Netanyahu rechtfertigt Krieg gegen Hisbollah trotz Gaza-Opfern

Netanyahu verteidigt den Kampf gegen die Hisbollah, während Kritiker 41.000 Tote und 100.000 Verletzte in Gaza anprangern, ein Drittel Kinder.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Netanyahu rechtfertigt Krieg gegen Hisbollah trotz Gaza-Opfern
Netanyahu rechtfertigt Krieg gegen Hisbollah trotz Gaza-Opfern

Die Botschaft des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu an die internationale Gemeinschaft stellt erneut die seit Jahrzehnten unbeantwortete Frage auf den Tisch: Warum kämpft Israel im Libanon? Sein Argument ist simpel: Am 7. Oktober begann die Hamas einen Krieg, und am nächsten Tag tat die Hisbollah dasselbe. „Es scheint unglaublich, dass wir nach Jahrzehnten des Konflikts mit dem Libanon immer noch erklären müssen, warum wir sie bekämpfen“, heißt es in der vom Premierminister verbreiteten Nachricht. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Die Zahl der zivilen Todesopfer bei der Militäroperation gegen die Hamas – 41.000 Tote und 100.000 Verletzte, ein Drittel davon unter 14 Jahre alt – ist zum Hauptargument derer geworden, die vor einem Menschenrechtsgerichtshof Rechenschaft fordern.

Die Botschaft, die Netanyahu nicht geben will

Der Netanyahu zugeschriebene Text skizziert eine Abfolge, die für seine Verteidiger Israel von jeder Erklärungspflicht befreit: Zuerst war die Hamas, dann die Hisbollah. Die Logik ist die der Selbstverteidigung. Doch diese Chronologie kollidiert mit den Forderungen aus kritischen Kreisen: Wenn der Krieg am 7. Oktober begann, wie erklärt man dann die Zahl der zivilen Opfer? Und warum wird das Westjordanland angegriffen, wenn die Hamas in Gaza und die Hisbollah im Libanon sitzt? Diese Fragen beantwortet die Nachricht nicht.

Die Debatte mündete schnell in Fragen der strafrechtlichen Verantwortung. Die Zahl von 41.000 getöteten Zivilisten und 100.000 Verletzten, darunter ein Drittel Kinder unter 14 Jahren, steht im Mittelpunkt der Anklage. Für einen Teil der Analyse macht dieses Ausmaß eine Vorladung vor einem Menschenrechtsgerichtshof unvermeidlich. Für andere ist die Zahl der Preis eines von der Hamas begonnenen und von der Hisbollah unterstützten Krieges.

Die Chronologie als Schlachtfeld

Im Kern des Streits liegt die Frage, wo die Uhr beginnt. Netanyahus Botschaft setzt den Startpunkt auf den 7. Oktober 2023. Wer dieses Datum ablehnt, geht Jahrzehnte zurück: die Gründung des Staates Israel, die Besatzung, die Enteignungen. „Für diesen zionistischen Schwein hat die Welt erst am 7. und 8. Oktober begonnen; er hat vergessen, was sie alles getan, gestohlen und seit den 40er-Jahren weiterhin gestohlen haben“, fasst ein Kommentar zusammen. Es geht also nicht um unmittelbare Fakten, sondern darum, welche Fakten zählen.

Dieser Streit um den zeitlichen Rahmen hat eine wiederkehrende Folge: die angebliche Passivität Israels gegenüber dem Angriff vom 7. Oktober. Manche behaupten, die Regierung Netanyahu habe von den Vorbereitungen gewusst und nichts unternommen, um sie zu verhindern, um einen Casus Belli zu schaffen. Der Vorwurf ist nicht bewiesen, kursiert aber stark in der Debatte. „Sieht man jemanden im Gefängnis wegen Pflichtvernachlässigung? Nein, oder?“ fragt einer.

Doppelte Standards und der Schatten des 11. September

Vergleiche mit dem 11. September tauchen in mehreren Beiträgen auf: Es wird argumentiert, Israel habe wie die USA nach den Anschlägen eine Aggression genutzt, um die Region neu zu ordnen. Der Vergleich erstreckt sich auf die Gründung des Staates Israel, die manche als geostrategische Operation zur Kontrolle des Suezkanals analysieren. „Alles tun sie mit einem Motiv“, lautet eine Linie, die Misstrauen und Geopolitik vermischt.

Gegen diese Lesart stützt sich die israelische Verteidigung auf die Natur der Hamas und der Hisbollah. Es wird argumentiert, beide seien bewaffnete Akteure, die zuerst angegriffen hätten, und Israel habe das Recht zu reagieren. Das Gegenargument lautet, dass die Reaktion eine Anzahl ziviler Opfer verursacht hat, die jede Verhältnismäßigkeit sprengt. Die Diskussion über doppelte Standards – warum Israel verurteilt wird und andere nicht – zieht sich durch den gesamten Austausch.

Der Libanon als zerbrochener Spiegel

Die Debatte über den Libanon hat ihr eigenes Gedächtnis. Es wird daran erinnert, dass das Land vor vier Jahrzehnten eine demokratische Regierung hatte, die verschiedene religiöse Konfessionen integrierte. Die massive Ankunft palästinensischer Flüchtlinge – zuvor aus Jordanien vertrieben, wie berichtet wird – und der spätere Einfluss Syriens und Irans hätten dieses Gleichgewicht zerstört und zum Bürgerkrieg geführt. Diese These gibt externen Akteuren die Schuld an der Zerstörung eines funktionierenden Landes.

Diese Lesart koexistiert mit einer anderen, die den Fokus auf die israelische Verantwortung legt. Das Ergebnis ist eine ungelöste Debatte: Jede Seite hat ihre Erzählung der Ungerechtigkeiten und ihr Startdatum. Netanyahus Botschaft hat sie nicht beigelegt, sondern wieder eröffnet.



Der Punkt, an dem die Analyse immer wieder feststeckt, ist derselbe: Es gibt keine Einigung darüber, wann der Krieg begann. Ohne dieses gemeinsame Datum dient jede Zahl – 41.000 Tote, 100.000 Verletzte – entweder zur Anklage oder zur Rechtfertigung. Und so wird es bleiben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (120 Antworten).

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