Mittlerer Osten: Systemischer Schock erschüttert Märkte und Versicherungen

Die IEA bestätigt, dass die Energiekrise im Nahen Osten jene von 1970 und 2022 übertrifft. Irreversible Schäden an Infrastruktur drohen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der systemische Schock im Nahen Osten lässt sich nicht durch eine Waffenruhe beheben

Der Krieg im Nahen Osten ist kein regionales Konflikt mehr, sondern ein systemisches Ereignis mit direkten Folgen für die Energieinfrastruktur des Golfs. Häfen, Raffinerien und Gasterminals in Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Irak, Iran und Kuwait haben massive Schäden erlitten, während die Straße von Hormus seit Wochen nur noch eingeschränkt funktioniert. Es handelt sich nicht um einen vorübergehenden Preisanstieg beim Öl, sondern um das Risiko, dass ein Teil der Produktion physisch und dauerhaft verloren geht.

Die tückische Physik des Öls

Öl liegt nicht in einem unterirdischen See, sondern ist in porösem Gestein eingeschlossen wie Wasser in einem Schwamm unter Druck. Für den Förderstrom müssen Druck und Fluss konstant gehalten werden. Stoppt die Förderung abrupt, steigt Salzwasser auf und der Druck sinkt. Bei einer erneuten Inbetriebnahme reagiert das Feld oft nicht mehr mit der gleichen Leistung; ein Teil der Reserven bleibt unwiederbringlich im Boden.

Dieses Szenario spielt sich derzeit in Dutzenden Golf-Feldern ab. Es ist kein logistisches Problem beim Wiederöffnen eines Ventils, sondern ein physischer Schaden, der laut detaillierten Berechnungen Infrastrukturen, deren Aufbau Jahrzehnte dauerte, dauerhaft unbrauchbar machen kann.

Der Engpass ist nicht Rohöl, sondern Gas und seine Derivate

Der dringendste Mangel betrifft nicht Rohöl, sondern Produkte wie Kerosin und Schiffsfueloil. Gas trifft zudem einen kritischen Punkt: Düngemittel. Die Pearl-GTL-Anlage von QatarGas steht in Flammen. Die Zerstörung ihrer Luftzerlegungsanlagen, hergestellt von Linde und SIAD in Italien, kostet pro Einheit rund 1 Milliarde US-Dollar bei einer Bauzeit von drei bis vier Jahren. Die Auswirkungen auf die nächste globale Ernte sind sicher.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat bestätigt, dass die durch diesen Krieg ausgelöste Energiekrise schwerwiegender ist als die Ölkrisen der 1970er Jahre und die Gaskrise von 2022 zusammen genommen. Dies ist keine Prognose, sondern ein dokumentierter Fakt.

Die Versicherungslast und der finanzielle Dominoeffekt

Das nächste Domino ist der Versicherungssektor. Höhere Gewalt-Klauseln werden bei Lloyd's aktiviert, mit Forderungen, die sich 270 Milliarden US-Dollar nähern. Dies zwingt die staatlichen Fonds des Golfs dazu, Vermögenswerte an westlichen Börsen zu verkaufen, um den Wiederaufbau zu finanzieren. Das globale Finanzsystem basierte auf der Annahme, dass diese Assets immer Abnehmer finden würden; nun weht der Wind aus einer anderen Richtung.

Manche argumentieren, das System werde halten, weil niemand ein totales Chaos will. Andere erinnern daran, dass die Finanzarchitektur ein Kartenhaus über der instabilsten Region der Welt errichtet hat. Ein Ölpreis von 150 Dollar würde Inflation und Zinsen auf ein Niveau treiben, das für mehrere Länder unbezahlbar wäre. Eine Kette von Staatspleiten ist ein realistisches Szenario, keine Panikmache von Ökonomen.

Spanien: Tourismus als neues Öl

Für Spanien wirkt sich der Impact über den Tourismussektor aus. Teurer Kraftstoff und explodierende Flugpreise senken die Kaufkraft der Besucher. Sinkt die externe Nachfrage, kehren Ferienwohnungen zum traditionellen Mietmarkt zurück, das Angebot steigt und Preise fallen. Der Warenkorb wird aufgrund teurerer Düngemittel und Transportkosten stark ansteigen. Manche scherzen, man könne vielleicht wieder per Fähre nach Mallorca fahren, ohne pleite zu gehen; die Realität ist jedoch, dass die Mittelschicht ihre Kaufkraft in beide Richtungen verliert.

Offizielle Zahlen passen nicht

Die Diskrepanz zwischen Narrativ und Daten ist brutal. Trump behauptete zeitweise, 100 Millionen Barrel seien durch die Meerenge transportiert worden; CNN berichtete, die reale Zahl liege bei 900.000 Barrel. Wenige Tage später passierten zwei Tanker mit je 2 Millionen Barrel die Straße von Hormus. Das entspricht 10 % des normalen Durchsatzes. Währenddessen beteuern Medien, eine Waffenruhe werde den Fluss wiederherstellen, obwohl verlorene Produktion auch bei fahrenden Schiffen nicht ersetzt wird.

Laut Markterwartungen erreicht die Inflationsrate ihren Höhepunkt erst Ende 2026 oder Anfang 2027, nahe 10 %, falls der Krieg endet. Falls nicht, ist die Obergrenze unberechenbar. Der wirtschaftliche Schaden ist bereits angerichtet; offen bleibt nur, wie hoch die Flut noch anschwellen wird.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (833 Antworten).

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