Mileis Unternehmer-Ausdünnung: 32.300 Firmen und 437.000 Jobs weniger

Seit Mileis Amtsübernahme hat Argentinien 32.300 Unternehmen und 437.000 Arbeitsplätze verloren, wie elEconomista.es berichtet. Die Sparpolitik wird als schöpferische Zerstörung verteidigt, aber…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mileis Unternehmer-Ausdünnung: 32.300 Firmen und 437.000 Jobs weniger
Argentinien verliert 32.300 Unternehmen und 437.000 Arbeitsplätze seit Mileis Amtsübernahme

Ein einziger Tweet von elEconomista.es genügte, um den Funken zu entzünden: „Mileis wirtschaftliche Blutung: Argentinien verliert 32.300 Unternehmen und 437.000 Arbeitsplätze seit seiner Machtübernahme.“ Die Zahl ist eindeutig, der Zeitraum ebenso. Von dort aus verlagerte sich die Diskussion auf eine klassische Frage der Politischen Ökonomie: Ist das schöpferische Zerstörung oder schlicht Zerstörung?

Die am häufigsten geäußerte Verteidigung ist das darwinistische Sanierungsargument. Wird eine Wirtschaft dereguliert, verschwinden ineffiziente Unternehmen und machen Platz für produktivere. Das ist das Lehrbuchargument Schumpeters, und es klingt gut, bis man nach den Details fragt. Denn das Detail ist hier, dass die Schließung von 32.300 Unternehmen keinen Unterschied macht zwischen der Bäckerei, die ihre Bücher nicht ausgleichen konnte, und der Werkstatt, die an einem nicht mehr haltbaren Wechselkurs zugrunde ging.

Was steckt hinter den 32.300 geschlossenen Unternehmen?

Die zentrale Zahl des Tweets strukturiert alles: 32.300 Unternehmen weniger und 437.000 vernichtete Arbeitsplätze, seit Milei an der Macht ist. Es gibt im verfügbaren Material keine Aufschlüsselung, wie viele dieser Firmen mehrheitlich in öffentlichem Besitz waren oder wie viele dieser Stellen das waren, was manche mamandurrias nennen – also aufgeblähte oder klientelistische öffentliche Beschäftigung. Dieses Fehlen von Differenzierung ist an sich schon die Schwachstelle der offiziellen Erzählung.

Manche halten einen Teil der Korrektur für die notwendige Gesundung nach Jahrzehnten des Interventionismus. Argentinien verliert seit den 1970er Jahren Pro-Kopf-BIP, als – so wird in der Diskussion erinnert – das Einkommen pro Einwohner höher war als das Spaniens. Es war das Universitätsbeispiel dafür, wie man ein reiches Land ruiniert. Aus dieser Sicht wäre die Schließung von Zombieunternehmen der Preis für die Rückkehr zur Normalität.

Das Problem: Die Statistik unterscheidet nicht zwischen Beschneidung und Niederbrennen. Und dort setzt das andere Argument an: Wenn die Korrektur so brutal ist, wo bleiben die neuen effizienten Unternehmen, die die Lücke füllen sollten? Die ehrlichste Antwort lautet, dass das Material keine Daten liefert, um das zu beziffern. Nur die Behauptung, sie entständen „jeden Tag“, ohne Zahl, die das belegt.

Das Monopol, das Milei blockierte, und die liberale Paradoxie

Einer der schärfsten Einwände in der Diskussion betrifft die ideologische Kohärenz. Wenn der freie Markt der Kompass ist, was geschieht, wenn aus ihm ein Monopol oder Oligopol entsteht? Der genannte Fall ist Telecom, ein Geschäft, das die Regierung aus zwei Gründen blockiert haben soll: erstens, weil man es nicht dem freien Markt entspringend ansah; zweitens, weil – so die Ironie – es nach eigenem Ermessen entschieden wurde.

Die Paradoxie ist interessant. Ein Präsident, der sich als Ultraliberaler versteht, greift ein, um eine Unternehmenskonzentration zu stoppen. Seine Verteidiger sagen, er tue es zum Schutz des Wettbewerbs. Seine Kritiker: Es beweise, dass sich der Markt nicht selbst reguliert, wie das Lehrbuch versprach. In jedem Fall lässt der Vorgang eine Frage offen: Welchen Raum gibt es noch für neue effiziente Unternehmen in einem Sektor, in dem sich das Oligopol festigt?

Woher das Geld kommt und wohin es fließt

In der Diskussion kam auch der Verdacht auf, wer von der Korrektur profitiert. Ohne jeden Beleg im Material wird auf gesteigerte Einzahlungen auf Bankkonten in Steueroasen verwiesen, die dem Umfeld des Präsidenten und seiner Familie zugeschrieben werden. Es ist ein Vorwurf, der durch keine Daten im Thread gestützt wird und daher nicht als Faktum dargestellt werden kann. Er bleibt, was er ist: ein in die Luft geworfener Verdacht.

Überprüfbar ist der makroökonomische Kontext. Argentinien hat Jahrzehnte des Verfalls angesammelt, mit dem Peronismus als Protagonist eines Großteils dieser Zeit. Mileis Verteidiger argumentieren, er sei nicht die Ursache, sondern die Folge dieser lang anhaltenden Plünderung. Und sie fügen eine geopolitische Wendung hinzu: Die Annäherung an die USA und Israel sei der mangelnden Alternativen wegen, nicht aus reiner ideologischer Überzeugung.

Die Zahl, die verunsichert

Die Diskussion endet dort, wo solche Diskussionen meist enden: ohne Konsens. Die Verteidiger der Korrektur sehen Gesundung; die Kritiker eine Blutung ohne Sicherheitsnetz. Und dazwischen 437.000 Arbeitsplätze, die in keiner Wachstumsgrafik auftauchen. Die Frage, die bleibt, ist für beide Lager unbequem: Wenn die schöpferische Zerstörung funktioniert, wie viel Zeit bekommt sie, bevor die Schöpfung einsetzt?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

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