Neun Jahre Haft für Tötung von spanischem „Cowboy“ wegen Stiefeln

Mhamed A., vorbestraft wegen Drogen und Brandstiftung, wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, weil er den 70-jährigen Alberto im Verein Betel tötete.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Neun Jahre Haft für Tötung von spanischem „Cowboy“ wegen Stiefeln
Neun Jahre Haft für die Tötung Albertos wegen 130-Euro-Stiefeln

Die sechste Abteilung des Provinzgerichts von Madrid verurteilte den 43-jährigen marokkanischen Staatsangehörigen Mhamed A. zu neun Jahren Gefängnis wegen Mordes und zwei weiteren Jahren wegen Raubs mit Gewalt. Das Opfer, Alberto, war 70 Jahre alt, litt an Glaukom und eingeschränkter Mobilität und lebte seit 17 Jahren im Verein Betel, einer gemeinnützigen Einrichtung für sozial ausgegrenzte Menschen in Camarma de Esteruelas. Man nannte ihn „Der Großvater“, da er einer der Ältesten war. Er stand früh auf, um seinen Mitbewohnern das Frühstück zuzubereiten und die Tiere zu füttern. Seine Tochter beschrieb ihn als einen Cowboy: Um sechs Uhr morgens saß er bereits auf dem Pferd.

Der gerichtliche Bericht ist ebenso knapp wie erschütternd. Der Verurteilte erklärte während der mündlichen Verhandlung: „Ich traf ihn, er hatte mir den Rücken zugewandt, ich weiß nicht, warum ich ihn erstochen habe.“ Und fügte hinzu: „Ich habe ihn gesucht, wir haben kein Gespräch geführt.“ Das Urteil, über das El Mundo berichtete, datiert die Tat auf den 22. Mai 2022 gegen zehn Uhr vormittags auf dem Gutshof Montecillo. Der Angreifer tauchte dort auf, eignete sich Stiefel im Wert von etwa 130 Euro sowie ein Küchenmesser an und griff Alberto mit der Absicht an, ihm das Leben zu nehmen.

Was geschah nach dem Messerangriff?

Alberto erlitt mehr als zehn Verletzungen, überwiegend am Bauch und an den Händen. Er wurde dringend ins Krankenhaus 12 de Octubre eingeliefert und blieb dort 27 Tage, bis er am 18. Juni starb. Die Ermittlungen führte das Untersuchungsgericht Nr. 6 von Alcalá de Henares. Während das Opfer im Sterben lag, begab sich der Täter zur Wohnsiedlung El Practicante derselben Gemeinde, brach in ein anderes Haus ein, richtete Schäden an, wechselte seine Kleidung, schlief und stahl das Mobiltelefon des Besitzers, bevor er floh.

Der Verurteilte hatte Vorstrafen wegen Drogenhandels und Brandstiftung. Für letztere Straftat verbüßte er eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung. Im Urteil wird seine Verwurzelung in Spanien als nicht nachgewiesen und sein Vorstrafenregister als für die Rückfallberechnung nicht verwertbar beschrieben. Die Familie, vertreten durch den Anwalt Jorge Sanz Escribano, forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe mit Revisionsmöglichkeit. Diese wurde nicht gewährt. Das Gesamturteil: elf Jahre Haft und jeweils 100.000 Euro Entschädigung für jeden der drei Kinder.

Die fehlende Sicherheit auf dem Gutshof

Der Anwalt der Kanzlei Vadillo Abogados argumentiert, dass der Täter aufgrund des vollständigen Fehlens von Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen straffrei entkommen konnte. Dies ist der Punkt, an dem der Fall von einer reinen Kriminalberichterstattung zu etwas anderem wird. Eine gemeinnützige Einrichtung, die sich der Aufnahme sozial ausgegrenzter Menschen und Suchtkranker widmet, ohne Bewachung, auf einem Grundstück in einer Gemeinde nahe Alcalá de Henares. Ein 70-jähriger Mann mit Glaukom, der auf dem linken Auge blind war und Probleme auf dem rechten hatte. Ein Angreifer mit Vorstrafen, der eindringt, Stiefel nimmt, ein Messer nimmt und tötet.

Isabel, die Tochter, sprach täglich um 9:30 Uhr morgens telefonisch mit ihrem Vater. Bis eines Tages Alberto nicht anrief. Ihre Mutter überbrachte ihr die Nachricht. „Alles, was ihm passiert, erscheint mir wenig. Sie haben meinen Vater getötet. Wir hoffen, dass niemand durchmachen muss, was wir gerade durchleben“, erklärte sie. Die Familie hat seit der Tragödie keinen Kontakt mehr zum Verein Betel gehabt.

Die Debatte: Zwischen Verurteilung und Systemversagen

Die in den Materialien gespiegelte gesellschaftliche Reaktion beschränkt sich nicht nur auf den Täter. Ein Teil der Analyse sieht in der Einwanderungspolitik und Regularisierungen strukturelle Ursachen. Ein anderer Strömung schiebt die Schuld auf Richter und Sicherheitskräfte, denen vorgeworfen wird, Personen mit Vorstrafen freizulassen. Manche argumentieren, das Problem sei die mangelnde Sicherheit in Einrichtungen wie Betel, die schutzbedürftige Menschen ohne Mittel aufnehmen. Andere kritisieren direkt das Strafsystem dafür, keine lebenslange Haft mit Revisionsmöglichkeit anzuwenden.

Die Sprache des Urteils selbst erzeugt Misstrauen. Der Ausdruck „dessen Verwurzelung in Spanien nicht nachgewiesen wurde“ wird in Teilen der Debatte als Euphemismus für einen illegalen Aufenthalt gelesen. „Mit der Absicht, einen unrechtmäßigen Vermögensvorteil zu erzielen, und nachdem er ohne Anwendung von Gewalt Zugang erhalten hatte“ wird so interpretiert, dass er zum Stehlen eingedrungen sei, weil es offen war. Die Kluft zwischen dem juristischen Wortlaut und dem Verständnis des Durchschnittslesers ist an sich schon ein Phänomen.

Wer zahlt die 100.000 Euro pro Kind?

Die Entschädigung von 100.000 Euro für jedes der drei Kinder wirft die unbequeme Frage auf: Woher kommt dieses Geld? Wenn der Verurteilte kein Vermögen besitzt und sich in psychiatrischer Unterbringung befand, fällt die zivilrechtliche Haftung subsidiär auf den Staat zurück. Das heißt, auf die Steuerzahler. Es ist genau diese Art von Detail, die einen Gerichtsfall zu einer Frage der öffentlichen Finanzen macht.

Die Verurteilung zu neun Jahren wegen Mordes und zwei Jahren wegen Raubs mit Gewalt schließt das Verfahren ab, aber nichts sonst. Alberto steht nicht mehr früh auf, um die Tiere zu füttern. Seine Tochter erhält keine Anrufe mehr um 9:30 Uhr. Und die Frage, warum ein Mann mit Vorstrafen, untergebracht in einer psychiatrischen Einrichtung wegen Brandstiftung, schließlich einen Siebzehnjährigen von hinten wegen 130-Euro-Stiefeln erstach, bleibt ohne eine Antwort, die jemanden zufriedenstellt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (134 Antworten).

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