Murcia: In Spaniens Provinz entfallen 69 % der Stimmen auf PP und VOX

PP 37,8 %, VOX 31,1 % und PSOE 19,3 %: In Murcia geht fast 70 % der Stimmen an die Rechte. Das Wasser des Ebro und Trägheit erklären eine Bastion, die sich hält.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Murcia: In Spaniens Provinz entfallen 69 % der Stimmen auf PP und VOX
Murcia, wo PP und VOX zusammen auf 69 % der Stimmen kommen

Diese Tage kursiert eine Wahlkarte mit einer Etikettierung, die keine Nuancen zulässt: Murcia, die konservativste Provinz Spaniens. Die Zahlen dahinter sind die 37,8 % der PP, die 31,1 % von VOX und ein PSOE, der bei 19,3 % liegen bleibt. Addiert man das auf, ergibt sich ein Wert von 68,9 % des Elektorats, das sich rechts verortet. Das ist keine Meinungsumfrage und kein Kampagnen-Politbarometer: Es ist das Porträt einer Region, in der die Linke seit Jahren nur dritte Kraft ist und in der sich der öffentliche Diskurs so weit verschoben hat, dass selbst Anhänger von Recht und Ordnung die Regionalregierung als zu lasch kritisieren.

In der Debatte über die Zahl überwiegt die Zustimmung, doch sie ist nicht einstimmig. Manche lesen sie als Orden, andere als Symptom. Und vor allem gibt es eine Strömung, die behauptet, der Prozentwert messe gar nicht ideologische Überzeugung, sondern etwas anderes: die Trägheit eines Territoriums, in dem PP-Wählen einfach das Übliche ist – wie die Nachbarschaftsabgabe zahlen oder im August ans Meer fahren.

Was die Prozentzahlen sagen und was sie verbergen

Die 69 % sind die Zahl, die die gesamte Debatte ordnet. Für einen Teil der Beteiligten bestätigen sie eine Identität: Land des Gemüseanbaus, von ordnungsliebenden Leuten, von Tradition und Misstrauen gegenüber politischen Experimenten. Die immer wiederkehrende Formel ist die einer Region, die weder „Hähnchenbuden" noch zweckgebundene Subventionen will, sondern Wasser für die Felder und weniger Bürokratie. Es ist die klassische Erzählung des konservativen Wählers aus dem Südosten, und in Murcia findet sie ihre reinsten Ausprägung.

Die andere Lesart fällt weniger schmeichelhaft für das Elektorat aus. Es wird argumentiert, die PP-Stimme sei reine Trägheit, in vielen Gemeinden werde die Partei der ewigen Gewohnheit gewählt, egal wer die Liste anführe, und die lokale Linke habe ihren eigenen Untergang verdient. Der Satz, der diese Position zusammenfasst, ist vernichtend: Würden morgen einen Schimpansen aufstellen, würde er Regionalpräsident. Übertreibung oder nicht – er beschreibt ein reales Phänomen jahrzehntelanger Vorherrschaft einer Partei.



Das Wasser des Ebro, die Wunde, die ein halbes Jahrhundert erklärt

Eine Episode taucht immer wieder als Schlüssel zum Ergebnis auf: der Nationale Wasserwirtschaftsplan und seine Aufhebung. Als der PSOE den Ebro-Transfer kippte, verstand das Gemüseland von Murcia das als Kriegserklärung. Seitdem wirkt das Wassergedränge als identitäres Merkmal stärker als jedes Wirtschaftsprogramm. Es ist kein Zufall, dass die PP das Wasser zu ihrer Dauerrfahne gemacht hat und VOX es schamlos kopiert hat.

Dieses Unrecht vermischt sich mit einem jüngeren: dem Erdbeben von Lorca und der Wahrnehmung, die staatliche Hilfe sei zu spät und zu knapp gekommen. Es sind zwei Wunden, die die Region nicht geschlossen hat, und beide zeigen in dieselbe Richtung: Madrid hört nicht auf uns. Paradoxerweise lebt dieses Verlassenheitsgefühl neben einer Massenstimme für die Partei, die die Region fast ohne Unterbrechung regiert hat.

Die migrantische Bevölkerung, die nicht wählt

Einer der unbequemsten Punkte der Debatte ist das Verhältnis zwischen Wählerverzeichnis und demografischer Realität. Mehrere Beteiligte weisen darauf hin, dass in weiten Teilen der Region die ausländische Bevölkerung auf der Straße die Mehrheit stellt, an der Wahlurne aber unsichtbar bleibt, weil sie kein Wahlrecht besitzt. Daher die beschriebene Paradoxie: eine Region, die überwältigend rechts wählt, während ihr Alltag von Einwanderung geprägt ist. Die politische Konsequenz liegt auf der Hand: Das Elektorat, das entscheidet, ist deutlich homogener als die Gesellschaft, die das Territorium bewohnt.

Man sollte das vorsichtig handhaben. Dass die migrantische Bevölkerung nicht wählt, ist eine rechtliche Tatsache, keine Anomalie. Aber es hilft zu verstehen, warum der Rechtsanteil so gefestigt erscheint: Die Wählerbasis ist stabil, überaltert und hat kaum Anreize, die Partei zu wechseln.

Von der alten PP zur Koalition mit VOX

Auch die innere Aufteilung des konservativen Blocks hat sich verändert. Die murcianische PP, die einst allein nahe an 60 % herankam, teilt sich den Raum heute mit einem VOX, der über 31 % liegt. Die Summe ist dieselbe; die Geometrie eine andere. Manche sehen darin eine Radikalisierung des Elektorats, andere deuten es als bloße Stimmenverschiebung innerhalb desselben Blocks ohne echte Regierungskonsequenzen.

Die schärfste Kritik kommt aus dem eigenen Lager: Es wird behauptet, die PP regiere genauso lasch wie der PSOE, auf der Straße merke man keinen Unterschied, und der Regionalpräsident kümmere sich um Feste und Gehalt, während die Region weiter auf Lösungen warte. Es ist die klassische Klage des rechten Wählers, der von seiner eigenen Partei enttäuscht ist – und in Murcia hat sie Konjunktur.

Die Karte, die nicht passt: Navarra und der Rest

Der territoriale Vergleich liefert kuriose Daten. Navarra, historisch konservativ zwischen Carlisten und Opus-Dei-Anhängern, wird heute von Regionen überholt, von denen man links vermutete, etwa Extremadura, Andalusien oder Kastilien-La Mancha. Die Rechts-links-Achse hat sich verschoben, die alten Karten taugen nicht mehr. Murcia ist in diesem Kontext keine Ausnahme, sondern die Spitze eines Eisbergs, der sich durch den gesamten Binnen-Süden zieht.

Und dann ist da noch die Kleingedruckte des Alltags. Gegen die Erzählung der wohlhabenden, geordneten Region beschreiben manche ein trockenes Territorium, mit Unternehmern, die nicht reinvestieren, und einer Verwaltung, die nach dem Prinzip der Trägheit funktioniert. Die guten Menschen gibt es, heißt es, aber das System repräsentiert sie nicht.

Vor diesem Hintergrund hört die 69 % auf, eine Schlagzeile zu sein, und wird zu einer offenen Frage: Wählt Murcia, was es ist – oder wählt es, was es immer gewählt hat?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (55 Antworten).

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