Ölpeak erreicht: Die Weltölförderung stagniert seit 2018

Die weltweite Ölförderung kam 2018 auf ihrem Höchststand zum Stehen – der Ölpeak ist da. Geologische, wirtschaftliche und geopolitische Faktoren erklären dieses Phänomen und seine Folgen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Ölpeak, verstanden als der Punkt maximaler nachhaltiger Förderung, wurde 2018 erreicht. Seitdem hat sich die Förderung auf einem Plateau eingependelt, geprägt von steigenden Förderkosten und geopolitischen Spannungen.

Die Debatte über den „Ölpeak" stiftet oft Verwirrung. Viele halten ihn für ein vergangenes Ereignis, das bereits überwunden sei, doch die Realität ist differenzierter. Der Peak ist kein einzelner Zeitpunkt, sondern der Moment, ab dem die weltweite Ölförderung – sowohl von Rohöl als auch von Kondensat – nicht mehr kontinuierlich steigt. Und laut den Daten trat dieser Wendepunkt **2018** ein.

Seit Ende dieses Jahres liegt die durchschnittliche Förderung etwa **4,5 Millionen Barrel pro Tag** unter dem damaligen Niveau. Es handelt sich nicht um einen drastischen Rückgang, sondern um eine Stabilisierung, ein „Plateau", das nach Ansicht von Experten die wahre Bedeutung des Ölpeaks ausmacht. Die durchschnittliche Förderung des letzten Jahrzehnts lag deutlich unter der der drei vorangegangenen Jahrzehnte, und die Prognosen für die 2020er Jahre deuten darauf hin, dass die Förderung die Niveaus der 2010er Jahre kaum übertreffen und am Ende des Zeitraums sogar darunter liegen könnte.

## Die geologischen Reserven sind nicht die Grenze

Viele der fehlgegangenen Prognosen zum Ölpeak beruhten auf einer rein geologischen Sichtweise, bei der die Reserven als begrenzender Faktor galten. Die Realität zeigt jedoch, dass die geologischen Reserven, die oft zu Quoten-Zwecken geschönt wurden, weniger relevant sind als angenommen. Zwar gibt es auf dem Planeten tatsächlich genug Öl, um die heutige Förderung zu übertreffen, doch das eigentliche Problem besteht darin, dass dessen Gewinnung immer teurer und komplexer wird.

Der Unterschied zwischen der Ölförderung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und heute ist gewaltig. Während früher eine Bohrung am richtigen Ort genügte, um das Öl hervorsprudeln zu lassen, sind heute Tiefbohrungen und komplexe Techniken wie das Hydraulic Fracturing nötig, um immer geringere Mengen zu gewinnen. Diese fortschreitende Verteuerung der Förderung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass wir uns in den letzten Phasen des Ölzeitalters befinden.

## Die Ökonomie diktiert das Förder tempo

Das ökonomische Prinzip der abnehmenden Grenzerträge ist entscheidend für das Verständnis des Ölpeaks. Es ist wie mit „griffbereiten Früchten": Am Anfang bringt der investierte Aufwand große Ergebnisse, doch je mehr die leicht zugänglichen Ressourcen erschöpft sind, desto mehr Einfallsreichtum und Ressourcen erfordert jeder neue Fortschritt für einen geringeren Ertrag. Beim Öl sind die „unteren Äste" bereits abgeerntet, und die „oberen Äste" werden immer schwerer erreichbar.

Was wirklich bestimmt, wie viel Öl gefördert wird, ist nicht sein Preis, sondern seine Förderkosten. Geld ist eine menschliche Erfindung, doch die Ölförderung verbraucht Arbeit, Ressourcen, Material und Energie. Damit das Unterfangen rentabel ist, muss der gesellschaftliche Nutzen die Förderkosten übersteigen. Steigen diese Kosten, hören die weniger produktiven Verwendungen des Öls auf, sich zu lohnen, marginale Geschäfte schließen und die Wirtschaft schrumpft.

