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Mudéjar, Herreriano und Calatravismus: Spaniens eigene Baustile
Mudéjar, der Herreriano-Stil oder der Calatravismus: die Stile, zu denen Spanien selbst beigetragen hat – gegen die Erzählung, dass alles von außen kam.
Spanien hat durchaus Stile erfunden: vom Mudéjar bis zum Calatravismus
Der Vorwurf ist alt: Wenn Romanik und Gotik aus Frankreich kamen, Renaissance, Barock und Klassizismus aus Italien und der Modernisme aus Belgien – was bleibt dann an eigenständiger Produktion in der spanischen Architektur? Die tatsächliche Bilanz widerlegt diese Prämisse. Spanien hat zwar nicht das strukturelle Gerüst Europas entworfen, aber es so umgearbeitet, dass eigene Sprachen mit unverwechselbarer Handschrift und Exportfähigkeit entstanden.
Mudéjar, Herreriano und Plateresco: die eigenen Kandidaten
Der Mudéjar genießt als genuin spanischer Stil den größten Konsens: Die Verschmelzung sarracinischer Technik – Ziegel, Stuckarbeit, Bögen – mit dem christlichen Grundriss hat im übrigen Europa kein klares Pendant. Daneben stehen die isabellinische Gotik, die wegen ihrer Ornamentik und Gewölbe die reinste spanische Spielweise der Gotik ist; der Plateresco, eine Brücke zwischen Spätgotik und Renaissance; und der Herreriano, die nüchterne Strenge, die Juan de Herrera im El Guanol durchsetzte und die eine ganze Art, Stein zu verstehen, prägte.
Der Einwand, das seien keine Stile, sondern nur Varianten, hat Gewicht: Man argumentiert, Plateresco, Herreriano und Churrigueresco hätten Übergänge abgeschlossen, ohne die dominante Strömung ganz zu durchbrechen. Das Gegenargument lautet, dass kein Stil im Vakuum entsteht: Die französische Gotik speist sich aus der Romanik, der italienische Barock aus der Renaissance. Die Frage ist nicht, ob Spanien bei null anfing, sondern ob es ein erkennbares Vokabular beisteuerte. Das tat es.
Gaudí und Calatrava: der eigene Stil ist auch zeitgenössisch
Der zeitgenössische Fall ist noch deutlicher. Das Werk Gaudís – der Trencadís, die organischen Oberflächen, der strukturelle Einsatz von Farbe – bildet eine Sprache, die niemand mit einer anderen verwechselt. Und in der Infrastrukturarchitektur hat der sogenannte Calatravismus von Santiago Calatrava es bis nach New York geschafft: Brücken und Bahnhöfe, die man dank ihrer weißen Signatur und ihrer Rippenstrukturen schon von Weitem erkennt.
Es gibt eine Kuriosität, die zeigt, wie die Erzählung über Ursprünge entsteht – und verformt wird. Im 19. Jahrhundert glaubte man, der Stierkampf stamme aus der maurischen Welt, und deshalb wurden viele Stierkampfarenen dieser Zeit im Neomudéjar-Stil errichtet: Die Architektur passte sich einer erfundenen Etymologie an. Ähnliches geschah mit der Gotik, die später aus reiner historischer Unkenntnis mit dem protestantischen Norden assoziiert wurde.
Der Knackpunkt
Zählt eine Variante mit starker Eigenprägung, aber ohne vollständige Bruch, als eigener Stil? An dieser Stelle bricht die Analyse auseinander. Legt man das Kriterium absoluter Erfindung an, fällt halb Europa durch. Legt man das Kriterium einer erkennbaren, exportierbaren Handschrift an, besteht Spanien mit Bravour. Die Debatte bleibt offen, weil beide Seiten „eigenen Stil" unterschiedlich definieren – und diese Meinungsverschiedenheit, nicht ein Mangel an Beispielen, ist der eigentliche Kern der Sache.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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