Papyrus 7Q5: O'Callaghans These vor 50 n. Chr.

O'Callaghan identifizierte Papyrus 7Q5 aus Höhle VII von Qumran als Markus 6 und datierte ihn vor 50 n. Chr. Die wissenschaftliche Debatte bleibt offen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Papyrus 7Q5: Die These, die ein Markus-Fragment vor 50 n. Chr. datiert

Ein kleines Papyrusfragment mit zwanzig halb verblassten griechischen Buchstaben sorgt seit einem halben Jahrhundert für Streit. Es wurde in Höhle VII von Qumran zusammen mit achtzehn weiteren Fragmenten in einer Amphore gefunden. Und wenn sein Bezeichner — Papyrus 7Q5 — weiterhin Gemüter erhitzt, liegt das nicht daran, was er sagt, sondern an den Implikationen: eine Passage des Evangeliums nach Markus, kopiert vor dem Jahr 50 n. Chr., also ein evangelischer Text, der kurz nach der Kreuzigung kursierte.

Der Vorschlag ist nicht neu. In den 70er Jahren identifizierte der spanische Papyrologe Josep O'Callaghan in diesem Fragment die Passage Markus 6, 52-53, jene Stelle, an der die Jünger über den See fahren und das Boot in Gennesaret festmachen, ohne das Wunder der Brote begriffen zu haben. Die Schlussfolgerung wurde sofort von vielen Akademikern angefochten, obwohl im Laufe der Zeit andere Spezialisten O'Callaghan recht gegeben haben.

Was das Fragment genau sagt und warum es wichtig ist

Die angewandte Methode verteidigen die Befürworter als Standard für jeden alten Papyrus: Man identifiziert die Buchstaben und rekonstruiert den Text durch Vergleich mit bekannter Literatur. Bei 7Q5 erscheinen 20 Buchstaben von insgesamt 111 für den rekonstruierten Absatz. Das ist nicht viel, aber es ist alles, was da ist.

Kritiker sehen das anders. Die Front der Einwände konzentriert sich auf dasselbe: die Identifikation von 6 dieser 20 Buchstaben, die genau jene sind, die eine Zuordnung zu Markus ermöglichen. Jeder zweifelhafte Strich zerlegt das Gesamtbild. Und gegen diesen Einwand hilft keine Paläographie.



Wie man einen Papyrus ohne Radiokarbondatierung datiert

Das Alter von 7Q5 beruht nicht auf einer chemischen Messung, sondern auf der Schriftart. Der Papyrus ist in dem geschrieben, was Papyrologen Zierstil nennen — eine griechische Schriftform, die zwischen 50 v. Chr. und 50 n. Chr. verwendet wurde. Diese Spanne von hundert Jahren ist das Problem.

Manche behaupten, eine paläographische Datierung sei ebenso unbestreitbar wie eine Kohlenstoff-14-Analyse; andere entgegnen, dass die Spanne immer noch zu groß ist, um den Fall abzuschließen. Der unbequeme Detail ist, dass die gesamte Kraft des Fundes auf dem Stil der Schrift beruht, nicht auf einem absoluten Datum.

Das Buch Henoch als Alternative zu Markus

Gegen die Markus-These hat sich eine andere Lesart erhoben. Antonio Piñero vertritt die Ansicht, dass das Fragment besser zum Buch Henoch passt, einem jüdischen Text, der in Qumran sehr präsent war. Er behandelt dies in seinem Werk Führer zum Verständnis des Neuen Testaments (Trotta, vierte Auflage 2016, Seiten 66-67) und hat es in seinem Blog und in Interviews bekräftigt.

Der Streit ist nicht unentschieden ausgegangen. Jede Seite behauptet, die plausibelste Rekonstruktion zu haben, und bisher hat niemand ein größeres Fragment veröffentlicht, das die Frage klärt.

Eine anomale Höhle: Papyrus, Griechisch und eine Amphore, die Rom sagt

Was Höhle VII besonders macht, ist nicht nur 7Q5. Die Dokumente der anderen Höhlen sind auf Pergament, in Hebräisch oder Aramäisch. Die von Höhle VII sind auf Papyrus und alle in Griechisch, zudem in einer Amphore mit einer Tinteninschrift Rumah — Rom — auf Hebräisch verwahrt, möglicherweise der Name des Besitzers.

Es wurden 19 Fragmente geborgen, von 7Q1 bis 7Q19. Davon identifizierte O'Callaghan neutestamentliche Passagen bei 9: Markus, Apostelgeschichte und Briefe an Petrus, Timotheus, Jakobus und Römer. Zwei weitere — 7Q1 und 7Q2 — würden dem Alten Testament entsprechen. Der schlechte Zustand des Papyrus, fragiler als Pergament, führte dazu, dass sie jahrzehntelang ignoriert wurden.



Die Spur des Papyrus und die Theorie, die nicht verfing

Es gab einen kuriosen Versuch, die Polemik auf materiellem Weg beizulegen. Der Autodidakt Ernest A. Muro Jr. behauptete, dass das Geflecht der Fasern jedes Papyrus es erlaubt, Fragmente nach Herkunftspflanzen zu gruppieren, und kontaktierte den französischen Papyrologen Emil Puech. Das Problem ist, dass in Höhle VII nur drei Papyri dieselbe Spur haben, und 7Q5 ist nicht darunter.

Dieses Detail, eher anekdotisch als entscheidend, illustriert das Klima: Jeder Weg wurde erkundet, um das Fragment zu datieren oder auszuschließen.

Zehn Monate über etwas anderes diskutiert

Die Paradoxie besteht darin, dass ein großer Teil der öffentlichen Diskussion über 7Q5 nie 7Q5 diskutierte. Ein Nachrichtenaustausch, der sich über mehr als zehn Monate erstreckte, driftete ab hin zu der Frage, ob Paulus auf leibliche Brüder Jesu oder einen Ehrentitel Bezug nahm, sowie zur Rolle des Jakobus. Der Papyrus wurde in einer Ecke geparkt, während sich die Diskussion in paulinischer Philologie verhedderte.

Manche weisen darauf hin, dass diese Abdriftung, ob absichtlich oder nicht, einen Stilleffekt hatte: über alles reden außer über das Fragment. Das ist schwer zu beweisen, aber die Daten sind stur: Als jemand das Thema zehn Jahre später wieder aufgriff, war der Inhalt immer noch ungelöst.

Wo der Fall heute steht

Heute gibt es keinen Konsens. Die Interpretation von O'Callaghan ist „streng und vernünftig“ und keineswegs eine unbegründete Eingebung, so ein Kommentator, der auch die Gegenargumente für solide hält. Aber sie ist nicht schlüssig. Manche erinnern daran, dass wir, wenn wir denselben Maßstab der Anforderung an Pythagoras, Solon oder Buddha anlegten, auch diese nicht gut abschneiden würden.

Was verwirrt, ist nicht die theologische Debatte, sondern die Arithmetik: Zwanzig Buchstaben reichen aus, um eine halbjahrhundertlange Polemik zu tragen. Und um sie zum Schweigen zu bringen, bräuchte man ein größeres Fragment. Das hat bisher niemand gefunden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).

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