Nacht und Acht: Lautliche Zufälle in sechs Sprachen

Im Spanischen, Englischen, Französischen und Deutschen teilen 'Nacht' und 'Acht' eine lautliche Wurzel. Die Etymologie erklärt dies ohne Verschwörungstheorien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nacht und Acht: Lautliche Zufälle in sechs Sprachen
Nacht und Acht: die Ähnlichkeit, die nur in sechs Sprachen funktioniert

Im Spanischen, Französischen, Englischen, Italienischen, Portugiesischen und Deutschen teilen das Wort für Dunkelheit und das Wort für die Zahl Acht eine fast identische Lautgruppe. Der Zufall ist real und dokumentiert. Was nicht dokumentiert ist, dass es sich um eine Verschwörung handelt. Diese Tatsache kursiert seit Jahren in Foren und sozialen Medien, und jedes Mal, wenn sie auftaucht, stellt sich dieselbe Frage: Warum hat Latein diese Spur in einigen Sprachen hinterlassen, aber nicht in anderen?

Die kurze Antwort lautet, dass Latein an fast allem schuld ist. Noctem entwickelte sich zu noche, nuit, night, notte und Nacht. Octo entwickelte sich zu ocho, huit, eight, otto und acht. Zwei verschiedene Wurzeln, die durch einen zufälligen Lautwandel innerhalb derselben Sprachfamilie ähnlich klangen. Nicht mehr. Nicht weniger.

Warum klingen Nacht und Acht im Spanischen und Englischen ähnlich?

Der Ursprung liegt im Lateinischen. Die Wurzel noctem und die Wurzel octo entwickelten sich in den romanischen und germanischen Sprachen parallel und stimmten auf diesem Weg lautlich überein. Im Russischen heißt Nacht noch, aber Acht ist vósem. Im Ungarischen ist Nacht éjszaka und Acht nyolc. Im Türkischen gece und sekiz. Im Arabischen laila und zamanya. Die Regel bricht zusammen, sobald man den lateinisch-germanischen Zweig verlässt.

Das hindert die Daten nicht daran, Theorien zu nähren. Manche behaupten, der Zufall sei zu perfekt, um rein zufällig zu sein, während andere entgegnen, dass bei etwa 7.000 Sprachen auf dem Planeten sechs gemeinsame Lautgruppen kein Geheimnis sind, sondern Statistik. Die Diskussion wiederholt sich jedes Mal, wenn jemand auf die Liste stößt.

Die Theorie vom Englischen als Programmiersprache

Der Sprung von der Phonetik zur Metaphysik erfolgt, wenn jemand vorschlägt, Englisch sei keine natürliche Sprache, sondern ein entworfener Code. Die These, mit wechselndem Enthusiasmus verteidigt, besagt, dass Wörter wie understand (unter + stehen), together (zu ihr kommen) oder nowhere (jetzt hier) wörtliche Bedeutungen verbergen, die eine Absicht offenbaren. Welcome verliert ein L bei der Zusammensetzung, awesome mischt Ehrfurcht und etwas, um Staunen zu erzeugen. Für Anhänger dieser Lesart wurde Englisch von jemandem konstruiert, der mehrere europäische Sprachen beherrschte und versteckte Botschaften hinterlassen wollte.

Das Gegenargument ist einfach: Die Etymologie des Englischen ist dokumentiert, und seine Eigenheiten sind dieselben wie bei jeder Sprache, die Lehnwörter aus dem Lateinischen, Französischen, Nordischen und Griechischen aufgenommen hat. Dass together als to get her gelesen werden kann, ist ein Wortspiel, kein Ingenieursplan.

Alexandre Eleazar und die Etymologie, die Aliens vermischt

Die Konversation driftet hin zu einem wiederkehrenden Autor in diesen Kreisen: Alexandre Eleazar, ein Philologe, dessen Werk vergleichende Etymologie mit außerirdischen Ursprungsgeschichten vermischt. Laut zitierten Fragmenten wären weiße Männer und Menschen der gelben Rasse nicht ursprünglich von diesem Planeten, sondern vor 12.881 bzw. 17.000 Jahren in interstellaren Schiffen angekommen. Der Text, verbreitet als PDF, löst gemischte Reaktionen aus: Manche nennen ihn halluzinatorisch und schließen das Dokument, andere warnen, dass er enthüllende Daten mit absichtlichen Fehlern mischt, damit der Leser sie selbst ableitet.

Die wiederholte Empfehlung ist Vorsicht. Es ist kein Buch zum Auswendiglernen, sondern zum Lesen mit Bleistift und Misstrauen. Ein Teil dessen, was erzählt wird, ist nach Ansicht einiger plausibler als die offizielle Geschichte. Ein anderer Teil ist direkt unverifizierbar.

Chumino, Sklave und andere volksetymologische Mythen

Das Repertoire an sprachlichen Kuriositäten, das in der Diskussion angesammelt wird, umfasst mehrere Volksetymologien, die man mit Vorsicht genießen sollte. Eine führt den Ursprung von chumino (spanischer Slang für Hierba) auf englische Seeleute zurück, die, als sie Frauen in spanischen Häfen sahen, show me now verlangten. Eine andere verbindet das Wort esclavo (Sklave) mit dem lateinischen servum und einer vermeintlichen römischen Inventargrafik. Das sind clevere Geschichten, aber die akademische Etymologie unterstützt sie nicht.

Der Autor einer dieser Theorien definiert sich ironisch als verrückter Leugner und bittet darum, ihn nicht allzu ernst zu nehmen. Das ist vielleicht die gesündeste Haltung gegenüber dem Ganzen: den lautlichen Fund genießen, ohne ihn zum Beweis irgendetwas zu machen.

Der Zufall als Spiegel des Betrachters

Letztendlich liegt das Interesse der Diskussion nicht darin, ob Nacht und Acht eine Wurzel teilen – denn tun sie nicht. Es liegt darin, was jeder in diesen Zufall hineinprojiziert. Für manche ist es eine Laune der Sprache. Für andere ist es ein Zeichen dafür, dass jemand das Brett entworfen hat. Dieselbe Wortliste dient beiden Lesarten, und genau das macht sie unwiderstehlich.

Die vergleichende Etymologie hat Werkzeuge, um die meisten dieser Fragen zu lösen, aber keines für die Frage, die wirklich zählt: Warum brauchen wir, dass Zufall Bedeutung hat? Bei 7.000 Sprachen auf der Welt beweisen sechs lautliche Zufälle nichts. Auch das Gegenteil nicht. Die Debatte bleibt offen und wird wahrscheinlich weiterhin mit demselben Wort beginnen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (126 Antworten).

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