Oberst Baños: Sieben Live-Streams in zwei Tagen und 400.000 Zuschauer
Ein YouTube-Programm mit rund 700 Aufrufen. Und parallel dazu sieben Sendungen an zwei Tagen, die insgesamt mehr als 400.000 Zuschauer erreichten. Beide Zahlen gehören zu ein und demselben Mann, Oberst Baños, und beschreiben das Phänomen besser als jede Biografie: Ein pensionierter Militär, der aus internationaler Spannung seinen Lebensunterhalt gemacht hat. Jedes Mal, wenn sich die Lage im Nahen Osten zuspitzt, taucht sein Name wieder in den Suchmaschinen auf. Seine Star-Vorhersage – der Dritte Weltkrieg – bleibt ohne Datum, aber das Geschäft läuft.
Wer ist Oberst Baños und warum wird er der Mozart der Geopolitik genannt?
Baños ist ein pensionierter Offizier, der sich zum populärwissenschaftlichen Erklärer gewandelt hat. Ihm – oder seinem Kreis von Anhängern – wird der Beiname „Mozart der Geopolitik“ zugeschrieben, eine Etikette, die seine Kritiker für reine Eigenwerbung halten und die nur trägt, wenn man ohnehin schon überzeugt war. Sein großer medialer Durchbruch kam mit der sogenannten uneingeschränkten Kriegsführung: Die Idee, dass Konflikte nicht mehr nur mit Soldaten und Panzern geführt werden, sondern mit Cyberangriffen, Desinformation, wirtschaftlichem Druck und Migrationsströmen.
Nichts davon ist neu. Jedes westliche oder russische Militärhandbuch der letzten zwei Jahrzehnte spricht von „Operationen in der Grauzone“ oder vom „Krieg über das gesamte Spektrum“. Er hat es unter einem kommerzielleren Namen verpackt und als Offenbarung verkauft. Darin liegt der Schlüssel zu allem: Er liefert keine Doktrin, er liefert Narrative.
Uneingeschränkte Kriegsführung und die Vorhersage, die sich nur teilweise erfüllte
Seine Verteidiger haben ein Argument, das man nicht mit einem Scherz abtun kann. Vor etwa fünf Jahren behauptete er, Kriege würden nicht mehr wie früher sein, sie seien uneingeschränkt. Kurz danach begann der Ukraine-Krieg. Und doch kam ein klassischer konventioneller Krieg: Schützengräben, Panzer, Artillerie, Tote in Tausenderzahlen. Das Szenario, das er zeichnete, und das, was tatsächlich eintrat, passen nicht ganz zusammen.
Von dieser Diskrepanz lebt ein Großteil der Kontroverse. Für manche antizipierte er den allgemeinen Rahmen des neuen Jahrhunderts. Für andere lag er richtig durch Vagheit: Eine Vorhersage, die breit genug ist, damit jeder sie nach Belieben ausfüllt. Wenn die Prophezeiung elastisch ist, gibt es immer einen Weg, sie als erfüllt darzustellen.
Das Amt des Verteidigungsministers, das er nie innehatte
Unter seinen wichtigsten Referenzen ist die am häufigsten genannte, kurz davor gewesen zu sein, zum Verteidigungsminister der aktuellen Regierung ernannt zu werden. Es wird behauptet, die Ernennung sei durch einen direkten Anruf aus London gestoppt worden, eine Version, die ohne dokumentarische Bestätigung kursiert. Wie seine gesamte öffentliche Laufbahn bewegt er sich zwischen Fakten und Legenden.
Man sollte unterscheiden. Dass ein medienpräsenter Militär für ein Ministeramt gehandelt wird, ist Politik, keine Strategie. Dass er schließlich nicht kommt, auch nicht. Was für die Analyse bleibt, ist der Rest: seine intellektuelle Produktion. Hier ist die Bilanz umstrittener, und in bestimmten Kreisen wird er eher im Umfeld der Verschwörungsaufklärung gesehen als in der militärischen Wissenschaft.
Publikum, Verträge und das Geschäft mit dem Katastrophismus
Die Zahlen sind stur. Sieben Live-Streams in zwei Tagen. Mehr als 400.000 kumulierte Zuschauer. Ein Vertrag mit Movistar für ein Programm, das in seiner YouTube-Version von etwa 700 Menschen gesehen wird. Die Lücke zwischen beiden Zahlen – TV-Publikum versus digitale Nische – erklärt, warum einige von einem „runden Geschäft“ sprechen: Katastrophen an ein alterndes und enttäuschtes Publikum verkaufen, das sich informiert fühlen möchte.
Die häufigste Kritik zielt auf die Monetarisierung. Jedes Video endet mit dem Aufruf, das vollständige Stück bei einem externen Link zu sehen. Der Apokalypse, dosiert serviert, wird zum Conversion-Funnel. Einige Kommentatoren fassen es ironisch zusammen: Mit diesem Krieg hat er im Lotto gewonnen.
Vom Propheten zum Scharlatan: Der Verschleiß der Figur
Die Figur hat den Analysten gefressen. Zu den schärfsten Kritiken gehören seine Kooperationen: Das Mitschreiben mit Estulin – Autor von Bestseller-Büchern für Flughafenleser – oder das Einladen von Mario Conde für ein Gespräch unter Genies. Für seine Gegner ist das das Markenzeichen: Reale Daten mit Fiktion vermischen und als verbotene Analyse präsentieren, die die Medien verbergen.
Auch lastet auf ihm das, was als ideologischer Opportunismus wahrgenommen wird. Je nachdem, was zur Schlagzeile passt, wird er wahlweise dem pro-russischen oder dem gegnerischen Lager zugeordnet, und er verteidigt sich damit, dass er weder pro-russisch noch pro-ukrainisch sei, sondern nur Spanien und die Spanier interessierten. Die Mischung – Militär, frommer Christ und Establishment-Kritiker – verwundert Freunde wie Fremde. Es ist unklar, auf welchem Bein er hinkt.
Um dieses Thema herum hat sich eine weitere Diskussion entwickelt: Ob bestimmte öffentliche Ämter – Militärs, Richter, hohe Beamte – für die Bevölkerung anonym bleiben sollten. Das Argument lautet, dass es niemanden beruhigt, zu wissen, dass jemand wie er kurz davor stand, die nationale Verteidigung zu leiten.
Bleibt die Grundfrage, die niemand mit einer Zahl beantwortet: Wenn die nächste Krise abflaut und das Telefon nicht mehr klingelt, wird dann noch jemand bereit sein, ihm die Erzählung vom Ende der Welt abzukaufen?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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