbezahlte Überstunden an der Tagesordnung sind. Arbeitgeber verteidigen sich mit dem Argument, die heutige Gastronomie sei „familienfreundlicher“. Ein Kellner bestätigt acht Stunden tägliche Arbeit und zwei freie Tage; eine andere Arbeiterin versichert, dass „jetzt alles regulierter ist und respektiert wird“. Die Inspección de Trabajo (Arbeitsinspektion) fungiert als Schiedsrichter: Die Kontrollen in Bars sind um 60 % gestiegen.

Die Rechnung, die die Beschwerden der Gastronomen entkräftet

Das am häufigsten genannte Argument ist nicht, dass es zu wenig Menschen gäbe, sondern dass es zu wenig Menschen zu diesen Preisen gäbe. Ein Kellner mit geteilter Schicht von 11:00 bis 16:00 Uhr und von 19:00 bis 23:30 Uhr, von Montag bis Sonntag, der exakt 1.000 Euro verdient, ist kein Arbeitnehmer: Er ist eine Gleichung, die nicht aufgeht. Die Sommergastronomie in Spanien ist ein Albtraum aus erschöpfenden Arbeitszeiten, und die Löhne sind seit zwanzig Jahren eingefroren, während alle anderen Kosten vervielfacht haben. Wenn das Geschäft nicht ausreicht, um mehr zu zahlen, ist die logische Schlussfolgerung eine andere: entweder schließen oder aufräumen.

Ein Datenpunkt wiederholt sich in den härtesten Analysen: Ein einfaches Menü in einem Einkaufszentrum in Malaysia kostet etwa 4 Euro, und das in Anzeigen angebotene Gehalt liegt bei etwa 3.200 Ringgit – das heißt, das Gehalt entspricht etwa dem 200-fachen des Menüpreises. In Spanien erreicht ein 15-Euro-Menü bei einem Gehalt von 1.200 Euro nicht einmal das Hundertfache. Die spanische Lohnstruktur erlaubt es nicht, von einer einfachen Tätigkeit zu leben, und das ist nicht die Schuld derer, die Arbeitslosengeld beziehen.

Das Problem ist nicht das Geld, sondern das Modell

Der Kern der Sache ist, dass Spanien zu viele Bars und eine Kundschaft hat, die an Tiefstpreise gewöhnt ist. Wenn es nicht so viele Lokale gäbe, die um denselben einkommensschwachen Kunden konkurrieren, gäbe es weniger Tische und bessere Löhne. Die Branche hat sich daran gewöhnt, dass die Saison mit Arbeitskräften abgedeckt wird, die bereit sind, alles zu tun. Wenn diese Arbeitskräfte knapp werden, wird statt der Löhne zu erhöhen, vom Staat verlangt, die Arbeitslosen stärker unter Druck zu setzen. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage funktioniert in beide Richtungen: Wenn man zehn zahlt und niemand kommt, zahle zwanzig.

Das Paradoxon ist, dass die Arbeitslosigkeit sinkt und die Stellen trotzdem offen bleiben. Vielleicht liegt das Problem nicht darin, dass die Menschen nicht arbeiten wollen, sondern dass die angebotene Arbeit nicht zum Leben reicht. Solange sich das nicht ändert, wird der Sommer ein Wettlauf darum bleiben, wer am längsten durchhält, ohne die Bar besetzen zu können.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

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