Denken wir an ein Einkaufszentrum: Bei billigem Benzin kommen die Leute ohne Zögern. Bei teurem Benzin bleibt ein Teil der Kundschaft aus, Geschäfte mit weniger Lauf schließen, und das schreckt wiederum weitere Besucher ab – bis zur möglichen Aufgabe des Zentrums. In ähnlicher Weise leiden Industrien, die stark vom Öl abhängen oder deren Kunden davon abhängen, wenn die Förderkosten in die Höhe schnellen. Die daraus resultierende wirtschaftliche Schrumpfung verringert die Ölnachfrage, nicht aber die Förderkosten, die weiter steigen.

## Die Geopolitik gießt Öl ins Feuer

Der dritte Faktor, die Geopolitik, macht das Bild noch komplizierter. In einem Szenario begrenzter Ölförderung konkurrieren die stärkeren Nationen darum, sich ihr Stück vom „Kuchen" zu sichern. Doch dieser Kampf verkleinert tendenziell den Kuchen selbst und schürt eine weltweite Krise, in der alle verlieren. Regionen mit Energiemangel und großer militärischer Kapazität geraten mit den rohstoffreichen Regionen in Konflikt.

Europa beispielsweise ist durch seine Unterstützung der Ukraine in deren Krieg mit Russland in einen Konflikt hineingezogen worden. Die USA haben versucht, die Reserven Venezuelas unter Kontrolle zu bringen, und zielen nun auf den Iran. China hingegen scheint eine vorsichtigere Strategie zu verfolgen und konzentriert sich darauf, Reserven aufzubauen und seine Energiequellen zu diversifizieren.

Der Angriff auf den Iran erweist sich insbesondere als strategischer Fehler. Der Iran, eine Theokratie mit großer Widerstandsfähigkeit und jahrzehntelanger Vorbereitung, wird sich nicht leicht geschlagen geben. Der Konflikt mit dem Iran hat diesem Land den perfekten Vorwand geliefert, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu übernehmen, eine entscheidende Seeroute für den Öltransport. Selbst wenn die Schifffahrt wiederhergestellt wird, erwartet man dies mit erheblichen Mehrkosten aufgrund der von Iran und Oman erhobenen Gebühren.

Die Zerstörung von Energieinfrastruktur am Persischen Golf oder ein langwieriger Krieg in der Region könnte die Welt in eine beispiellose Energie- und Wirtschaftskrise stürzen. Die Lage verschärft sich durch die Kontrolle der Huthi über die Straße von Bab el-Mandeb im Roten Meer und die Sperrung einer für Saudi-Arabien wichtigen Pipeline. Die USA stecken erneut in einem komplexen Konflikt und ziehen die Welt in eine Energiekrise, die die schlimmste seit mehr als 50 Jahren werden könnte.

## Diesel, das schwächste Glied

Unter einigen Experten besteht Konsens, dass Diesel das „schwächste Glied" in der Energiekette des Erdöls ist – die am stärksten begrenzte und für unsere Zivilisation unverzichtbare Energiequelle. Sollte die Lage im Nahen Osten und der Krieg in der Ukraine andauern, sind noch vor dem nächsten Sommer Einschränkungen der Dieselversorgung wahrscheinlich. Dies könnte viele zwingen, sich der Realität zu stellen und die derzeitige Energiepolitik in Frage zu stellen.

Die Bedingungen auf dem Ölplateau erzeugen soziale Unzufriedenheit, nähren Polarisierung und Radikalismus und erhöhen damit das Risiko von Auseinandersetzungen. Die Welt von heute unterscheidet sich enorm von der vor zwei Jahrzehnten, und die Veränderungen beschleunigen sich. Die Anpassung an eine mögliche wirtschaftliche Schrumpfung, verursacht durch den Rückgang des Erdöls, wird eine erhebliche Herausforderung sein. Zwar ist der Mensch anpassungsfähig, doch es fällt stets schwerer, sich an schlechtere Bedingungen anzupassen und Komfort aufzugeben, der früher als selbstverständlich galt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (4 Antworten).

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