Wieder eine DANA in Valencia: 300 l/m2 und die offene Wunde von 2024
Die Warnung wurde am Sonntagabend ausgelöst. Die valencianische Regionalregierung (Generalitat) schickte eine ES-Alert an die Bevölkerung der Marina Alta und La Safor mit der Aufforderung, das Haus nicht zu verlassen. In L'Atzubia in der Region Marina Alta fielen 462,6 Liter pro Quadratmeter in acht Stunden und 686,2 in 72 Stunden. Die UME (Spaniens militärische Notfallhilfe) rückte nach Oliva aus, wo das Wasser den Strand überflutete, Autos versenkte und rund 200 Menschen einschloss. Die Stadtverwaltung von Oliva hatte in der Nacht zuvor bereits 2.000 Menschen aus Campingplätzen evakuiert. Die Zahl, die über allen Gesprächen schwebte, war eine andere: die erwarteten 300 l/m2 zwischen Mitternacht und Montagmorgen. Und die Erinnerung an Oktober 2024, als 170 Liter vorhergesagt wurden und 770 fielen.
Was von dieser DANA zu erwarten ist und wo es am stärksten regnet
Das Ereignis konzentriert sich auf die Südküste Valencias und den Norden Alicantes. Die Regionen Marina Alta und La Safor sind am stärksten betroffen, mit Mengen, die laut Angaben der Generalitat an mehreren Orten bereits 600 Liter pro Quadratmeter überschreiten. Die Notrufzentrale 112 stufte die Lage um 05:52 Uhr für beide Regionen auf Stufe 2 hoch. Die UME wurde in Oliva eingesetzt, wo das Wasser die erste Strandreihe bedeckte und die Rettung von Anwohnern und Touristen erforderte. Die Stadtverwaltung hatte in der Nacht zuvor 2.000 Menschen von Campingplätzen evakuiert. Das Wetter Muster ist bekannt: Berge direkt am Meer, die die Feuchtigkeit einfangen und stundenlang abregnen lassen. Der Unterschied zu anderen Gota-fría-Lagen ist die Hartnäckigkeit.
Das Management der Warnungen: von der ES-Alert bis zur Warnung, die nie kam
Die Generalitat hat seit Beginn des Ereignisses vier ES-Alerts verschickt. Die letzte, am Montag, forderte die Bevölkerung der Marina Alta und La Safor auf, nicht aus dem Haus zu gehen. Die Massenwarnung erreichte die Handys in den frühen Morgenstunden, allerdings nicht ohne Kontroverse: Manche kritisieren, dass sie mitten in der Siesta verschickt oder erst aktiviert wird, wenn das Wasser bereits auf der Straße steht. Der Vergleich mit 2024 liegt nahe. Damals informierte das CECOPI (die regionale Notfallkoordinationszentrale) die Gemeinden nicht über das Ausmaß der Flut, und der Bürgermeister von Algemesí erklärte, er habe es aus der Presse erfahren. Diesmal ist die Nachricht zumindest früher angekommen. Ob sie rechtzeitig an die Campingplätze in Oliva ging, die in der Nacht zuvor auf eigene Faust evakuierten, ist eine andere Frage.
Die Debatte über die Stauseen: Wurden 2024 die Schleusen geöffnet?
Der Schatten des Staudamms von Forata liegt über jeder DANA in Valencia. 2024 schickte die Generalitat den Gemeinden eine WhatsApp mit dem Hinweis, dass von Forata her 1.000 m3/s abkämen. Dieser Warnung zufolge – so die Erzählung, die sich in Teilen der öffentlichen Meinung festgesetzt hat – erreichte nicht jede Gemeinde. Die technische Realität ist prosaischer: Forata hat keine Schleusen; es ist ein Gewichtsstaumauer, die über eine Hochwasserentlastung ablässt, wenn der Pegel den Schwellenwert überschreitet. Andere Talsperren im Einzugsgebiet wie Benagéber oder Contreras ließen in der kritischen Woche kein Wasser ab; die Aufzeichnungen über den gespeicherten Wasserstand zeigen, dass sie sich weiter füllten. Loriguilla und Buseo wurden teilweise geleert, aber erst eine Woche später, als die Katastrophe bereits geschehen war. Der Vorwurf, die Stauseen seien „hinterlistig geöffnet" worden, hält den Daten nicht stand, auch wenn das Gerücht hartnäckig bleibt, weil der Umgang mit den Informationen zumindest intransparent war.
