Organentnahme bei noch schlagendem Herzen: Spaniens Praxis

In Spanien gilt die Widerspruchsregelung bei Organspende. Autonome Regionen zahlen bis zu 8.049 Euro Prämie pro Transplantation.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum werden Organe aus einem Körper mit Puls entnommen?

Ein Herz schlägt, während die Sterbeurkunde bereits unterzeichnet ist. Dies ist keine Filmszene, sondern der Standardablauf der Organspende in Spanien, wo der Hirntod festgestellt wird und der Puls durch mechanische Beatmung aufrechterhalten bleibt. Die Frage – muss man lebendig sein, um Organe zu spenden? – hat eine unbequeme Antwort: Nein, aber das Herz schlägt fast immer weiter. Denn ein totes Organ ist für eine Transplantation unbrauchbar.

Was ist Hirntod und warum stoppt das Herz nicht?

Das Herz benötigt keine Befehle vom Gehirn, um zu funktionieren. Es ist automatisch erregbar: Es besitzt eigene natürliche Schrittmacher und schlägt weiter, auch wenn das zentrale Nervensystem keine Signale mehr sendet; dieses reguliert nur die Frequenz. Daher kann ein Körper mit diagnostiziertem Hirntod – irreversibler Zerstörung des Gehirns – den Puls über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten, sofern eine Maschine beatmet und Flüssigkeiten, Hormone sowie Nährstoffe verabreicht werden.

Die Diagnose erfolgt nicht auf einen Blick. Das Hirngewebe stirbt nicht gleichzeitig ab: Der Hirnstamm hält länger durch als die Großhirnrinde. Es wird das Verschwinden der Reflexe der Hirnnerven überprüft, der Blutfluss mittels Doppler-Sonographie verfolgt – systolische und diastolische Wellen verändern sich – und erst wenn das klinische Bild eindeutig ist, wird ein EEG angefordert, das elektrische Stille zeigen muss. Ohne Blutfluss ist keine neuronale Aktivität möglich: Kortikale Neuronen überleben nur Minuten.

Die Paradoxie lässt sich an einem Extremfall verdeutlichen. Wenn bei einem enthaupteten Körper Arterien und Venen abgeklemmt und intubiert werden, kann das Herz weiter schlagen und die Organe noch lange funktionieren. Was tötet, sind Blutverlust und Atemstillstand, nicht die Abwesenheit des Gehirns.

Wer genehmigt die Spende, wenn niemand zu Lebzeiten widersprochen hat?

In Spanien gilt seit dem Transplantationsgesetz (Ley 30/1979) die Widerspruchsregelung: Jeder Verstorbene wird als Spender betrachtet, es sei denn, es liegt ein ausdrücklicher Widerspruch vor. Der Gesetzestext allein entscheidet nicht. Das Protokoll der Nationalen Transplantationsorganisation (ONT) prüft das Register für Patientenverfügungen und führt, falls nichts eingetragen ist, Gespräche mit den nächsten Angehörigen. Das System beruht auf diesem Gespräch: Wenn die Familie widerspricht, wird der Prozess gestoppt, selbst wenn der Verstorbene potenzieller Spender war.

Um den Status als Standardspender zu deaktivieren, muss man in jedem Krankenhaus ein Zertifikat für Patientenverfügungen beantragen, den Widerspruch formulieren und registrieren lassen. Manche erinnern daran, dass dies eine Kehrseite hat: Als Nicht-Spender eingetragen zu sein, bedeutet, ganz am Ende der Warteliste zu stehen, falls man selbst jemals ein Organ benötigt. Solidarität ist hier zu einer Verwaltungsangelegenheit geworden.

Wird medizinisches Personal pro entnommenem Organ bezahlt?

Es gibt geregelte und veröffentlichte Zuschläge, wobei die Details je nach Region variieren. Die Prämien für Transplantationen reichen von etwa 1.000 bis über 8.000 Euro je nach Organ: Pankreas-Inselzellen bringen bis zu 8.049 Euro ein, Nieren liegen in Katalonien zwischen 1.661 und 3.322 Euro. Ärzte, Pflegekräfte und Techniker erhalten diese Zulagen; in Murcia sogar Portier. Dies ist mindestens in Andalusien — Resolución 14/2022 des Servicio Andaluz de Salud —, Katalonien, Murcia und der Comunidad Valenciana geregelt. Für einen durchschnittlichen europäischen Arzt sind diese Beträge gering; für spanische Fachkräfte, die laut Berichten drei bis vier Transplantationen pro Monat durchführen, entsprechen sie einem vollen Monatsgehalt.

Wartelisten: Nieren im Überfluss, Herzen knapp

Die Darstellung extremer Dringlichkeit passt nicht zu den Zahlen. Am dringendsten benötigt werden Nieren, die jedoch nicht akut lebensrettend sind: Ein Patient kann jahrelang dialysiert werden. Herzen, Lungen oder Lebern im roten Code sind selten. Viele Menschen warten einfach, weil kein kompatibler Spender gefunden wird, und in einigen Fällen werden Organe abgelehnt, da kein geeigneter Empfänger vorhanden ist. Auch das Volumen entspricht nicht der öffentlichen Wahrnehmung: Es werden keine Millionen Organe benötigt.

Der Zweifel bleibt: Hirntod oder juristische Fiktion?

Hier liegt der Konflikt. Eine Strömung behauptet, der Hirntod sei eine juristische Fiktion, ein Euphemismus zur Entnahme noch lebender Organe, und solange das Herz schlägt, bestehe Leben. Die Gegenargumentation lautet, dass ohne zerebralen Blutfluss keine elektrische Aktivität möglich ist und die Aufrechterhaltung des Körpers Medizin, kein Wunder sei. Zudem kursieren Berichte von Angehörigen, die übereilte Entscheidungen beschreiben, sowie die Vorstellung, dass „rechtlich tot“ nicht dasselbe wie biologisch tot bedeute. Fälle von Personen, die nach einer Hirntod-Diagnose zurückkehrten sollen, werden oft ohne dokumentarischen Beleg wiederholt.

Hinzu kommt eine Behauptung, die im Diskurs verbreitet, aber durch Material nicht gedeckt ist: Dass Transplantationen seit der Legalisierung der aktiven Sterbehilfe zugenommen haben.

Das Gesetz vermutet deine Zustimmung ab Geburt. Niemand fragt dich, wenn du in die Notaufnahme kommst. Wie viele Vertrauenspersonen des Systems wüssten heute, wie sie diese Erlaubnis widerrufen können?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (162 Antworten).

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