Mit dem Staat gibt es keinen Frieden, so ein Anwalt

Ein Anwalt argumentiert, der Staat sei der einzige Feind, mit dem nie Frieden geschlossen wird; die Debatte dreht sich um Gewaltmonopol und Steuern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mit dem Staat gibt es keinen Frieden, so ein Anwalt
„Mit dem Staat wird nie Frieden geschlossen“: Die Debatte

Ein Anwalt brachte es in einem Gespräch auf den Punkt: Man kann viele persönliche Feinde haben, aber solange es konkrete Personen sind, ist Versöhnung immer möglich. Mit dem Staat nie. Das kurze, prägnante Aphorismus entfachte eine Kontroverse, die vom Gewaltmonopol über Steuern bis zur zweiten Änderung der US-Verfassung und Bürgermilizen reichte.

Kaum jemand bestreitet den Ausgangspunkt. Der Staat ist die Institution, die das legitime Gewaltnahmerecht für sich beansprucht, und diese Definition wird oft hart formuliert: eine bürokratische Maschine, die das Monopol auf legale Gewalt innehat. Für manche ist dies die vollständige Verurteilung. Für andere ist genau dies das, was verhindert, dass das Zusammenleben in einen permanenten Krieg degeneriert.

Das Monopol auf legale Gewalt in zwei Versionen

Ein Teil der Analyse akzeptiert die Diagnose und treibt sie auf die Spitze: Wenn der Staat nichts anderes als eine bewaffnete Bande ist, die sich mit der Zeit selbst legitimiert, ist seine Existenz unvereinbar mit individueller Freiheit. Der Einwand kommt sofort von der Gegenseite. Der Staat wäre nicht das Problem, sondern kriminelle Organisationen, die die Kontrolle an sich gerissen haben; die Lösung liegt nicht im Abriss, sondern in der Rückeroberung der Führung. „Wenn wir ihn beenden, schützen uns die Gesetze nicht mehr“, fasst einer der Beiträge zusammen und betont, man müsse die Kontrolle zurückgewinnen, statt das Gebäude niederzureißen.

Der Konsens, falls es ihn gibt, ist minimal: Der Staat wurde untergraben, und daraus entsteht das Gefühl der Feindschaft. Die echte Meinungsverschiedenheit betrifft den Umgang mit dieser Erkenntnis.

Notwendiges Übel oder organisierte kriminelle Bande?

Manche können sich keine andere Organisationsform vorstellen. Wer Alternativen vorschlägt, hat keine Belege dafür, dass es jemals ein Land mit Millionen Einwohnern ohne Staat gab, und die Angst vor seiner Abwesenheit — davor, dass Mafias das Sagen haben — wiegt schwerer als die Angst vor seiner Präsenz.

Auf der anderen Seite steht die funktionale Anschuldigung: Jede menschliche Erfindung dient einem Zweck, und wenn man die Lackschichten abkratzt — öffentliche Dienstleistungen, Straßen, Justiz, Aktivitäten, die zuvor von anderen Institutionen abgedeckt wurden — bleibt eine Struktur zur Extraktion und Verteilung übrig. Eine Definition, die einige ohne Nuancen teilen: eine organisierte kriminelle Bande.

Die Rechnung: Steuern, Abhängigkeit und eine Zahl in der Luft

Das wirtschaftliche Argument nimmt einen großen Teil der Kontroverse ein. Der Staat, so heißt es, kassiert nicht nur ein: Er erzeugt Abhängigkeit und verwandelt Schutz im Laufe der Zeit in eine Notbeziehung. Daraus folgt die unbequemste Überlegung, die das Radikale des Ansatzes verdeutlicht: Der schlechteste mögliche Staat wäre nicht der, der versagt, sondern der, der perfekt funktionieren würde. Jener, der ewigen Frieden garantiert und 5.000 Euro pro Kopf dauerhaft auszahlt, wäre nach dieser Logik der gefährlichste überhaupt, da er die menschliche Kondition stärker einschränken würde.

Hinzu kommt die Kritik am sozialen Verhalten, wobei die Pandemie als Beispiel dient. Manche behaupten, dass 95% der Bevölkerung von Balkonen applaudierten und strengere Maßnahmen gegen jene forderten, die sich nicht fügten, einschließlich Nachbarschaftsdenunziation. Dieses Ereignis wird als Beweis gelesen, dass das Problem nicht nur die Struktur ist, sondern die Bereitschaft der Gesellschaft, ihr zu gehorchen.

Bewaffnetes Volk und die zweite Änderung als Modell

Wenn nach Alternativen gefragt wird, ist die am weitesten entwickelte Antwort die allgemeine Bewaffnung des Volkes und ein System ziviler Milizen, in denen jeder Bürger ausgebildet wird. Die Idee wird wiederbelebt, dass politische und bürgerliche Freiheit nicht mit professionellen Armeen vereinbar ist, was auch auf die Polizei ausgedehnt wird. Es werden die Gründungstexte der USA zitiert: Feuerwaffen sind genauso wichtig wie die Verfassung selbst, und eine wohlregulierte Miliz ist die beste Verteidigung eines freien Landes.

Hier kommt die Nuance hinzu: Die zweite Änderung wird verteidigt, aber als das einzig Gute angesehen, das diesem Land noch bleibt, und daran erinnert, dass sie existiert, weil das Volk damals genug Macht hatte, sie durchzusetzen. Die Schlussfolgerung: In Spanien gibt es keinen rechtlichen Spielraum für etwas Derartiges, und keine Mehrheit könnte es genehmigen.

Offene Räte und die Demokratie, die tatsächlich existierte

Gegen die Gleichsetzung von Demokratie und repräsentativem System taucht ein konkretes historisches Beispiel auf. Auf der Iberischen Halbinsel funktionierten offene Räte (concejos abiertos) mit Gewohnheitsrecht, imperativem Mandat, Gemeinbesitz, privatem Familienbesitz und städtischen Milizen. Sie sind zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert verortet, mit Fortbestand bis ins 19. Jahrhundert, als die Verfassung von 1812 sie abschaffte.

Daraus ergibt sich eine breitere These: Was heute parlamentarische Demokratie genannt wird, ist in Wirklichkeit ein repräsentatives System, also eine schrittweise Abtretung von Verantwortung im Tausch gegen Komfort. Dasselbe Schema wird auf die USA angewandt, deren ursprügliche Versammlungsstruktur sich aufgelöst hat, um sich in eine imperiale Struktur zu verwandeln.

Die stets unbeantwortete Frage bleibt dieselbe: Wenn der Staat der Feind ist, mit dem es nie Frieden geben wird, wer bezahlt dann den Frieden? Selbst der großzügigste vorstellbare Staat — jener, der 5.000 Euro pro Kopf verteilt und ewige Ruhe garantiert — wäre für die Hardliner der denkbar schlechteste Feind. Und niemand hat bisher erklärt, wie man diese Ordnung ohne ihn finanziert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (245 Antworten).

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