Bauen in Überschwemmungsgebieten und der Bach, den niemand räumt
Die Bebauung ist der andere große Beschuldigte. In den letzten Jahrzehnten wurde massiv in Gebieten gebaut, die Umweltschützer seit Jahren als überschwemmungsgefährdet bezeichneten. Die Schlucht von Chiva, die das Gebirge durchquert und in den Turia mündet, verhielt sich am 29. Oktober 2024 wie ein reißender Fluss: Es kam mehr Wasser herunter als im Turia selbst bei seinem Durchfluss durch Bugarra. In Pedralba wirkte die Brücke als Staumauer, das Wasser staute sich flussaufwärts und forderte fünf Tote. Ein Drittel des Ortskerns wurde überflutet. Die Räumung von Flussbetten und Schluchten ist eine weitere wiederkehrende Forderung: Manche behaupten, wären die Schluchten geräumt gewesen, hätte es weniger Opfer gegeben. Es gibt keine offiziellen Daten, die diesen Zusammenhang belegen, aber das Gefühl des Verlassenseins im entvölkerten ländlichen Spanien und in den Gemeinden des oberen Einzugsgebiets ist eine Tatsache.
Klimaleugnung und die Ermüdung durch Warnungen
Nicht jeder glaubt, dass sich das Klima verändert. Manche führen diese Ereignisse auf „Gota frías wie eh und je" zurück und kritisieren die Übermaß an Warnungen. Die Warnmüdigkeit ist ein reales Phänomen: Wenn für jedes Gewitter eine ES-Alert verschickt wird, achten die Leute nicht mehr darauf. Die AEMET (Spaniens Wetterdienst) und die Generalitat stehen vor einem Dilemma: zu viel warnen und die Warnung abwerten, oder zu wenig warnen und eine Tragödie riskieren. 2024 hob die AEMET die Warnungen auf, kurz bevor die Katastrophe losbrach, wie manche Meteorologen beklagen. Der Vergleich mit anderen Ländern ist schmerzhaft: In Japan waren die Bewohner von ihrer eigenen Regierung gewarnt worden, bevor die DANA eintraf. Hier bleibt die Koordination zwischen den Verwaltungen die Schwachstelle.
Die wirtschaftlichen Folgen: Verluste in Millionenhöhe und Versicherungen
Die Überschwemmungen von 2024 verursachten nach Schätzungen des Consorcio de Compensación de Seguros (Spaniens Versicherungsentschädigungskonsortium) wirtschaftliche Verluste von über 10 Milliarden Euro. Die jetzige DANA könnte, falls sich die schlimmsten Prognosen bestätigen, eine weitere Rechnung hinzufügen. Am stärksten betroffen sind Landwirtschaft, Tourismus und der Kleinhandel. Die Campingplätze in Oliva, von denen 2.000 Menschen evakuiert wurden, sind ein Beispiel für die Verwundbarkeit der Küste. Der Wiederaufbau der Infrastruktur und die Räumung der Flussbetten erfordern öffentliche Investitionen, doch die Debatte darüber, wer zahlt – der Staat, die Generalitat oder die Gemeinden –, ist weiterhin offen. Unterdessen blicken die Anwohner der Viertel mit Namen wie „Rambla de los Cantos" oder „Arroyo del Aluvión" in den Himmel.
Die Zahl, die verstört, ist nicht die der vorhergesagten 300 Liter, nicht einmal die der 686 in 72 Stunden angesammelten. Es sind die 770 Liter, die 2024 fielen, als 170 erwartet wurden. Scheitert die Vorhersage erneut, wird die Frage nicht lauten, ob das Wasser die Straßen erreicht hat, sondern wie viele weitere Warnungen nötig sind, bis jemand beschließt, eine Schlucht zu räumen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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