Tresteröl für 20 € pro 5 Liter: Der Warenkorb wird ärmer
Das Oliven-Tresteröl ist von der industriellen Hinterbühne direkt in die Regale der spanischen Supermärkte gewandert und ist laut den Berichten aus dem Forum in einigen Ketten bereits knapp. Der Preis erklärt fast alles: 20 Euro für fünf Liter, im Vergleich zu den 9,25 Euro, die ein Liter natives Olivenöl extra (AOVE) in einer Kette inzwischen kostet, so ein Teilnehmer. Wenn die Preisdifferenz das Doppelte übersteigt, hört die Wahl auf, eine echte Wahl zu sein.
Bemerkenswert ist nicht das Produkt selbst – es ist seit Jahrzehnten auf dem Markt und wird in vielen Bars zum Frittieren verwendet –, sondern das Tempo. Vom kaum gehandelten Nischenprodukt zur Ausverkauft-Kategorie innerhalb weniger Wochen, berichten jene, die die Entwicklung genau beobachten. Verarmung wird nicht mehr nur am Gehalt gemessen, sondern daran, was in die Pfanne kommt.
Was ist Oliven-Tresteröl und woher kommt es?
Es wird aus den Schalen und Resten gewonnen, die nach der Ölgewinnung übrig bleiben, zusammen mit dem abgesetzten Wasser: das, was bleibt, wenn die Olive bereits gepresst wurde. Die Extraktion erfordert starke Pressen und hohe Temperaturen, da mit Material gearbeitet wird, das bereits mehrere Vorpressungen durchlaufen hat. Daher rührt der Ruf als grobes Nebenprodukt, der diese Kategorie begleitet.
Die Branchenchronik liefert einen unbequemen Präzedenzfall: Bereits in den 90er-Jahren gab es Versuche, Tresteröl als natives Öl zu verkaufen, und seine Verwendung in Fritteusen von Bars ist altbekannt. Neu sind die Schaufensterpositionierung und der Preis. Das Produkt wird deutlich unterhalb des AOVE platziert, und diese Lücke hat die Regale in Rekordzeit gefüllt und wieder geleert.
Ist Tresteröl gesünder als Sonnenblumenöl zum Frittieren?
Zum Frittieren hält Tresteröl die Temperatur gut aus, allerdings schlechter als Sonnenblumenöl und mit einem weniger neutralen Geschmack. Dies ist die Einschätzung derer, die täglich kochen: Wer natives Olivenöl extra nur zum Frittieren ersetzen will, fährt mit Sonnenblumenöl günstiger und erreicht denselben Zweck. Beim Rauchpunkt übertreffen raffinierte Öle kaltgepresste native Öle; das höchste Niveau hätte dabei wahrscheinlich raffiniertes Avocadoöl.
Der andere Aspekt ist die Fettsäurezusammensetzung. Rapsöl enthält etwa 28% mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit einem internen Verhältnis von 2:5; Sonnenblumenöl weist ein Ungleichgewicht von 128:1 auf; Olivenöl besteht zu etwa 75% aus einfach ungesättigten und nur zu 12% aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Daher wird argumentiert, dass das Problem bei Samenölen nicht die Menge an Omega-3 ist, sondern deren Verhältnis, und dass dieses Omega-3 nicht den DHA- und EPA-Säuren aus Fisch entspricht.
Bezüglich des Alpechín (dem Abwasser der Ölmühle) kursiert die Warnung, dass Tresteröl diesen Rückstand enthalte. Im vorliegenden Material gibt es jedoch keine Analyse, die diese Behauptung stützt.
Warum ist Olivenöl so teuer?
Die Dürre ist der Faktor, den niemand bestreitet. Der historische Durchschnittsniederschlag in Olivenhainen, etwa 470 Liter pro Jahr, ist in den letzten trockenen Jahren eingebrochen, und weniger Wasser bedeutet weniger Oliven. Die zweite Front ist die Spekulation, und hier spaltet sich die Analyse. Eine Strömung behauptet, Investmentfonds, die landwirtschaftliche Betriebe besitzen, nutzen die Knappheit, um die Preise in die Höhe zu treiben; die Gegenargumentation lautet, dass Investitionen im Agrarsektor eine normale Tätigkeit seien und der Markt die Preise festlege.
Hinzu kommt ein technisches Argument: Landwirtschaftliche Verträge werden oft auf Termin geschlossen, sodass der Produzent das Risiko von Margenverlusten oder sogar Verlusten trägt. Auch die Definition von Spekulation ist umstritten: Waren von einem Zeitpunkt niedriger Nachfrage zu einem Zeitpunkt hoher Nachfrage verschieben, nichts weiter. Für manche ist dies die Sünde an sich, für andere der Mechanismus, der die Versorgung sicherstellt.
Und dann gibt es noch Prognosen eines zweiten Inflationsschubs: Ölpreise über 100 Dollar, Diesel bei 3 Euro und eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Gas und Strom. In diesem Szenario ist Tresteröl kein Trend, sondern ein Ausweg.
Lebensstandard misst sich im Warenkorb, nicht am Auto
Für einen der Teilnehmer ist die Ernährung der ehrlichste Indikator für den Lebensstandard eines Landes: Was isst man, in welcher Qualität und zu welchem Preis? Die Autos auf der Straße oder die Gebäude sagen darüber nichts aus. Die Verschiebung hat, seiner Erzählung zufolge, ihre Logik: Zuerst führen Low-Cost-Modelle die Verkaufszahlen an, dann landen Produkte, die früher nur in Ländern mit niedrigem Einkommen verkauft wurden, im Warenkorb.
Den alltäglichen Kontrast fasst ein anderer Forennutzer zusammen: Jemand gibt 10 Euro für einen Cocktail aus, der zwanzig Minuten dauert, und beschwert sich über eine Flasche Öl, die einen Monat hält. Die Prioritätenhierarchie hat sich umgekehrt. Und während AOVE aus einigen Regalen verschwindet, ohne ersetzt zu werden, wird der Einkaufswagen mit Eigenmarken und Dosenware aus dem Niedrigpreissegment aufgefüllt.
Der Punkt, an dem die Analyse ins Stocken gerät, ist immer derselbe: Niemand bestreitet, dass natives Olivenöl extra teurer geworden ist und Tresteröl dessen Platz einnimmt, aber es herrscht Uneinigkeit darüber, wie viel davon auf Dürre, wie viel auf Spekulation zurückzuführen ist und wie viel schlicht darauf, dass den Haushalten weniger Einkommen zur Verfügung steht. Die interessante Frage ist nicht mehr, welches Öl man kaufen soll. Sie lautet: Wie viel muss Olivenöl noch steigen, damit auch Tresteröl nicht mehr billig erscheint?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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