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Noirvember-Fieber: 88 Film-noir-Klassiker unter der Lupe
Ein Cineast analysiert 88 Noir-Filme in einem Thread, der zum Phänomen wurde. Von Rififi bis zum spanischen Film noir.
Was veranlasste einen Cineasten, 88 Film-noir-Titel in einem einzigen Thread zu sichten und zu bewerten?
In einer Ecke des Internets startete ein Amateur eine persönliche Film-noir-Marathon-Reihe, die sich zu einer der meistdiskutierten Listen des Genres entwickelte. Über mehr als vier Jahre hinweg sezierte er Titel mit scharfem Blick, numerischen Bewertungen und einer Ironie, die niemanden verschonte. Das Ergebnis: 88 analysierte Filme, von unbestrittenen Klassikern bis zu vergessenen Raritäten, in einer cineastischen Übung, die dem heutigen Mainstream-Diskurs trotzt.
Der Marathon, der nie endete
Alles begann mit einer Absichtserklärung: einen Monat lang Film noir schauen. Doch das Projekt zog sich hin und wurde zu einem Thread mit 275 Antworten, der fast fünf Jahre lang aktiv blieb. Der Protagonist, ein Benutzer, dessen Nickname in der Geschichte des Forums verankert ist, postete Rezensionen in einem direkten Stil, ohne Zugeständnisse an politische Korrektheit. Seine Bewertungen reichten von 4 bis 10, und die Kommentare umfassten alles von technischen Analysen bis zu Sticheleien gegen die moderne Industrie. „Rififi (1955) ist mein Lieblingsfilm des Genres, gleichauf mit Sunset Boulevard“, erklärte er und setzte damit den Maßstab für echten Film noir hoch.
Die Rezensionen beschränkten sich nicht auf die bekanntesten Titel. Es tauchten Juwelen wie „Panique“ (1946) auf, dem er eine 10/10 gab und ihn als „Blick auf die Einsamkeit und Angst der Unbekannten“ bezeichnete. Auch der spanische Film noir fand Platz, mit Erwähnungen von Francisco Rovira Veleta und seinem „El expreso de Andalucía“, wobei eine oft ignorierte Schule rehabilitiert wurde.
Die Debatte über die Grenzen des Genres
Nicht alle Teilnehmer waren mit den Aufnahmen einverstanden. Während der Autor „Sweet smell of success“ (1957) aufgrund seiner Atmosphäre und Dialoge als Film noir betrachtete, wiesen andere darauf hin, dass es vom Kanon des klassischen Noir abweiche. Diese Spannung zwischen Puristen und Eklektizisten durchzog den gesamten Thread. Einige verteidigten, dass nur Schwarz-Weiß-Filme der 40er und 50er Jahre diesen Titel verdienten; andere plädierten für eine breitere Definition, die psychologische Thriller und Kriminalmelodramate einschloss.
Der Austausch von Empfehlungen war konstant. Titel wie „La dama del lago“ (1947) ernteten Kritik wegen ihrer Länge, während „Alma en la sombra“ (1944) für ihre Spannung gefeiert wurde. Die Community lieferte auch kuriose Fakten, wie Rita Hayworths spanische Herkunft (geboren in Sevilla) oder den Einfluss von „El tercer hombre“ (1949) auf Coppolas Kino.
Ein Phänomen, das sich jeden November wiederholt
Mit der Zeit wurde der Thread zu einem jährlichen Ritual. Jeden November, passend zum „Noirvember“ – dem in der angloamerikanischen Kultur dem Film noir gewidmeten Monat –, holte der Autor ihn aus der Vergessenheit zurück und fügte neue Filme hinzu. So wuchs die ursprüngliche Liste auf 88 Einträge an, obwohl er zugab, dass seine absoluten Favoriten nicht einmal erwähnt wurden: „Rififi, Le trou, La jungla de asfalto… und ich lasse noch viele aus.“ Der wiederkehrende Witz, dass „das ganze Jahr Noirvember sei“, spiegelte die Intensität seiner Hingabe wider.
Die Kluft zum aktuellen Kino
Eines der wiederkehrenden Themen war der Vergleich mit dem zeitgenössischen Kino. Der Autor scheute sich nicht, Marvel- und DC-Blockbuster als „Müll“ zu bezeichnen und bedauerte den Mangel an heutigem Talent. Diese Meinungen, wenn auch bissig, fanden Widerhall bei anderen Teilnehmern, die im Film noir einen Zufluchtsort vor der Standardisierung Hollywoods sahen. Allerdings gab es auch abweichende Stimmen, wie die eines Benutzers, der behauptete, dass „fast alle Filme dieser Epoche abscheulicher Müll sind“, was eine kleine Generationendebatte auslöste.
Zusammenfassend zeigt dieser Thread, dass Film noir weiterhin Leidenschaft, Analyse und Kontroversen weckt. Mehr als nur eine einfache Liste ist es ein Dokument darüber, wie der filmische Kanon von der Basis der Amateure aus aufgebaut wird. Und wie sein Autor sagte: „Das Schlimmste ist, dass ich die besten gar nicht erst erwähnt habe.“ Also bleibt der Kanon vorerst offen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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